Regisseur Harry Kupfer zum 80sten Geburtstag Leidenschaft für die Oper

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Kulturthema am 12.8.2015 von Maria Ossowski

Harry Kupfer gilt als einer der profiliertesten Opernregisseure. Der gebürtige Berliner war mehr als 20 Jahre lang künstlerischer Leiter der Komischen Oper. Er hat auf eine Karriere in der DDR gebaut – obwohl er bespitzelt wurde. Am Mittwoch wird er 80 Jahre alt. Ein Rückblick mit Kupfer-Zitaten von Maria Ossowski.

Die Oper hat sein Leben bestimmt. Der Rausch der Musik einerseits, andererseits aber auch die klare strukturelle Analyse. Kupfer war und ist ein extrem präziser Regisseur auf Proben.

Ohne Musik fällt ihm nichts ein, so Harry Kupfer. Das war immer so, in der DDR, in Bayreuth, oder in Salzburg, wo er im kommenden Jahr seinen "Rosenkavalier" auffrischen wird. Die profunde Ausbildung an der Universität in Leipzig, Vorlesungen bei Hans Mayer, Brechts Theater am Schiffbauer Damm und die großen Inszenierungen von Walter Felsenstein, dem Gründer der Komischen Oper, haben ihn geprägt. Ebenso wie die Schwierigkeiten, als Künstler in der DDR zu überleben. Ein abgeschwächter Hofnarr sei er gewesen. Verlassen aber hätte er den Arbeiter und Bauernstaat nie.

Nach seinen Inszenierungen des "Fliegenden Holländers" und des "Rings des Nibelungen" in Bayreuth durfte Kupfer unbegrenzt reisen, man ließ ihn in Ruhe. Aber die Stasi beobachtete ihn dennoch. 800 Seiten umfasste seine Akte. Er hat sie selbst nicht gelesen. Seine 2008 verstorbene Frau hat sich durchgearbeitet und ihm berichtet, welche angeblichen Freunde intimste Geheimnisse ausgeplaudert hatten. Kupfer ist ein Mensch, der nicht zurückblickt und keine Genugtuung will.

Seine Inszenierungen sind voller authentischer Spannung, nie steht ein Sänger auf dem Tenorpunkt, Bewegung im Spiel unterstreicht die Musik. Unvergessen und ewig ausverkauft: sein "Orpheus" an der Komischen Oper mit Jochen Kowalski. Kupfer hat immer wieder, unterstützt von seiner Frau, einer Gesangspädagogin, Sänger zu Höchstleistungen motiviert.

Lange war Kupfer künstlerischer Leiter an der Komischen Oper, und auch, um bessere finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, Mitarbeiter in vielen politischen Gremien, die er irgendwann entnervt verlassen hat.

Kupfer besitzt immer noch Kraft für die Bühne, obwohl er sich irgendwann in die Wärme zurückziehen wollte.

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