Produktion von Simon Stone am Theater Basel Geschlechterkampf im "Hotel Strindberg"

Von Eva Marburg

Die bereits am Wiener Burgtheater gefeierte Inszenierung „Hotel Strindberg“ des 34jährigen Simon Stone hatte jetzt auch am Theater Basel Premiere. Sie zeigt ein Hotel der Geschlechterkonflikte, bevölkert mit Figuren aus Strindbergs Universum. Großes, bewegendes Theater, wie man es nur selten erleben darf.

Simon Stone am Theater Basel Wie im Hotel Strindberg Chaos ausbricht

Hotel Strindberg am Theater Basel (Foto: Pressestelle, Theater Basel - Foto: Reinhard Werner/Burgtheater)
Das ist die Gewalt zwischen den Geschlechtern, das uralte Ringen zwischen Mann und Frau. Und es erzählt auf erschütternde Weise, dass die gelungene Beziehung zwischen beiden ein utopisches Projekt bleibt.Im letzten Akt wird das Haus entrümpelt. Nur noch zwei verlassene, wahnsinnig gewordene Männer toben und jammern hinter der Fassade. Eine Chance für eine Neudefinition der Rollen? Pressestelle Theater Basel - Foto: Reinhard Werner/Burgtheater Bild in Detailansicht öffnen
Die Fassade eines Hotels, drei Etagen. Sechs Zimmer kann man sehen, rechts befindet sich ein Treppenhaus. In den Zimmern findet Alltag statt: Schuhe werden geputzt, das Baby geschaukelt, auf dem Handy getippt und ferngesehen.Hinter dieser trügerischen Normalität lauert – natürlich – der Abgrund. Der Abend entspinnt eine Vielzahl an miteinander verwobenen Parallel-Geschichten – alle Texte von August Strindberg entlehnt. Pressestelle Theater Basel - ©Reinhard Werner/Burgtheater Bild in Detailansicht öffnen
Dieses Hotel ist ein Ort, in dem zunehmend triebbesetztes Chaos ausbricht - als Gleichnis für die Versehrtheit menschlicher Beziehungen. Wer sich hier fertig macht, sind die Paare – die durch Besitz, Betrug, Familie und Abhängigkeiten aneinander gekettet sind, nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander können.Regisseur Simon Stone schält aus den klassischen Themen der naturalistischen Dramen eine sehr heutige Hölle des Bürgertums heraus, in der es vor allem um Gewalt an Frauen geht. Pressestelle Theater Basel - Foto: Reinhard Werner/Burgtheater Bild in Detailansicht öffnen
Im Hotel Strindberg sind sie alle vertreten, die archetypischen Frauenrollen, mit denen die männlich geprägte Literatur gespickt ist: die vergeblich wartende Frau, die Mutter, Schwester, die, die Selbstmord begeht, die hysterische Frau und die vom Mann ermordete Frau.Oder die rächende Frau, wie in der fantastischen Schauspielszene zwischen Caroline Peters und Martin Wuttke auf dem Höhepunkt der Ereignisse, in der sie sich 20 Minuten lang einen heftigen Ehestreit unter Alkoholeinfluss liefern. Pressestelle Theater Basel - Foto: Reinhard Werner/Burgtheater Bild in Detailansicht öffnen
„Hotel Strindberg“ ist ganz großes, bewegendes Theater. Die Glasfront, die das Glotzen und den Voyeurismus des Publikums offen thematisiert, trennt zwar die Darsteller von den Zuschauern, doch dahinter ist ein so intensives Schauspiel zu sehen, wie man es nur selten erleben darf.Das Netz von Geschichten entfaltet eine Sogwirkung, man sieht und erkennt sich selbst. Was soll man sagen: Fahren Sie nach Basel. Pressestelle Theater Basel - Foto: Reinhard Werner/Burgtheater Bild in Detailansicht öffnen
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