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Bühne Gescheiterte Utopie: „Cordiers Spuren“ in Pforzheim

Von Marie-Dominique Wetzel

„Cordiers Spuren“ ist ein Theaterstück zur Pforzheimer Nachkriegsgeschichte: 130 Bürgerinnen und Bürger der Stadt wanderten in den 50er Jahren mit Willi Cordier nach Argentinien aus. Cordier war 1947 als CVJM-Sekretär, dem „Christlichen Verein Junger Menschen“, in die Stadt gekommen. Die Anhänger seines radikalen Christentums wurden angefeindet und wollten in Südamerika ein neues Leben anfangen. In Pforzheim feiert das Stück des Berliner Autors Marc Pommerening Uraufführung unter der Regie von Andrea Hügli.

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„Cordiers Spuren“ am Theater Pforzheim

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Willi Cordier und seine Anhänger ecken an im Pforzheim der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die meisten Einwohner der Stadt versuchen während dieser Jahre – wie im restlichen Land auch -, den Krieg und alle damit verbundenen Erinnerungen zu verdrängen und machen sich an den Wiederaufbau.

Willi Cordier und seine Anhänger ecken an im Pforzheim der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die meisten Einwohner der Stadt versuchen während dieser Jahre – wie im restlichen Land auch -, den Krieg und alle damit verbundenen Erinnerungen zu verdrängen und machen sich an den Wiederaufbau.

Andere können und wollen nicht so leicht vergessen, was war und suchen nach neuem Lebenssinn. Sie finden in dem jungen Kirchenmann Willi Cordier (Markus Löchner, Mitte) einen geistigen Führer. Der Berliner Theaterautor Marc Pommerening hat aus seinen vielen Zeitzeugen-Interviews mehrere fiktive Charaktere erarbeitet, die stellvertretend für die damaligen Cordianer stehen.

In einer Nacht- und Nebel-Aktion bricht Willi Cordier dann mit 130 Anhängern nach Südamerika auf. Damit endet der erste Teil des Theaterstücks. Das Geschehen springt jetzt in die 70er Jahre. Die Cordianer haben in Argentinien mittlerweile eine Kolonie gegründet. Immer wieder kommt es innerhalb der Gemeinschaft zu Zerwürfnissen, ein Teil der Anhänger sagt sich los.

Am Ende steht Willi Cordier (Markus Löchner) ziemlich alleine da. Der Traum, ein anderes Leben führen zu können, ist geplatzt. Wie so viele Utopien scheiterte auch diese. Nicht zuletzt, weil Cordier offensichtlich immer dogmatischer und autoritärer geworden ist.

Chefdramaturg Peter Oppermann betont, solche Stoffe seien seinem Theater wichtig: Sie seien direkt verbunden mit der Geschichte der Stadt, aber eben auch mit Relevanz für die Gegenwart.

Das Theater Pforzheim hofft, dass dieses ganz eigene Kapitel der Stadtgeschichte durch das Theaterstück wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt: Zeitzeugen berichten, und betroffene Familien fangen an, darüber zu sprechen. Zu einer Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte der Stadt soll das Theaterstück erst der Anfang sein.

3:32 min | Fr, 31.5.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Gescheiterte Utopie: „Cordiers Spuren“ in Pforzheim

Marie-Dominique Wetzel

„Cordiers Spuren“ ist ein Theaterstück zur Pforzheimer Nachkriegsgeschichte: 130 Bürgerinnen und Bürger der Stadt wanderten 1947 mit Willi Cordier nach Argentinien aus. Cordier war als CVJM-Sekretär, dem „Christlichen Verein Junger Menschen“, in die Stadt gekommen. Die Anhänger seines radikalen Christentums wurden angefeindet und wollten in Südamerika ein neues Leben anfangen. In Pforzheim feiert das Stück des Berliner Autors Marc Pommerening Uraufführung unter der Regie von Andrea Hügli.


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