ARD radiofeature Interview mit dem Vizechefredakteur Mohammed Süleyman Tola

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"Vielen Menschen werden ihre Rechte und Privilegien als Bürger zunehmend bewusst."

Mohammed Süleyman Tola:
Ich bin Mohammed Süleyman Tola, Vizechefredakteur der News Agency of Nigeria.

Wo ist die ansässig?

Mohammed Süleyman Tola:
In Abuja.

Der Hauptstadt…

Mohammed Süleyman Tola:
Der Hauptstadt von Nigeria.

Was ist ihre Definition von Wahrheit?

Mohammed Süleyman Tola:
Wahrheit bedeutet für mich im Kern Ehrlichkeit, es bedeutet Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit. Es bedeutet, dass jemand gradlinig ist und dafür einsteht, was er sagt und denkt.

Welche ernsthaften Bedrohungen sehen Sie in Nigeria für die Wahrheit in den Medien?

Mohammed Süleyman Tola:
Wir erleben neuerdings in so mancher Medienorganisation Nigerias einen Niedergang der Aufrichtigkeit. Das liegt vor allem an den Herausforderungen ihres Umfelds: Das System bringt unseriöse Anführer hervor, Leute, die sich als politische Führer aufspielen, aber nicht allzu ehrenhaft und transparent sind. Einige von ihnen schaffen sich ihre eigenen Medien, die ihnen helfen, Unwahrheiten zu verbreiten und die eigene Unaufrichtigkeit zu vertuschen.

Sie stellen ihre eigene Wahrheit her?

Mohammed Süleyman Tola:
Ja, sie stellen ihre eigenen Wahrheiten her, eine Art Propaganda, die die Leute glauben sollen.

„Die unaufrichtigen Politiker versuchen jeden Tag, mehr Megaphone und Plattformen zu schaffen, um die Leute davon abzuhalten, zu begreifen, was sie wirklich treiben.“

Inwieweit ist das eine Bedrohung?

Mohammed Süleyman Tola:
Das beeinflusst unser aller Glaubwürdigkeit. Es verändert die Art und Weise, wie die Gesellschaft uns betrachtet, auch, wie wir auf die Regierung einwirken und damit unseren Beitrag bei der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft können. Es hat also sehr negative Auswirkungen darauf, wie die Gesellschaft Medien und Journalisten wahrnimmt.

Könnte man sagen: Je mehr Mächte es gibt, die ihre eigenen Wahrheiten zu kreieren versuchen, desto weniger Menschen gelingt es herauszufinden, was wirklich wahr ist?

Mohammed Süleyman Tola:
Ja. Oder besser: Ja und Nein. Ja in dem Sinne, dass diese unaufrichtigen Politiker jeden Tag versuchen, mehr Megaphone und Plattformen zu schaffen, um die Leute davon abzuhalten, zu begreifen, was sie wirklich treiben. Nein in dem Sinne, dass vielen Menschen ihre Rechte und Privilegien als Bürger zunehmend bewusst werden. Was dazu führt, dass die Leute skeptischer werden. Und sich anderer Medien bedienen, die eine andere Sicht der Dinge zeigen. Ich kenne Menschen, die konsumieren das Staatsradio und -fernsehen nicht mehr, weil sie ihm schlicht nicht glauben. Sie konsumieren lieber die Privatmedien. Aber es gibt auch jene, die denken, dass die Privatmedien vor allem den Interessen ihrer Inhaber dienen. Mit meiner Erfahrung von über 30 Jahren kann ich Ihnen sagen: Die Bürger wissen trotzdem immer besser darüber Bescheid wissen, was wirklich vorgeht.

Das klingt wie eine gute Nachricht.

Mohammed Süleyman Tola:
Deshalb gibt es auch immer mehr Unruhe. Die Leute haben Forderungen, sie verlangen nach einer besseren Politik, nach Sicherheit, nach besserer Gesundheitsversorgung, nach besserer Infrastruktur. Aktuell gibt es etliche Ermittlungen gegen nationale und regionale Abgeordnete, die öffentliche Gelder für alle möglichen vermeintlichen Entwicklungsprojekte eingesammelt haben, die nie durchgeführt wurden. Zum Ende ihrer Amtszeit werden die Leute nervös und verlangen von den Antikorruptionsbehörden, gegen diese Politiker zu ermitteln und ihnen die Beute abzunehmen.

Grundfrage: Wo ist das Geld?

Mohammed Süleyman Tola:
Genau: Wo ist das Geld?

„Täuschung und Lügen überall – die Leute haben es satt.“

Was war Ihre schlimmste Erfahrung mit Unaufrichtigkeit in letzter Zeit?

Mohammed Süleyman Tola:
Unaufrichtigkeit hat zum Beispiel zu den Sicherheitsproblemen Nigerias geführt, die wir in Teilen des Nordens haben, in Teilen des Südwestens und an anderen Orten. Jede Region hat ihre eigene Krise. Das ist sozusagen eine Rückwirkung der Unaufrichtigkeit auf Seiten der Führung. Täuschung und Lügen überall – die Leute haben es satt. Eine grassierende Arbeitslosigkeit, die Leute begehen alle möglichen Verbrechen. All das ist ein Resultat von Lügen, von Unaufrichtigkeit. Sie sind eben nicht ehrlich.

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