Theater Herausragende Frauen: „Bernarda Albas Haus“ in Stuttgart

Von Karin Gramling

Calixto Bieitos Inszenierung von „Bernarda Albas Haus“ hat Intendant Burkhard Kosminski aus Mannheim nach Stuttgart mitgebracht. Der katalanische Erfolgsregisseur zeigt das letzte Theaterstück des spanischen Dichters und Dramatikers Federico García Lorca als wuchtige Familientragödie über die Unterdrückung der Frauen und die starren Autoritäten seiner Heimat. Ein starker Theaterabend eines reinen Frauenensembles mit der 82-jährigen Nicole Heesters als Bernarda Alba.

Theater Bilder zu "Bernarda Albas Haus" in Stuttgart

Bernarda Albas Haus von Federico Garcia Lorca (Foto: Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin)
Ein schrecklicher Albtaum nimmt seinen Anfang. Nach dem Tod von Bernarda Albas Mann zwingt die Witwe ihre fünf Töchter dazu, eine achtjährige Trauerzeit einzuhalten. Entsetzt fügen sich die Töchter, denn ihre Mutter terrorisiert die Familie mit unglaublicher Gewalt. Spurt eine von ihnen nicht, dann zückt sie den Gürtel und schlägt zu, als wäre sie von Sinnen. Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Der Kontakt mit Männern ist unter Androhung von schwerer Strafe verboten. Die treue Magd (Anke Schubert, rechts) macht Bernarda Alba Vorwürfe, denn die Töchter drohen nun alte Jungfern zu werden, allen voran die Älteste, Angustias. Hochmütig, unnachgiebig, eiskalt - so spielt Nicole Heesters die Rolle der Bernarda Alba. Absolut sehenswert, wie energiegeladen die immerhin schon 82-jährige Schauspielerin auf der Bühne agiert. Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Überhaupt ist die insgesamt herausragende schauspielerische Leistung dieses reinen Frauenensembles bemerkenswert. Wie sie sich gegenseitig in ihrer Gefangenschaft beäugen, sich alles neiden und misstrauisch aufeinander schauen. In einem Moment scherzen sie noch miteinander und kurz danach gehen sie sich hasserfüllt an die Gurgel. Alle verzehren sich vor Sehnsucht nach den Männern.Auf dem Bild: Jelena Kuns als Amelia, Nina Siewert als Adela, Anne-Marie Lux als Magdalena und Paula Skorupa als Martirio. Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Wie sie sich dann die Haare raufen, sich auf der Bühne wälzen und am liebsten vor Wollust vergehen würden. Das ist grandios gespielt. Am Ende bleiben sie aber doch Gefangene ihrer despotischen Mutter. Nur die Älteste Angustias bekommt noch einen Freier ab, denn sie erbt als Einzige Geld. Doch ihre jüngste Schwester Adela trifft sich heimlich mit dem Bräutigam ihrer Schwester.Auf dem Bild: Paula Skorupa als Martirio, Jelena Kunz als Amelia, Elke Twiesselmann als Maria Josefa und Anke Schubert als La Poncia. Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Das Frauenensemble agiert in schwarzen Trauerkleidern – vor einer puristischen, in Schwarzweiß gehaltenen Bühne, die auch in glutrotes Licht getaucht wird, wenn die Hitze allen den Verstand raubt. Der katalanische Regisseur Calixto Bieito bleibt sehr nah an der Vorlage. Mit seiner kraftvollen Inszenierung zeigt er, wie die Frauen sich unterordnen müssen. Vor allem, wenn autoritäre Strukturen und eine von der Religion geprägte, rigide Moral herrschen.Szenenbild: Paula Skorupa als Martirio, Anne-Marie Lux als Magdalena, Josephine Köhler als Angustias und Nina Siewert als Adela Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Der Terror, der eine Gesellschaft prägt, spiegelt sich hier wider in der Familie. Bernarda Alba lässt sich aber auch deuten als Bieitos Kritik an der spanischen Gesellschaft. Die tut sich noch heute schwer mit der Aufarbeitung der Massaker im Spanischen Bürgerkrieg und den anschließenden Gräueltaten des Franco-Regimes.Auf dem Bild: Nicole Heesters als Bernarda. Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Das Schweigen darüber ist eine Parallele zum Stück. Denn Bernarda Alba fordert es ebenfalls ein. Sie täuscht den Tod des Bräutigams ihrer ältesten Tochter vor. Der hat aber Adela, die Jüngste, geschwängert. Die erhängt sich daraufhin. An einem Seil schwebt sie am Ende leblos von oben herunter auf die Bühne. Was für ein starker Theaterabend, der mit seinen herausragenden Darstellerinnen diese Tragödie so lebendig und beeindruckend aufleben lässt.Auf dem Bild: Nina Siewert als Adela, Anke Schubert als La Poncia und Artistin Kaatie Akstinat als Schatten. Staatsschauspiel Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

„Bernarda Albas Haus“ von Federico García Lorca in der Inszenierung von Calixto Bieito am Schauspielhaus Stuttgart. Die nächsten Aufführungen am 24. März, 7. und 12. April.

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