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„Verschlusssache“ - Dokumentartheaterstück zum Mord an Michèle Kiesewetter in Heilbronn

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Der 25. April 2007 hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Stadt Heilbronn eingebrannt: Damals wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen. Welche Spuren hat die Tat hinterlassen, warum wurde sie erst sehr spät dem rechtsterroristischen „NSU“ zugeordnet und wieso gab es so viele Ermittlungspannen? Fragen, denen das Regie-Duo Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger in ihrem Dokumentartheaterstück auf die Spur geht.

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Die Bühnenfassung beruht auf 950 Seiten Originaltext

Monatelang haben sich Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger durch Aktenberge gekämpft, mit Politiker*innen, Bürgerinnen und Bürgern, Kriminalbeamt*innen, Zeug*innen und Journalist*innen gesprochen.

Herausgekommen sind 950 Seiten Originaltexte, aus denen die Bühnenfassung „Verschlusssache“ entstanden ist, wobei sich der Titel auf die vielen Ermittlungsakten bezieht: Viele Textstellen waren geschwärzt, so dass es den Untersuchungsauschüssen kaum möglich war, Zusammenhänge herzustellen.

Verschlusssache (Foto: Pressestelle, Björn Klein)
Im Bild: Gabriel Kemmether, Lisa Schwarzer, Sabine Unger, Zlatko Maltar, Tobias D. Weber und Lucas Janson Pressestelle Björn Klein Bild in Detailansicht öffnen
Im Bild: Gabriel Kemmether, Tobias D. Weber und Lucas Janson Pressestelle Björn Klein Bild in Detailansicht öffnen
Im Bild: Sabine Unger, Gabriel Kemmether, Zlatko Maltar, Lucas Janson und Lisa Schwarzer Pressestelle Björn Klein Bild in Detailansicht öffnen
Im Bild: Zlatko Maltar, Sabine Unger, Gabriel Kemmether, Lisa Schwarzer, Tobias D. Weber und Lucas Janson Pressestelle Björn Klein Bild in Detailansicht öffnen
Bühnenbild von „Verschlusssache“ Pressestelle Björn Klein Bild in Detailansicht öffnen

Die Kulisse ist Sinnbild für Ermittlungspannen und eine aus dem Lot geratene Stadt

Diese Verschlusssache will das Stück öffnen, indem es Gesprächsprotokolle zitiert und offene Fragen aufzeigt. Das auf der Bühne zu inszenieren, keine leichte Aufgabe.

Die beiden haben die Bühne in einen Gerichtsaal verwandelt, in dem die Raumachsen aus dem rechten Winkel geraten sind. Aus Schlitzen in Wänden quellen geschredderte Akten hervor und die Schauspieler des Heilbronner Ensembles bewegen sich auf schiefen Ebenen. Sinnbild für die Ermittlungspannen, die Gerüchte, die ins Kraut schießen und die Stadt, die aus dem Lot geraten ist.

Die Diskussion um Rechtsterrorismus in der Gesellschaft soll angeregt werden

Dass der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Zusammenhang mit der NSU-Blutspur steht, die sich zuvor von 2000 bis 2006 durch die Bundesrepublik zog und bei der neun Menschen aus rassistischen Gründen ermordet wurden, haben die Behörden und die Stadt Heilbronn erst sehr spät begriffen. Auch das wird in dem Stück deutlich.

Dura und Kroesinger wollen allerdings Heilbronn nicht anklagen und an den Pranger stellen. Vielmehr geht es generell um den Umgang mit Rechtsterrorismus in unserer Gesellschaft. Da wollen sie zur Diskussion anregen und den Finger auf die Wunde legen.

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