Bitte warten...

Die berühmtesten Reger-Anekdoten "Ich sitze im kleinsten Raum meines Hauses ..."

Es gibt eine barocke Figur der Musikgeschichte, der man zutraut, dass er all jene Anekdoten, die man sich von ihm erzählt, tatsächlich auch verzapft hat: Das ist Max Reger. Dessen mal grober, mal subtiler Witz ist legendär und die Chance groß, dass Reger-Anekdoten wirklich authentisch sind. Und wären sie es nicht, wären sie zumindest gut erfunden.

Max Reger

Max Reger dirigiert, Musikhalle Hamburg, 1909. Von Reger signierte Druckgrafik von Willy von Beckerath

Ohne Johann Baptist Joseph Maximilian Komponist, Organist und Pianist kommt keine Anekdoten-Sammlung aus, die etwas auf sich hält, die einige der bekanntesten:

Ein sehr hübsches, aber völlig talentfreies Mädchen spielte Reger im Beisein der Mutter auf dem Konzertflügel vor. Als die Mutter um ein Urteil bat, meinte Reger salomonisch: „Gnädige Frau, ohne Flügel wäre Ihre Tochter ein Engel!“

Nach einem Konzert der Meininger Hofkapelle: Eine junge Prinzessin erkundigt sich leutselig nach einer Solostelle der Fagotte, die ihr offenbar besonderen Eindruck gemacht hat. „Herr Hofrat, bringen die Leute diese Töne mit dem Mund hervor?“ Darauf Reger: „Das will ich doch stark hoffen, Königliche Hoheit.“

Die berühmteste Reger-Anekdote von allen: Ein Münchner Kritiker verriss eines von Regers Werken in Grund und Boden. Daraufhin schrieb ihm der Komponist ein kurzes Brieflein: „Sehr geehrter Herr! Ich sitze hier im kleinsten Raum meines Hauses und lese Ihre Kritik. Noch habe ich sie vor mir ... Hochachtungsvoll: Max Reger.“


Max Reger

Reger, ein Glas Milch trinkend, im Buttermilchtempel: Schenkung Anna Erler-Schnaudt. Dem Foto ist ein Brief beigefügt. Umseitig Beschriftung von Anna Erler-Schnaudt „Zu diesem Bild, das zur gleichen Zeit entstand, sagte er, verschmitzt schmunzelnd: da werden die lieben Menschen nicht glauben, dass der Reger da Milch trinkt. Das machte ihm unheimlichen Spaß.“ Dasselbe Postkartenmotiv sandte Elsa Reger am 8. 8. 1915 an Hermann Unger.

Die Mühle im Schwarzwald

„Reger wollte sich in seiner Vaterstadt Weiden einmal einen gemütlichen Abend machen und lud allerhand Honoratioren der Stadt dazu in einen Gasthof ein. In einem Extrazimmer wurde gegessen und getrunken, was das Zeug hielt. Und da auch ein Klavier in dem Zimmer stand, sollte auch Musik gemacht werden und, auf Regers Wunsch, so naturalistisch wie nur möglich.

Zu diesem Zweck musste sich ein des Klavierspielens kundiger Herr an das Klavier setzen und "Die Mühle im Schwarzwald" zum Vortrag bringen. Die anderen Herren hatten die Aufgabe, das Tonbild mit entsprechenden Geräuschen zu begleiten, um das Klappern der Mühle und des Mahlwerkes so plastisch wie nur möglich zu machen. Man hatte mit den Bierfilzen auf dem Tisch hin und her zu fahren, an die Gläser zu klopfen und was dergleichen mehr war.

Max Reger

Henriette Schelle und Max Reger beim Bier in einer Kneipe, 1909

Aber für Reger war das alles noch zu wenig: Er holte in der Küche einen riesigen Kochlöffel, gab diesen einem der prominentesten Bürger Weidens in die Hand und ließ ihn damit unter einen Stuhl kriechen. Dort hatte er auf jedes Achtel des Taktes an je eines der vier Stuhlbeine zu schlagen, damit das Klappern des Mühlrades gut und rhythmisch richtig durch das ganze Stück zu hören sei. (...)

Dann holte Reger einen großen Eimer mit Wasser. Zurück im Zimmer, schüttete Reger mit einem einzigen Schwung den ganzen Kübel Wasser unter den Stuhl, unter dem die hochmögende Standesperson Weidens immer noch rhythmisch mit dem Kochlöffel klopfte. Daraufhin großer Krawall und allseitige Schimpferei. Reger aber sagte mit dem unschuldigsten Behagen:

'Jo, ihr seid's jo guat! Zu einer Mühle im Schwarzwald gehört jo aa's Wasser!'“

Ludwig Kusche hörte diese unbekannte Reger-Anekdote von Ludwig Schmidmeier, der wie Reger aus Weiden stammte und Schüler des Klavier- und das Orgellehrers Adalbert Lindner war.

Max Reger

Max Reger auf dem Ochsenkopf, 1901

Aus der SWR2 Musikstunde "Geschichte der Anekdote" vom 19. März 2009 mit Thomas Rübenacker

Im Programm

Hugo Alfvén:
"Mittsommernacht" op. 19
Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks
Leitung: Esa-Pekka Salonen
Wolfgang Amadeus Mozart:
Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Ensemble Oxalys
Robert Schumann:
Fantasie C-Dur op. 131
Frank Peter Zimmermann (Violine)
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Leitung: Josep Pons
Giovanni Battista Pergolesi:
"Orfeo"
Christine Schäfer (Sopran)
Berliner Barock Solisten
Johannes Brahms:
Sonate f-Moll op. 120 Nr. 1
Nicolai Pfeffer (Klarinette)
Felix Wahl (Klavier)
Friedrich Smetana:
"Vysehrad " aus "Mein Vaterland"
Bamberger Symphoniker
Leitung: Jakub Hrusa