Bühne

Stuttgarter Gemeinderat billigt Neuplanung des Stuttgarter Opernbaus

STAND
AUTOR/IN

Nach langer Debatte hat der Stuttgarter Gemeinderat die Neuplanung des Stuttgarter Opernbaus gebilligt. Dafür stellt die Stadt zunächst 13,5 Millionen Euro bereit. Damit ist eine Vorentscheidung getroffen, aber noch kein Baubeschluss.

Audio herunterladen (3,9 MB | MP3)

Eine Milliarde Euro für eine Bauzeit von 15 Jahren

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Noppe ist nach der mit großer Mehrheit angenommenen Abstimmung über den Grundsatzbeschluss für die Sanierung und Erweiterung des Stuttgarter Opernhauses und den Bau einer Interimsspielstätte zufrieden: „Ich bin sehr erleichtert, wir haben heute eine wegweisenden, einen mutigen, historischen Beschluss gefasst. Der Gemeinderat hat diese große Hürde genommen.“

Die große Hürde, von der CDU-Mann Nopper spricht, das sind errechneten Kosten von knapp einer Milliarde Euro – gerechnet auf eine Bauzeit von 15 Jahren. Nach dem ersten Schock war es vor allem an Mark-Oliver Hendricks, dem geschäftsführenden Intendanten der württembergischen Staatstheater und seinem Team, diese Summe zu rechtfertigen.

Ein Haus, das nur noch aus Flickwerk zusammen gehalten wird

Sie taten es mit Überzeugungsarbeit hinter und vor den Kulissen der Staatsoper: „Das ist anders auch garnicht möglich sowohl in der Aufgabe gegenüber der Stadtgesellschaft, dem Gemeinderat, immer wieder zu zeigen, es geht um Kunst, es geht um Exzellenz, es geht um Rahmenbedingungen, das übersetzbar zu machen für den politischen Entscheider, der Verantwortung übernimmt. Und so wie sie heute übernommen wurde, scheinen wir einen Beitrag dazu geleistet zu haben.“

Und das auch ganz praktisch mit Führungen durch ein Haus, das nur noch durch Flickwerk zusammengehalten wird. Manche*n Politiker*in überzeugte das mehr als stundenlange Debatten.

Teilnehmende Zufallsbürger*innen waren überzeugt

Es überzeugte auch die knapp 50 Zufallsbürger*innen, die von Oktober bis Dezember letzten Jahres digital am Bürgerforum teilnahmen. Ein Modul, dass die Landesregierung verbindlich für Großprojekte des Landes vorschreibt.

Die Teilnehmenden machten sich ein Bild , sie sahen ein Unternehmen mit 1400 Mitarbeitenden und ihre Arbeitsbedingungen, sie sprachen mit Befürworter*innen und Gegner*innen der Sanierung, erhielten Einblick in sieben Jahre Planungsarbeit. Ihr Votum fiel klar für die Sanierung des altehrwürdigen Littmannbaues, des Opernhauses aus.

Das vom Sturm beschädigte Kupferdach brachte den Diskurs neu ins Rollen

Der Grünen Fraktionsvorsitzende Andreas Winter ist sich sicher: auch das hat bei der Abstimmung im Stuttgarter Gemeinderat geholfen. „Das war ein sehr konstruktiver Prozess, das war eine sehr gute Entscheidung, dass so zu machen. Insofern gab es für viele sichtbar keinen anderen Weg. Ich glaube, das heruntergekommene Operndach hat noch mitgeholfen, auch wenn das ein reiner Zufall war. Es ging wirklich um die Technik im Haus und das nicht mehr Zeitgemäße spielen zu können.“

Das vom Sturm heruntergeholte Kupferdach brachte die Oper kurzfristig noch einmal in die Schlagzeilen. Auch marode. Das alles soll sich ändern: für eine Milliarde Euro. Das Land hatte schon 2019 27 Millionen für die Planung bereitgestellt. Stadt und Land teilen sich die Kosten, auch die Milliarde.

Die größte Kultureinrichtung des Landes

Kunstministerin Theresia Bauer hat die Milliarde immer verteidigt, als sauber gerechnete und ehrliche Zahl „Ich weiß, dass das eine stolze Summe ist, aber wissen sie, es ist die größte Kultureinrichtung des Landes und sie leistet Spitzenmäßiges, sie strahlt aus in alle Welt und deswegen glaube ich, es ist wirklich gut investiertes Geld für das Land und auch für die Stadt und ich stehe da mit voller Überzeugung dahinter und glaube, dass es gut wird.“

Seit gestern Abend gibt es dafür einen Grund mehr, das zu glauben, denn die Stadt Stuttgart hat sich entschieden.

Stuttgarter Staatsoper Stuttgarter Opernsanierung: „Aufbruch Stuttgart" soll an Bürgerforum teilnehmen

Seit mehreren Jahren wird über die dringende Sanierung der Stuttgarter Oper diskutiert. Am 16. Oktober ist dazu auch eine erste Videokonferenz eines Bürgerforums geplant. Die Gruppe "Aufbruch Stuttgart" fühlt sich dabei zu wenig berücksichtigt und macht nicht mit.  mehr...

Ausstellung Wilhelm II. vor der Oper Stuttgart – Wer war der letzte württembergische König?

Das Denkmal für den letzten württembergischen König Wilhelm II. steht für die kommenden drei Monate vor der Stuttgarter Oper. Zum 100. Todestag des Monarchen am 2. Oktober fragt das Museum StadtPalais in einer Sonderaustellung nach der Bedeutung des letzten württembergischen Königs.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Trotz Corona: Staatsoper Stuttgart plant spannende neue Spielzeit

„Wir fahren auf Sicht“, sagt Viktor Schoner, Stuttgarter Opernintendant in SWR2 am Morgen. Wirkliche Planungssicherheit gäbe es momentan nicht. „Zum Glück können wir sehr spezifisch arbeiten. Die große Regel ist Abstand, Abstand, Abstand. Und so haben wir jetzt die letzten Wochen sehr gut künstlerisch arbeiten können. Selbst der Chor hat singen können, weil wir sehr große Räume haben. Und wir haben uns tatsächlich präpariert für Premieren, die wir dann im Herbst zeigen wollen“, so Schoner. Man habe das Gefühl, dass man durchaus auch mit den Abstandsregeln arbeiten könne. „Wir müssen in der Zeit, in der wir leben, unsere Aufgabe wahrnehmen. Und die ist, glaube ich schon, mit Musik Theater und Singen Geschichten erzählen. Und das machen wir so wie es gerade geht“.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN