Badisches Staatstheater Karlsruhe Komödie „How to date a feminist” von Samantha Ellis

Von Marie-Dominique Wetzel

Themen rund um Emanzipation und Gleichberechtigung, inszeniert ausschließlich von Regisseurinnen. Als neue Schauspieldirektorin am Badischen Staatstheater sorgt Anna Bergmann in ihrer ersten Karlsruher Spielzeit für viel Aufsehen. Mit „How to date a feminist” der britischen Dramatikerin und Autorin Samantha Ellis hat sie jetzt eine aktuelle Komödie auf den Spielplan gesetzt. In der deutschen Erstaufführung unter der Regie von Jenny Regnet sitzen allerdings nicht alle Pointen.

Bilder der Inszenierung im Badischen Staatstheater "How to date a feminist" mit rasanten Rollenwechseln

How to date a feminist (Foto: Pressestelle, Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß)
Kate (Lucie Emons) und Steve (Tom Gramenz) lernen sich auf einer Kostümparty kennen. Er im Robin Hood-Kostüm, sie im sexy Wonder-Woman-Dress. Kate hat sich gerade von Ross getrennt, der vor ihren Augen mit einer anderen flirtet. Steve fühlt sich deswegen verpflichtet, Kate alias Wonder Woman etwas aufzumuntern. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Das erste Treffen der beiden beginnt nicht gerade vielversprechend. Schnell wird klar: Sie ticken ziemlich verschieden. Steve ist größtenteils bei seiner Mutter in einem Frauenfriedenscamp aufgewachsen, die ihn zum Feministen erzogen hat. Kate lebte bei ihrem geschiedenen Vater (einem wandelnden Pappkarton), der ohne Frau sein Leben nicht auf die Reihe bekam. Als Journalistin schreibt sie zwar über Diskriminierung von Frauen, aber nur weil sie die einzige Frau in der Redaktion ist. Kates Problem: sie verliebt sich immer wieder in „Mistkerle“. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Steve ist so ein „netter Mann“. Und obwohl Kate eher auf harte Macho-Typen steht, verliebt sie sich in ihn. Und er sich in sie – obwohl sie ihm viel zu konservativ und unemanzipiert ist.Auf dem Bild: Lucie Emons und im Vordergrund Tom Gramenz Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Dann lernen wir die Eltern und Ex-Partner der beiden kennen (hier: die enttäuschte Freundin) – und natürlich wird uns da einiges klar. Gespielt werden in der Karlsruher Inszenierung von Jenny Regnet übrigens alle sechs Rollen von nur zwei Schaupielern, Lucie Emons und Tom Gramenz. In rasanten Kostümwechseln schlüpfen sie von einer Rolle in die andere: teils sichtbar, teils hinter dem einzigen Bühnenbild-Bestandteil versteckt: einer schmalen Wand, die mit Grünzeug aus Wolle und Stoff überwuchert ist. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Und dann macht Steve Kate einen Heiratsantrag, der allerdings eher wie eine Warnung oder wie ein feministisches Manifest klingt. Auch die Eltern sind von den Heiratsplänen beziehungsweise von den jeweiligen Partnern nicht gerade begeistert. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Steves Mutter (ein sprechender Wurm) ist sowieso gegen die Ehe und fürchtet, dass ein Blut-Diamant den Ehering schmücken wird. Kates Vater hält Steve für ein Weichei. Bei der Hochzeitsplanung lassen sich alle Unterschiede zwischen den beiden wunderbar ausbreiten. Klar nervt das, wenn Steve zu jedem Detail eine Grundsatzdiskussion führt. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Nach 90 Minuten ist die Ehe in die Brüche gegangen. Kate merkt immer mehr, daß sie gar nicht weiß, was sie wirklich will, und Steve wird bewusst, dass er mit seinem anerzogenen schlechten Gewissen weder sich selbst noch andere glücklich machen kann. Bevor sich Steve aber in eine Vernunftehe mit seiner Ex-Freundin flüchten kann, finden er und Kate doch wieder zusammen. Leider sitzt bei der Inszenierung dieser Komödie das timing nicht immer perfekt - und nicht alle Pointen zünden so richtig. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Aber in einem furiosen Schluss nehmen die beiden Schauspieler noch einmal in atemberaubenden Tempo alle sechs Rollen ein und wirbeln deren unterschiedliche Vorstellungen von Liebe, Ehe und Gleichberechtigung durcheinander. Das Credo des Theaterabends: jeder muss seinen eigenen Weg finden und die Liebe ist das einzige, was uns, egal ob Mann oder Frau, retten kann - vor all den hoch geschraubten Ansprüchen, an uns selbst, an den Lebenspartner und an eine erfüllte Beziehung. Pressestelle Badisches Staatstheater Karlsruhe - Foto: Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

In „Kunscht“ erklärt Anna Bergmann, warum sie für die gesamte laufende Spielzeit am Badischen Staatstheater Karlsruhe ausschließlich Regisseurinnen verpflichtet hat:

Dauer
STAND