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Viele Kulturveranstaltungen werden wegen Corona in diesem Jahr abgesagt. Aber Corona ist auch ein Möglichmacher, denn wenn das eine ausfällt, kann anderes entwickelt werden – etwa in Stuttgart. Dort hat die Oper kurzfristig „den“ Star in der Riege der jungen Regisseur*innen, Valentin Schwarz, für ein Projekt gewonnen.

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Jungstar unter den Operregisseur*innen

Valentin Schwarz ist erst 31 Jahre alt, und weil er den „Ring“ in Bayreuth in diesem Jahr nicht inszenieren kann, entwarf er kurzerhand ein „Bühnenfreifestspiel“ für Stuttgart.

Am Anfang seiner Karriere war er Regieassistent an der Staatsoper Stuttgart, in diesem Jahr sollte er den „Ring“ in...Gepostet von SWR2 am Freitag, 17. Juli 2020

„Ich vermisse so sehr den Klang großer Chöre, der uns in so vielen Opern entgegenschallt.“

Valentin Schwarz, Opernregisseur

Opernchor im Herzen Stuttgarts

Die Oper Stuttgart sei an ihn herangetreten. „Die Leute dürfen leider nicht ins Opernhaus, und deshalb haben wir beschlossen, in die Stadt zu gehen, den Opernchor ins Zentrum von Stuttgart zu holen.“

Demo(kratie), Bühnenfreifestspiel mit dem Staatsopernchor im Stuttgarter Stadtraum (Foto: SWR, Susanne Kaufmann)
Peer Oscar Musinowski als Richard Wagner mit dem Staatsopernchor Stuttgart Susanne Kaufmann

Dank ihm darf der 70-köpfige Opernchor endlich wieder gemeinsam singen, als Demonstrationszug unter freiem Himmel, versehen mit Wagner-Zitat-Schildern. In Wagners Werk bündeln sich für den vielfach ausgezeichneten Jungregisseur Valentin Schwarz die alten Menschheitsmythen.

Demo(kratie), Bühnenfreifestspiel mit dem Staatsopernchor Stuttgart (Foto: Matthias Baus)
Peer Oscar Musinowski (Schauspiel Stuttgart) als Richard Wagner mit Mitglieder des Staatsopernchors Stuttgart Matthias Baus

Marsch für die Freiheit der Kunst — mit Wagner-Zitaten

Im Titel seines Freifestspiels „Demo(kratie)“ liest er die Demo mit, einen Marsch für die Freiheit der Kunst. Und am Ende lässt er den Chor von der Balustrade des Opernhauses herab ein rotes Transparent mit den Worten „Gemeinsam Kunst“ entrollen.

Aufgrund der Wetterlage mussten die Aufführungen abgesagt werden.

Musikgespräch Richard Wagner – ein deutsches Ärgernis? Moshe Zuckermanns neues Buch

„Richard Wagner war kein geistiger Wegbereiter des deutschen Nationalsozialismus“, behauptet Moshe Zuckermann. Der Historiker leitete bis 2018 das Institut für deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv und veröffentlicht am 6. Juli 2020 sein Buch „Wagner, ein ewig deutsches Ärgernis“. Darin geht es um die Wandlung Wagners vom linken Revolutionär zum angepassten Königstreuen – und auch um den teils direkten, teils latenten Antisemitismus in Wagners Schriften und Opern. Heute sei Wagner kein deutsches Ärgernis mehr, meint Zuckermann im SWR2 Musikgespräch: Die einzigen, die sich noch um ihn kümmerten und ihn hin und wieder als Ärgernis inszenierten, seien die Regisseure; sie würden dafür zumeist ausgebuht werden.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Gespräch Studio statt Opernhaus: Cornelius Meister dirigiert Kammeropern von Bohuslav Martinů

„Wir können Dinge tun, für die wir sonst keine Zeit gehabt hätten“, sagt Cornelius Meister, Chefdirigent des Staatsorchesters Stuttgart, über die Corona-Zeit. So entstehen derzeit in Zusammenarbeit mit SWR2 Studioproduktionen zweier Kammeropern von Bohuslav Martinů: „Les larmes du couteau“ und „Comedy on the bridge“. Martinůs Stil sei faszinierend, sagt Meister in SWR2. Virtuos verbinde er Jazzelemente, Strawinsky-Flair und Rückgriffe auf ältere Traditionen.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Gespräch Trotz Corona: Staatsoper Stuttgart plant spannende neue Spielzeit

„Wir fahren auf Sicht“, sagt Viktor Schoner, Stuttgarter Opernintendant in SWR2 am Morgen. Wirkliche Planungssicherheit gäbe es momentan nicht. „Zum Glück können wir sehr spezifisch arbeiten. Die große Regel ist Abstand, Abstand, Abstand. Und so haben wir jetzt die letzten Wochen sehr gut künstlerisch arbeiten können. Selbst der Chor hat singen können, weil wir sehr große Räume haben. Und wir haben uns tatsächlich präpariert für Premieren, die wir dann im Herbst zeigen wollen“, so Schoner. Man habe das Gefühl, dass man durchaus auch mit den Abstandsregeln arbeiten könne. „Wir müssen in der Zeit, in der wir leben, unsere Aufgabe wahrnehmen. Und die ist, glaube ich schon, mit Musik Theater und Singen Geschichten erzählen. Und das machen wir so wie es gerade geht“.  mehr...

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