Tanzprojekte von Saeed Hani Syrischer Tänzer fasziniert in Trier

Von Natali Kurth

In Trier ist der syrische Tänzer und Choreograf Saeed Hani kein Unbekannter mehr. Seit drei Jahren versucht der 29-jährige in der Römerstadt Fuß zu fassen. Kontakte zum Verein „Mensch für Mensch“ und zum Kulturzentrum „Tuchfabrik Trier“ haben ihm bereits mehrere Produktionen und Auftritte ermöglicht. Seine körperbetonten Choreografien, in denen er auch selbst tanzt, erzählen von seiner Herkunft aus dem zerstörten Syrien - und von seinen größten Wünschen: Friede und Freiheit.

Choreografien des syrischen Tänzers Saeed Hani: Ein Tanz um die Freiheit

Hani Dance - Tanzprojekt in Trier (Foto: Pressestelle, Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings)
Saeed Hani arbeitet an verschiedenen Projekten. Sein Stück „Dem Menschen ein Wolf“ für sechs Tänzer wurde in der Tuchfabrik gezeigt. Der Wolf ist darin ein Gott. Der Rassismus wird zelebriert, dabei gleichzeitig entlarvt und verurteilt. Saeed Hanis radikale, kraftvolle und akrobatische Bewegungssprache wirkt durch die Nacktheit der Tänzer noch brachialer. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Nackt sein bedeutet mehr als nichts anzuhaben, sagt Saeed Hani: „Bevor das Stück Premiere hatte, fragten mich Leute, ob die Tänzer vielleicht Unterwäsche tragen könnten. Ich mag den Körper auf der Bühne, nackt zu sein und ganz natürlich zu sein. Und die Nacktheit passte so gut zu dem Titel „Dem Menschen ein Wolf“. Alle sind gleich, das ist natürlich. Wir haben alle Hände und Körper. Das ist die Idee, warum ich die Nacktheit nutze. Ich finde in ihr Freiheit. Vielleicht ist das auch eine Art von Revolution.“ Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
„Ich bin vor dem Krieg geflohen“, sagt Saeed Hani. „Ich habe Tanz in Syrien studiert. Aber ich hatte immer den Traum wegzugehen. Mein Lehrer kam aus Deutschland, und er sagte immer zu mir, dass ich nach Europa sollte, um mich selbst dort zu finden.“ Saeed Hanis Bruder wurde schon von der Armee eingezogen. Seine Familie wollte den zweiten Sohn davor beschützen und schickte ihn in den Libanon. Pressestelle Hani Dance - Foto: Oliver Möller Bild in Detailansicht öffnen
Im Libanon arbeitete Saeed Hani er drei Jahre als Tänzer und knüpfte weitere Kontakte, die ihm die Reise nach Europa ermöglichten: „Ich liebe die Freiheit in der Kunst“, sagt er darüber. „Deshalb war Europa wirklich ein Traum für mich. Ich brauche meine Freiheit, um das zu tun, was ich will, und für die Freiheit von Kunst und Ideen.“ Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Zwar sei in Syrien vieles einfacher gewesen. Insbesondere von der Bürokratie her. Man habe einfach losgelegt. Hier dagegen gäbe es Steuervorschriften, Versicherungen und vieles mehr. Inhaltlich allerdings habe er in seinem Land keinesfalls das machen können, was er wollte. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Saeed Hani sagt über Syrien: „Wo ich herkomme, gibt es keine Freiheit. Wenn ich zum Beispiel dort sage, Homosexualität sei normal, würden sie mir direkt ins Gesicht schlagen. Sogar wenn ich gar nicht homosexuell wäre, sondern Homosexuelle einfach nur unterstützen würde. Es würde nicht geduldet.“Auf dem Bild: Saeed Hani in seiner eigenen Choreographie. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Saeed Hanis Vorbilder sind Pina Bausch und ihr Tanztheater. Aber auch Ohad Naharin, ein israelischer Choreograf, der sehr körperbetont vorgeht. Saeed Hani kreiert keine Handlungsballette. Aber er nimmt konkrete Geschichten oder Handlungen zum Anlass und abstrahiert sie dann für seinen Tanz. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Im Moment arbeitet Saeed Hani an dem Solo „Narzisst“: „Dazu hat mich die Geschichte einer Freundin inspiriert. Sie hatte sehr schlechte Erfahrungen mit einem Mann gemacht, der narzisstisch war. Er wollte, dass sie perfekt ist, um sich selbst damit aufzuwerten.“Auf dem Bild: Szene aus „Dem Menschen ein Wolf“. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Bei Tänzern ist Perfektion unabdingbar, die Grenze zum Narzissmus oft fließend. Aber sich und den Körper feinsinnig zu zelebrieren, auch vor der Kamera - das ist vielen Tänzern gegeben. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Saeed Hani hat sich mit seiner enormen Körperbeherrschung ein zweites Standbein aufgebaut, das Modeln: „Das ist auch eine Art, sich auszudrücken. Es begann aus Spaß. Aber dann kam ein Fotograf und sagte: Du hast einen tollen Körper und ein gutes Gesicht, lass uns etwas ausprobieren. Und dann waren die Reaktionen auf die Fotos von den Leuten toll. Und das öffnete mich.“ Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
Auf den Fotografien wirkt Saeed Hani selbstbewusst und verletzlich zugleich. Trotz des kraftvollen Optimismus, den er ausstrahlt, hat sich seine Vergangenheit im vom Krieg zerstörten Syrien in seinen Körper eingeschrieben. Nach vorne schauen ja, aber zu vergessen sei nicht möglich. Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
So erklärt sich Saeed Hanis größter Wunsch: „Freiheit ist alles, was ich mir wünsche. Es ist furchtbar, dass so viele Menschen in der Welt leiden. Ich weiß, wir haben jetzt die friedlichste Zeit der Geschichte. Aber trotzdem muss es einfach noch friedlicher werden. Ich habe meine Familie seit sieben Jahren nicht gesehen. Ich bin glücklich hier, aber meine Mutter leidet vielleicht.“ Pressestelle Hanni Dance - Foto: Elke Schmitt & Eva Krings Bild in Detailansicht öffnen
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