Gespräch

„Von abgesagten Konzerten gibt es keine Fotos!“ – Immer noch viel zu wenig Ticketverkäufe im Kulturbereich

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INTERVIEW
Kristine Harthauer

Bilder von ausverkauften Mega-Festivals verzerren den Blick auf die schwierige Situation: Dass die Kulturlandschaft nach Corona ein ernsthaftes Nachfrageproblem hat, wenn es um kleinere Veranstaltungen geht, sagt Fabian Schuetze vom Musikbusiness-Magazin „Low Budget - High Spirit“. Das gelte für Musikveranstaltungen genauso wie für Theater, Ausstellungen oder Messen.

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Dass weniger Karten verkauft werden, hat eine Vielzahl von Gründen

Für das Nachfrageproblem bei kleineren Live-Events gäbe es eine Vielzahl von Gründen, erklärt Schuetze. So hätten sich einige Menschen in der Pandemie an ein anderes Leben gewöhnt und festgestellt, dass sie so viele Konzertbesuche nicht mehr bräuchten, andere hätten noch Tickets von verschobenen Konzerten am Kühlschrank hängen. Wieder andere hätten das Vertrauen verloren und kauften sich keine Tickets mehr lange im voraus.

Hinzu käme, dass die Live-Branche selbst während der Krise sehr viel Personal verloren habe, manche Festivals müssten auch wegen fehlender Security-Kräfte abgesagt werden, so Schuetze.

Es wurde nicht darüber nachgedacht, dass die Folgen der Krise länger andauern

Als großes Problem für die Branche sieht Schuetze das Auslaufen von Förderprogrammen in diesem Sommer. Es sei noch nicht darüber nachgedacht worden, dass die Folgen der Krise noch viel länger als 2022 andauern würden. „Die ganze Branche hat Angst vor dem Herbst und Winter, weil niemand dafür Karten kauft“, so Schuetze.

Die Folgeeffekte eines abgesagten Konzerts oder eines Konzerts vor wenig Publikum seien dabei wesentlich größer als reine Einnahmeausfälle, erklärt Schuetze, denn es hingen GEMA-Einnahmen, Merchandising-Einnahmen und vieles andere mehr dran. „Das spüren Künstler und alle Beteiligten noch in Folgejahren", so Schuetze. Angesichts von Krisen wie Corona, Inflation, Krieg sieht Schuetze keine einfachen oder schnellen Lösungen in dieser Krise.

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