Legendärer Leiter des Stuttgarter Balletts

50. Todestag von John Cranko: „Er gab mir durch sein Vertrauen das Gefühl, alles zu können“

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Max Knieriemen
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Dominic Konrad

John Cranko machte das Stuttgarter Ballett in den 1960er-Jahren zu einem der führenden Ensembles der Welt. Sein Ruhm ist auch 50 Jahre nach dem unerwarteten Tod des Regisseurs und Choreografen ungebrochen. Im Gespräch mit SWR2 wirft Birgit Keil, unter Cranko in Stuttgart Solistin, einen Blick zurück auf die gemeinsame Zeit.

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„Die Arbeit mit ihm war aufregend“

„Er gab mir durch sein Vertrauen das Gefühl, alles zu können“, erinnert sich Birgit Keil an John Cranko. „Seine Inspiration und Kreativität, seine Erwartungen konnten mich zu technischen Höhenflügen anspornen und machten vor allen Dingen auch eine künstlerische Entwicklung möglich.“

Mit 25 Jahren wurde Keil Mitglied des Stuttgarter Ballett-Ensembles, ab 1963 tanzte sie unter Cranko als Solistin. „Die Arbeit mit ihm war aufregend“ , sagt die ehemalige Tänzerin. „Es machte vor allen Dingen auch großen Spaß. Und ich denke, ganz wichtig war, dass er von Anfang an an mich geglaubt hat.“

John Crankos „Romeo und Julia“ (1962) (Foto: IMAGO, AAP)
John Crankos erster großer Erfolg in Stuttgart: „Romeo und Julia“ von 1962.

„Wir waren buchstäblich über Nacht weltberühmt“

1961 verließ John Cranko London und wurde Direktor des Stuttgarter Balletts. Seine Choreografien trugen maßgeblich zum sogenannten „Stuttgarter Ballettwunder“ der 1960er-Jahre bei. Auch heute gehören seine Werke „Romeo und Julia“ (1962), „Onegin“ (1965) und „Der Widerspenstigen Zähmung“ (1969) zum festen Repertoire der Stuttgarter Ballettkompanie.

Gemeinsam mit Cranko tourte Birgit Keil um die Welt. Besonders das Gastspiel 1969 in New York ist ihr lebhaft in Erinnerung geblieben: „Wir waren buchstäblich über Nacht weltberühmt.“ Der Erfolg war nicht zuletzt auch eine Bestätigung für das treue Publikum zuhause.

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Tragischer Tod mit 46 Jahren, doch bis heute unvergessen

Am 26. Juni 1973, vor 50 Jahren, starb Cranko an einem allergischen Schock auf dem Rückflug von einer erfolgreichen US-Tournee. Bis heute fühlt sich das Stuttgarter Ballett der Pflege seines Erbes verpflichtet. Die John-Cranko-Schule, die der Choreograf noch kurz vor seinem Tod gründete, ist heute eine der bedeutendsten Ausbildungsstätten der Welt.

Nach ihrer aktiven Zeit als Ballerina trat Keil auch als Ausbilderin in die Fußstapfen Crankos. Sie leitete die Mannheimer Akademie des Tanzes, von 2003 bis 2019 war sie zudem Direktorin des Karlsruher Staatsballetts.

John Crankos „Onegin“ (1965) (Foto: IMAGO, Le Pictorium)
1965 adaptiert Cranko Puschkins Versdrama „Eugen Onegin“ fürs Ballett. Die Musiken stammen aus verschiedenen Werken Tschaikowskis.

Crankos Ballette sind zeitlose Meisterwerke

Ob es für die jungen Tänzerinnen und Tänzer einengend sei, auch noch heute die alten Stücke von Cranko zu tanzen? Brigit Keil denkt das nicht. Crankos Stücke sind sehr gut dokumentiert, es gibt Videos, digitale Aufnahmen und auch die Ensemble-Mitglieder der ursprünglichen Besetzung helfen bis heute beim Einstudieren der Original-Choreografien. „Es ist wunderbar mit diesen begabten, und sehr offenen und lernbegierigen jungen Menschen zu arbeiten“, meint Keil.

Warum die Stücke bis heute erfolgreich sind? „Weil es Meisterwerke sind“, meint Birgit Keil. Das Staatstheater Stuttgart nimmt das Jubiläum zum Anlass für eine Reihe von Veranstaltungen zu Ehren des Choreografen und Regisseurs.

#Kulturfrauen Anderen die Bühne bereiten: Birgit Keil, ehemalige Ballettdirektorin und Primaballerina

Birgit Keil, ehemalige Stuttgarter Primaballerina und Cranko-Protégée, hat sich nach ihrer Karriere als international gefeierte Tänzerin mit großem Engagement der Ausbildung neuer Talente gewidmet. Bis 2019 war sie Akademieleiterin in Mannheim und Ballettdirektorin in Karlsruhe – und fördert den Tanznachwuchs mit ihrer eigenen Stiftung.

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Ballett in Stuttgart

Video: Stuttgarter Ballett tanzt legendäre Choreografie Romeo und Julia - Ballett von John Cranko

50 Jahre nach der Uraufführung von "Romeo und Julia" brachte das Stuttgarter Ballett die legendäre Choreografie von John Cranko noch einmal auf die Bühne. "Romeo und Julia" war eines der berühmten Ballette, mit denen John Cranko das "Stuttgarter Ballettwunder" begründete.

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