"Im Rausch der Maschinen" am Zimmertheater Tübingen Faulenzer aller Länder, vereinigt euch

Von Tobias Ignée

Macht Digitalisierung den Menschen beschäftigungslos? Eine rasante, amüsante Collage aus Klassenkampf und Arbeitsverweigerung am Zimmertheater Tübingen: "Im Rausch der Maschinen".

"Im Rausch der Maschinen" am Zimmertheater Tübingen Recht auf Arbeit - Recht auf Faulheit

Im Rausch der Maschinen oder das Recht auf Faulheit (Foto: Pressestelle, Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior)
„Im Rausch der Maschinen oder das Recht auf Faulheit“. Eine rasante, kurzweilige und sehr amüsante Collage aus Klassenkampf und Arbeitsverweigerung. Geschickt und mit Optimismus geht sie der Frage nach, wie wir unser Leben sinnvoll gestalten können, wenn durch die zunehmende Digitalisierung immer mehr Zeit frei wird. Pressestelle Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior Bild in Detailansicht öffnen
Dazu liegen die Schauspieler Mario Hägemann, Annalena Dörre, Thea Rinderli und Christopher Wittkopp meistens in einem riesigen Bett. Wo sollen sie auch hin auf der kleinen Bühne des Zimmertheaters, die damit ausgefüllt ist, umrahmt von unzähligen Kunststoffbällen. Eine Spielwiese, die an das Bällebad eines Kaufhauses erinnert. Mit Schräglage, damit es für den Rest der Aufführung nicht allzu bequem wird. Pressestelle Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior Bild in Detailansicht öffnen
Wieder ist es ein Gespenst, das in Europa umgeht. Doch nicht das Gespenst des Kommunismus, wie es Marx und Engels in ihrem Manifest formulierten. Es ist das Gespenst der Digitalisierung – und damit drohender Beschäftigungslosigkeit. Pressestelle Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior Bild in Detailansicht öffnen
Die Mächte, die sich zur Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbünden, sind die Mächte des Kapitalismus: die Musik- und Filmindustrie, die Pharmakonzerne, die Agrar-Lobby. Pressestelle Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior Bild in Detailansicht öffnen
Marx‘ Urtext wird zu einem „Manifest der Kollaborativen Gemeingüter“ – vom Sprecher-Chor, wie vom Computer generiert, in hohem Tempo vorgetragen: „Neue Technologien, Algorithmen, künstliche Intelligenz und Robotik ersetzen menschliche Arbeitskraft, was mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Millionen Menschen von der Arbeit in der Marktwirtschaft freisetzen wird.“ Pressestelle Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior Bild in Detailansicht öffnen
Marx „Maschinenfragment“ reloaded für das 21. Jahrhundert. Und für diesen Wandel hin zu einem besseren System ist es höchste Zeit. Denn in der digitalen Welt sind die Grenzen zwischen real und digital zunehmend fließend. Nicht nur am Arbeitsplatz vor dem Bildschirm, sondern auch auf der Theaterbühne. Pressestelle Zimmertheater Tübingen - Foto: Alexander Gonschior Bild in Detailansicht öffnen
Der Sprecher-Chor verwandelt sich in einen Chor aus Emoji-Avataren und tritt über Videoleinwände in den Dialog mit den Schauspielern. Die haben längst die Orientierung verloren. SWR - Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Es wird getanzt, getobt, geliebt, mal mit, mal ohne schlechtes Gewissen über die freigewordene Zeit. Und es wird im Bett Großes verhandelt. Auch das „Recht auf Faulheit“, als Antwort auf das Recht auf Arbeit, während die Emoji-Avatare Theater machen. SWR - Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Was das für das Theater bedeuten könnte, löst die Inszenierung mit viel Selbstironie in den Dialogen zwischen den Schauspielern und den Avataren, die ihnen die Arbeit abnehmen. Bleibt zu hoffen, dass es in diesem Punk bei einer Utopie bleibt. Damit es nicht einmal heißt: „Avatare aller Theater, vereinigt euch!  SWR - Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
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