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Die 34-jährige Wienerin Stefanie Sargnagel hat für das Münchner Volkstheater ein Oktoberfeststück geschrieben. „Am Wiesnrand“ ist kein Volksstück im Stil Ödon von Horvaths, sondern nüchterne Feldforschung in orgiastischem Rumgesaue - gespielt auf einer Bühne, die wie ein Bierbauch aussieht.

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Am Wiesnrand von Stefanie Sargnagel, Münchner Volkstheater (Foto: Arno Declair)
Szenenbild mit Ensemble: Jan Meeno Jürgens, Jonathan Müller, Henriette Nagel, Pola Jane O´Mara und Nina Steils Arno Declair

Sargnagel beschreibt mit saftiger Sprache dröhnenden Frohsinn aus Fressen, Saufen, Rülpsen, Grapschen, Schnackseln und Urinieren. Regisseurin Christina Tscharyiski hat den Text eines Erzählerinnen-Ichs auf insgesamt fünf Schauspieler verteilt. Eine groteske Gaudi mit Gespür fürs Grindige und Grausliche. Während die erste Hälfte der Aufführung noch runtergeht wie die erste Wiesn-Mass, sehnt sich der Zuschauer in der zweiten Hälfte schon nach einer gehaltvollen Unterlage. Das dritte Bier bleibt glücklicherweise aus. Man verlässt das Theater angenehm angeheitert, aber keineswegs restlos berauscht.

Bühne Mit Brecht alleingelassen: „Im Dickicht der Städte“ an den Münchner Kammerspielen

Bertolt Brechts frühes Meisterwerk „Im Dickicht der Städte“ enthält noch nicht die spätere Lehrstück-Dramaturgie. Die Geschichte vom Kampf des Holzhändlers Shlink mit dem Bibliotheksangestellten Garga ist ambivalent. Regisseur Christopher Rüping erweitert, zwei Jahre nach seiner Inszenierung von „Trommeln in der Nacht“, die Mehrdeutigkeit. Anfangs kullern Darsteller eingeschlossen in Plastikblasen auf die Bühne, Symbol der Abkapselung, der Gräben zwischen den politischen Lagern, der Vereinzelung. SWR2-Rezensent Christoph Leibold findet, dieser Mut, sich auf die Vieldeutigkeit einzulassen, verdiene Respekt. Am Ende aber übertreibe es Rüping ein wenig. So werde der Abend für das Publikum zu einem Kampf, „bei dem es von der Regie allein gelassen wird“.  mehr...

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