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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

In weißer Galauniform mit schwarzen Glacéhandschuhen präsentiert sich die Macht in Gestalt von Philipp II. in Giuseppe Verdis Don Carlos an der Staatsoper Stuttgart. Lotte de Beer inszeniert ein dialektisches Bühnenspiel von schwarz und weiß, das Verdis Geschichte über die Einsamkeit des Individuums, zerrieben in der erbarmungslosen Mechanik der globalen Machtkräfte, in eine faszinierende Bildsprache übersetzt.

Eine trostlosere Perspektive auf Verdis Meisterstück einer politischen Oper gab es selten mit solcher Konsequenz. Anderes hingegen geht nicht immer auf. Auf musikalische Sternstunden folgen bedauerliche Koordinationsstörungen zwischen Graben und Bühne.

Don Carlos an der Staatsoper Stuttgart

Don Carlos an der Staatsoper Stuttgart (Foto: Matthias Baus)
Weiße Galauniform mit schwarzen Glacéhandschuhen: So präsentiert sich die Macht in Lotte de Beers Inszenierung von Giuseppe Verdis „Don Carlos“ an der Staatsoper Stuttgart. Das dialektische Spiel von Schwarz und Weiß beherrscht die Gestaltung von Bühne und Kostümen. Eine trostlosere Perspektive auf Verdis Meisterstück einer historischen Oper gab es selten mit solcher Konsequenz. Im Bild: Goran Jurić (Philipp II.) und Björn Bürger (Marquis von Posa) Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Anderes geht nicht immer auf. Massimo Giordano als Don Carlos ist mit seinem linkischen Gehabe der Darstellung der Titelpartie nicht gewachsen. Auch in stimmlicher Hinsicht ist er eine arge Qual. Da werden Tonhöhen nur im Ungefähren erreicht. Björn Bürger singt einen lyrisch klangschönen Posa im Habitus des Jungrevolutionärs. Der wunderbare Bariton ist ein absoluter Gewinn für das Ensemble. Im Bild: Björn Bürger (Marquis von Posa) und Massimo Giodano (Don Carlos) Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Goran Juric als Philipp II. hingegen ist der stimmgewaltige Herrscher, den man sich wünscht. Umso bedauerlicher ist die Koordinationsstörung zwischen Graben und Bühne ausgerechnet im großen Monolog des 3. Akts. Prinzessin Eboli wird von Ksenia Dudnikova mit ausdrucksstarkem, dunkel getöntem Timbre verkörpert. Im Bild: Ksenia Dudnikova (Prinzessin Eboli) und Goran Jurić (Philipp II.). Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Und einen darstellerisch wie sängerisch derart abgefeimten Großinquisitor durch Falk Struckmann, dessen Bruderkuss mit dem König vampirhafte Ausmaße annimmt, hat man schon lange nicht mehr erlebt. Im Bild: Falk Struckmann (Der Großinquisitor) und Goran Jurić (Philipp II.). Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Der hervorragende Staatsopern-Chor hat ebenfalls, wie es sich für ein historisches Operngemälde gehört, eine Sternstunde. Im Bild mit Olga Busuioc (Elisabeth von Valois), Massimo Giodano (Don Carlos, vorne kniend) und Christopher Sokolowski (Graf von Lerma / Ein königlicher Herold, rechts). Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Die Offenbarung des Abends ist aber die Elisabeth von Olga Busuioc. Hier stimmt alles von der ersten bis zur letzten Minute: Ausdruck, Tonhöhe, Dynamik und Rollengestaltung. Das Staatsorchester ist gut disponiert. Cornelius Meister dirigiert mit angemessen zügigen Tempi, aber oft zu laut. Im Bild: Ksenia Dudnikova (Prinzessin Eboli) und Olga Busuioc (Elisabeth von Valois). Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Leider gibt die Stuttgarter Aufführung keine Antwort zur Frage der Fassung. Verdi hatte das Werk nach der Pariser Uraufführung 1867 für die italienische Version grundlegend überarbeitet. Verstärkt kehren die Opernhäuser zur sogenannten Pariser Urfassung zurück, akzentuieren so die politischen Dimensionen dieses ausladenden Opern-Tableaus. An der Staatsoper Stuttgart hat man sich für eine Mischfassung entschieden. Im Bild: Olga Busuioc (Elisabeth von Valois) und Massimo Giodano (Don Carlos). Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen
Vor allem der Einbezug der ursprünglichen Ballettmusik, ergänzt um die von Gerhard E. Winkler komponierten modernistische Trillerpfeifen-Dekonstruktion des Galopp-Finales, ist pseudopolitischer Schnickschnack und hat in Verdis düsterer Tintura nichts zu suchen. Verdi hatte gute Gründe, bei seiner italienischen Überarbeitung auf den französisch flotten Tanz zu verzichten. Der Alptraum der Diktatur wird dadurch noch profilierter. Im Bild: Christopher Sokolowski (Graf von Lerma / Ein königlicher Herold) und der Staatsopernchor Stuttgart. Matthias Baus Bild in Detailansicht öffnen

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