Bitte warten...

Komödie am Pfalztheater Kaiserslautern Auf Schloss Haversham geht alles schief

Von Kerstin Bachtler

Witziges Komödientheater bietet das Pfalztheater mit dem preisgekrönten Stück „Mord auf Schloss Haversham“. Eine Komödie, in der alles schief geht, was auf einer Bühne nur schiefgehen kann. Seit fünf Jahren läuft das Stück im Londoner Westend. So witzig wie das britische Original ist die Kaiserslauterer Inszenierung allerdings nicht.

1/1

Pfalztheater Kaiserslautern

Bilder zur Inszenierung "Mord auf Schloss Haversham"

In Detailansicht öffnen

Schlechte Schauspieler gut zu spielen – das ist die Herausforderung von „Mord auf Schloss Haversham“. Die Darsteller schlüpfen in die Rollen von Schauspielern, die ein Theaterstück spielen – die Komödie bekommt dadurch eine zweite Ebene und das macht sie so interessant. Vorausgesetzt, Regie und Spieler setzen sie auch sichtbar um, was in Kaiserslautern nur teilweise gelingt.

Schlechte Schauspieler gut zu spielen – das ist die Herausforderung von „Mord auf Schloss Haversham“. Die Darsteller schlüpfen in die Rollen von Schauspielern, die ein Theaterstück spielen – die Komödie bekommt dadurch eine zweite Ebene und das macht sie so interessant. Vorausgesetzt, Regie und Spieler setzen sie auch sichtbar um, was in Kaiserslautern nur teilweise gelingt.

Vordergründig dreht sich das Stück um die Aufklärung des Mordes an dem jungen Adligen Charlie Haversham, ganz im Stil einer Krimikomödie von Agatha Christie. Tatsächlich ist es aber eine Gruppe von Laienschauspielern, die diesen Krimi auf die Bühne bringen will. Allerdings geht dabei - wie der englische Originaltitel „The play that goes wrong“ besagt – alles schief.

Dabei geben sich die Amateure wirklich Mühe und bieten alles auf, was das Genre verlangt: Einen holzvertäfelten eleganten Salon mit Standuhr, die groß genug ist, um sich darin zu verstecken. Außerdem einen Kamin, eine Chaiselongue, eine junge Dame, die gerne und oft in Ohnmacht fällt, ihren Bruder, ihren Geliebten, einen Butler, einen Gärtner, einen Inspektor und eine nicht ganz tote Leiche.

Auf dem Bild: Aglaja Stadelmann, Adrienn Cunka, Robin Meisner und Stefan Kiefer.

Die Krimihandlung würde sogar Sinn machen, wenn die Schauspiellaien nicht vor lauter Aufregung und mangelndem Talent ausnahmslos jede Szene zerstören würden. Das Publikum amüsiert sich köstlich über Dinge, die man eigentlich in einem Theaterstück auf keinen Fall erleben will: Falsche Stichworte, zu später Einsatz, Beleuchtungsfehler, Texthänger, Stolperer und natürlich ein Bühnenbild, das im Lauf des Abends immer mehr zusammenbricht.

Die Regie steht in erster Linie vor technischen Herausforderungen. Das aufwändige Bühnenbild von Thomas Dörfler, das sich eng an das englische Original hält, muss nach einem genauen Timing verwüstet werden, während die Schauspieler noch versuchen, auf den Resten Halt zu finden oder sie notdürftig zu reparieren.

Auf dem Bild: Stefan Kiefer, Aglaja Stadelmann und Martin Schultz-Coulon.

Die Choreographie, nach der Jan-Henning Kraus und Henning Kohne gleichzeitig mit allen Armen und Beinen in gewagter Pose Gegenstände an der Wand festhalten und es schaffen, dabei auch noch zu telefonieren, ist bewundernswert. Auch jede der vielen Gelegenheiten, wenn durch einen Fehler Vorhänge oder Türen im falschen Augenblick  geöffnet werden und das hektische Treiben hinter der Kulisse unbeabsichtigt sichtbar wird, ist herrlicher Spaß.

Auf dem Bild: Jan Henning Kraus, Henning Kohne

Und dennoch fehlt dieser Inszenierung das, was dem englischen Original seine Flut von Auszeichnungen beschert hat. Regisseur Andreas Rehschuh hat scheinbar wenig Wert auf die Kunst gelegt, dass die Schauspieler gleichzeitig Profis und Laien spielen und dadurch permanent Brüche in ihrer Präsenz auf der Bühne provozieren. Zu undeutlich ist ihr Umschalten zwischen den Rollen zu erkennen, zu sehr tritt die banale Krimihandlung in den Vordergrund.

Dabei hätte es keines großen Aufwands bedurft. Jan-Henning Kraus gelingt es wunderbar komisch, allein durch seine Mimik klar zu unterscheiden, wann er den Schauspieler Max Bennett spielt und wann er diesen Max die Rollen Cecil Haversham oder Arthur den Gärtner spielen lässt.

Auf dem Bild: Henning Kohne, Robin Meisner, Stefan Kiefer, Martin Schultz-Coulon, Aglaja Stadelmann.

Bei den anderen Rollen lässt die Regie diese Sorgfalt vermissen, und deshalb bekommt zum Beispiel der slapstickhafte Kampf zwischen Adrienn Cunka und Aglaja Stadelmann, die beide Cecils Geliebte spielen wollen, zwar seine Lacher, doch genau die sind vorhersehbar und eindimensional. Die große Leistung der drei Autoren ist es, ein Stück mit einer zweiten Ebene geschrieben zu haben, die den Witz der turbulenten Pannenserie verdoppelt, wenn Regie und Schauspieler sie auch klar zeigen.

In der Kaiserslauterer Inszenierung verschwimmen die beiden Ebenen leider zu sehr, was dazu führt, dass das Publikum eben eine klassische Boulevardkomödie zu sehen bekommt. Aber so was macht ja auch Spaß. Comedy-Preise auf Londoner Niveau gewinnt das Pfalztheater dafür allerdings nicht.

Auf dem Bild: Henning Kohne, Jan Henning Kraus und Aglaja Stadelmann.

3:22 min | Mo, 21.1.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

Mehr Info

Komödie am Pfalztheater Kaiserslautern

Auf Schloss Haversham geht alles schief

Kerstin Bachtler

Witziges Komödientheater am Pfalztheater mit dem Stück „Mord auf Schloss Haversham“. Auch wenn die Kaiserslauterer Inszenierung nicht ganz so lustig ist wie das britische Original.

Weitere Themen in SWR2