Tanz

Uraufführung in Frankfurt: Die israelische Choreografin Saar Magal zeigt „10 odd emotions“

STAND
AUTOR/IN
Jan Tussing

Die israelische Choreografin Saar Magal nutzt Tanz, Theater und Musik, um sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinanderzusetzen. In ihrer jüngsten Arbeit, eine Auftragsarbeit des Schauspiel Frankfurts, verhandelt sie Fragen zum Antisemitismus. Entstanden ist eine Zusammenarbeit mit der Dresden Frankfurt Dance Company. „10 odd emotions“ feiert nun am Schauspiel Frankfurt seine Uraufführung.

Audio herunterladen (4,3 MB | MP3)

Eine schwierige und große Aufgabe

Probe am Schauspiel Frankfurt: Saar Magal steht mit ihrem dichten blonden Lockenkopf im Zuschauerraum und koordiniert die Dresden Frankfurt Dance Company. „10 odd emotions“ – „zehn sonderbare Gefühle“ – heißt das neue Stück der Choreografin.

Saar Magal wurde bereits vor drei Jahren von Intendant Anselm Weber eingeladen, eine Arbeit über Antisemitismus zu machen. Eine große, eine schwierige Aufgabe: Mit ihrem Stück will sie auch daran erinnern, was ihrem Volk angetan wurde. Ihre gesamte Familie wurde im KZ ausgelöscht. Sie selbst gehört zur dritten Generation der Holocaust-Überlebenden.

Saar Magal will nicht vergleichen, aber mögliche Zusammenhänge hinterfragen

Allerdings will Saar Magal nicht anklagen, sondern Fragen stellen. Es geht ihr um Verantwortung: Wie wollen wir – Täter und Opfer – über unsere historische Verantwortung nachdenken? Nicht nur über den Holocaust, sondern auch über die Verbrechen, die Deutschland in seinen Kolonien begonnen hat. Kann man die Gräueltaten isoliert betrachten? Oder sind sie miteinander verknüpft? 

Sie wolle nichts vergleichen oder relativieren, denn nichts könne mit dem Holocaust erfasst werden, sagt sie. Aber die Verbrechen an den Hereros, das sei ein Völkermord gewesen und die Verbrechen in Afrika erschienen ihr wie eine Übung für das, was dann später im Holocaust passieren sollte.

Das Theater als Arena für gesellschaftliche Debatten 

Saar Magal hat in Tel Aviv und London zeitgenössischen Tanz studiert. Seit über 20 Jahren erschafft sie Tanz,- Theater und Opern-Performances. In Mailand und Paris, aber auch am Staatstheater Stuttgart oder zuletzt am Schauspielhaus in Köln. 

„Theatermachen ist für mich immer politisch.“

Sie sehe ihre Rolle als Künstlerin darin, Debatten anzuregen, so Magal weiter. Die Frage nach der Rolle des Theaters sei gerade nach der Pandemie besonders wichtig, seitdem das Publikum ausbleibe. Die Choreografin versteht das Theater als eine Arena, um gesellschaftliche Debatten zu stärken.  

„10 odd emotions“ am Schauspielhaus Frankfurt verspricht deshalb vielleicht sogar mehr als nur zehn sonderbare Gefühle: ein bunter, ein politischer Abend voller Tanz, Gesang, und Musik.

SWR2 Tandem Deutscher Tanzpreis 2022 - Choreograph Marco Goecke

Marco Goecke hat in nur 20 Jahren ein umfangreiches Werk mit fast 90 Tanzstücken geschaffen. 2022 war er einer der Träger des deutschen Tanzpreises. Von Anno Wilhelm, Marco Goecke

SWR2 Tandem SWR2

Gespräch Warum der „Moderne Tanz“ UNESCO-Weltkulturerbe werden soll

Nichts weniger als die Anerkennung des „Modernen Tanzes“ als UNESCO-Weltkulturerbe fordert einen Initiative um die Choreographin Eva Lajko. „Die Aufnahme in die Liste ist notwendig“, so Lajko im SWR2 Gespräch, denn Kunstform, Bewegungsschulung und Vermittlung des Modernen Tanz wären sonst bedroht.

SWR2 am Morgen SWR2

Tanz „Dance around the world“ – Eric Gauthier führt zu den Hotspots des Tanzes

In der Kultur-Doku-Serie „Dance around the world“ führt der Stuttgarter Tänzer, Choreograph und Companyleiter Eric Gauthier zu den wichtigsten Orten des Tanzes. In den neuen Folgen besucht er unter anderem St. Petersburg und Tel Aviv. Er trifft dort berühmte Choreographen und Ballettdirektoren, aber auch befreundete Tänzer. Viele Reportageelemente machen die Dokumentationen sehr unterhaltsam. Trotzdem ordnet Eric Gauthier gerade in St. Petersburg die Rolle des Tanzes in der Kultur des Landes kritisch ein.

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch „Die Unsichtbaren“: John Neumeier erinnert an verfolgte Tänzer im Nationalsozialismus

Deutschland war einst Zentrum für modernen Tanz - bis die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen. Von der Pionierarbeit vieler Tänzerinnen und Tänzer blieb danach nicht viel übrig, sagt der Historiker Ralf Stabel. Star-Choreograph John Neumeier erinnert nun mit seinem Tanz-Projekt „Die Unsichtbaren“ an Tanz-Pioniere wie Gret Palucca und Rudolf von Laban.
Ralf Stabel hat für Neumeier die Biografien der verfolgten Tänzerinnen und Tänzer aufgearbeitet und ist dabei bislang auf rund 300 Namen gestoßen. „Das Beschämende ist, dass es erst des Anstoßes von John Neumeier bedurfte, um diese Leben zu erforschen," sagt Stabel.
Von Ausgrenzung über Flucht und Deportation bis hin zur Ermordung reichen die Schicksale der politisch Verfolgten. Ihrer wird nicht nur mit der Inszenierung gedacht, sondern auch mit einer „Memorial Wall“, die im Foyer alle bisher recherchierten Personen zeigt. Und es dürften wohl weit mehr sein, so Stabel.

SWR2 am Morgen SWR2

50-jähriges Dienstjubiläum Uraufführung „Dona Nobis Pacem“: Das sind die berühmtesten Choreografien von John Neumeier

Seitdem John Neumeier 1973 als Ballettdirektor und Chefchoreograf ans Hamburg Ballett kam, hat sich dort vieles getan. Heute gilt die Compagnie dank Neumeiers Einfluss als eine der besten weltweit. Mit „Dona Nobis Pacem“ findet nun zu seinem 50. Dienstjubiläum eine der letzten Uraufführungen von Neumeier als Compagnie-Chef in Hamburg statt. Das sind seine bekanntesten Choreografien der vergangenen Jahrzehnte.

Gespräch Dilemma in der Tanzwelt – Wie umgehen mit Russland im Weltballett?

Tanz ist 2022 so politisch wie selten zuvor – gerade im Ballett, das durch viele russische Künstlerinnen und Künstler geprägt ist. In München wird gerade Tschaikowsky gezeigt, in Baden-Baden wird er abgesagt – ist das paradigmatisch für das Dilemma, in das der russische Angriffskrieg die Tanzwelt in Deutschland gestürzt hat?

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN
Jan Tussing