Tennessee Williams am Nationaltheater Mannheim Endstation für Marlon Brando

Von Daniel Stender

„Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams auf der Bühne: Das bedeutet, mit der Verfilmung von 1951, Marlon Brando und Vivien Leigh zu konkurrieren. Das gelingt Christian Weise in seiner Inszenierung am Nationaltheater Mannheim, indem er mit Johanna Eiworth als Blanche eine starke weibliche Hauptfigur ins Zentrum rückt.

Adel und Einwanderer prallen aufeinander

Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ ist ein Drama über soziale Unterschiede in den Südstaaten der USA, zwischen den Familien Dubois und Kowalski.

Szenenbild von "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams am Nationaltheater Mannheim (Foto: Pressestelle, Nationaltheater Mannheim - Foto: Hans Jörg Michel)
Im Bild: Johanna Eiworth als Blanche Pressestelle Nationaltheater Mannheim - Foto: Hans Jörg Michel

Südstaaten-Adel und eingewanderte Polen prallen hier aufeinander – aber diese Unterschiede werden in der Mannheimer Inszenierung Christian Weises nicht groß gemacht. Es geht Weise nicht um ein soziales Drama, sondern darum, wie die proletarische Welt auf Blanche Dubois (Johanna Eiworth) wirkt.

Menschen, auf ein Detail reduziert

Schnell wird klar: ausgerechnet die versponnene Blanche ist hier die einzige normale Person. Die anderen Figuren sind überzeichnet, sind Typen, auf ihren dicken Bauch, ihren dicken Hintern, auf Details reduziert wie auf den Gemälden eines George Grosz.

Auf der Bühne ist alles schief

Weises Stück ist ein Echo der Verfilmung von „Endstation Sehnsucht“, aus dem Jahr 1951, mit Marlon Brando und Vivien Leigh in den Hauptrollen.

Das Bühnenbild von Paula Wellmann zeigt eine Welt, in der die Perspektiven nicht stimmen. Ein Puppenhaus, das auf eine schiefe Ebene montiert wurde, als könnten die spärlichen Möbel, die Badewanne jederzeit ins Publikum rutschen.

Hässlich wie Houellebecq, blass, brutal und dumm

Diese Schieflage setzt sich in den Figuren fort – gleich das erste Bild zeigt Stella und Stanley als Karikaturen, als mechanische Puppenmenschen, die eingeübte Verhaltensmuster wiederholen.

Vor allem Christoph Bornmüller als Stanley ist das Gegenteil zum Sexsymbol Marlon Brando, der dem unterprivilegierten Stanley Glamour gab, ihn zu einer nachvollziehbaren Figur machte. Bornmüller hingegen ist hässlich wie Houellebecq, er ist blass, brutal, dumm, eindimensional.

Johanne Eiworth: Würdevolle Schrulligkeit

Christian Weises Inszenierung am Nationaltheater Mannheim ist gelungen, gerade weil sie formal streng ist und die Figur der Blanche fokussiert. Nur sie ist glaubwürdig als Frau, die mehr vom Leben will als es ihr geben kann.

Hauptdarstellerin Johanna Eiworth füllt diese Freiheit gekonnt aus, gibt Blanche eine würdevolle Schrulligkeit. Für Menschen wie sie ist in dieser Welt kein Platz – am Ende bleibt das Publikum mit einem schrecklichen Realisten wie Stanley allein.

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