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"Feine Sahne Fischfilet" - eine Band als politische Stimme Linke Punks im braunen Osten

Kulturthema am 12.1.2018 von Martin Weber

Unbeugsame Gallier, umgeben von Rechten. Das ist das Thema der Punkband "Feine Sahne Fischfilet" aus Mecklenburg-Vorpommern. Andere würden gehen. Nach Hamburg, Berlin oder Leipzig. Sie bleiben. Trotz 16 Prozent für die AfD in Rostock. Trotz aggressiver Nazis. Oder wegen der Nazis. Sie wollen zeigen, dass das geht: gegen Rechts aufstehen. Mit dem neuen Album "Sturm und Dreck" mausert sich die Gruppe endgültig zur politischen Stimme im Osten.

Wir in Mecklenburg-Vorpommern

Mit einer rasend schnellen Punknummer zeigen Feine Sahne Fischfilet: Mit ihnen ist zu rechnen. Klar. Die Band war viel unterwegs, da ist das Wiederankommen, das nach Hause kommen, etwas Besonderes.

Mit „Zurück in unserer Stadt“ wird gleich eines der zentralen Themen der Band besungen: Die Liebe zu ihrer Stadt, zu ihren Freunden, zu ihrem Mecklenburg-Vorpommern.

Heimatgefühle ohne Kalendersprüche

Mit viel Pathos, dabei aber nie volkstümlich oder bieder, singen sie über Heimat und Freundschaft. Ohne dabei in Kalenderspruchweisheiten zu verfallen, wie das im deutschen Pop von Mark Forster oder Max Giesinger oft der Fall ist.

Ein Konzert gegen Rechtsextremismus: Jan "Monchi" Gorkow, Sänger von "Feine Sahne Fischfilet" zusammen mit Marten Laciny (Materia) und Campino im August 2016 in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern).

Ein Konzert gegen Rechtsextremismus: Jan "Monchi" Gorkow, Sänger von "Feine Sahne Fischfilet" zusammen mit Marten Laciny (Materia) und Campino im August 2016 in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern).

Zu Hause ist für Feine Sahne Fischfilet ein Begriff, der erst mal mit Deutschland nichts zu tun hat. Und erst recht nicht, mit dem fahnenschwenkenden Patriotismus oder der Rückbesinnung auf Tradition und Heimat einer AfD.

Die linken Punks aus dem braunen Osten

Deshalb singen sie im Song „Zu Hause“ auch:“ Es bleibt dabei, für eine grenzenlose Welt“. Und: „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Sie bleiben die linken Punks aus dem braunen Osten.

Dazu gehört auch, andere zu unterstützen. 2016 fuhren Feine Sahne Fischfilet übers Land und spielten Konzerte da, wo sonst kaum eine Rockband spielt. In kleinen Jugendhäusern und bei linken Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern. So, wie sie das früher gemacht haben. Bevor sie bei Rock am Ring spielten.

Eigenes Festival - und unfassbarer Erfolg

Dass sie dafür deutlich weniger Geld bekamen: egal. Es ging um die Sache. Vor der Bundestagswahl wiederholten sie die Aktion. Starteten ihr eigenes Festival. Die Idee kommt an, auf dem Land. Und nicht nur da. Die Band kann ihren eigenen Erfolg selbst nicht fassen.

Das Cover des Albums "Sturm & Dreck" der deutschen Punkband "Feine Sahne Fischfilet". Das Album erscheint am 12.01.2018.

Das Cover des Albums "Sturm & Dreck" der deutschen Punkband "Feine Sahne Fischfilet".

Feine Sahne Fischfilet steht in der Öffentlichkeit aber auch für einen strikten Antifaschismus, der auch anpacken bedeutet. Sie sind keine Band, die die andere Wange hinhält, sondern eine die zurückschlägt. Das kann man kritisieren. Kümmern wird es die Band nicht.

Band wird bedroht und angegriffen

Klar: Gegen Nazis singen viele. Tatsächlich betroffen von rechter Gewalt sind die meisten Bands aber nicht. Feine Sahne Fischfilet schon. Sie werden bedroht, es gab Buttersäure-Anschläge auf den Proberaum. Auf Aufklebern von Rechten wurde der Sänger mit gespaltenem Schädel abgebildet.

2015 besuchte Sänger Jan Monchi Gorkow die kurdischen Kämpfer in Suruc. Eine Bombe explodierte und riss 30 Menschen in den Tod. Ein schreckliches Erlebnis. Für Feine Sahne Fischfilet bleibt aber nicht nur der Horror, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl.

Endgültig im Rock angekommen

Mit „Sturm und Dreck“ sind Feine Sahne Fischfilet endgültig im Rock angekommen. Mit wenigen Ausnahmen bleiben die Songs im Midtempo-Bereich. Thematisch wechseln sie zwischen privaten Geschichte, Party, Exzess und politischem Aktivismus. Für die Band ist das eben nicht voneinander zu trennen.

Im Programm

Franz Liszt:
Fantasie über ungarische Volksmelodien S 123
Nareh Arghamanyan (Klavier)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Alain Altinoglu
Johann Gottlieb Graun:
Konzert a-Moll
Akademie für Alte Musik Berlin
Wladyslaw Szpilman:
Concertino
Ewa Kupiec (Klavier)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: John Axelrod
Peter Tschaikowsky:
"Manfred"-Sinfonie op. 58
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Vasily Petrenko

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