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Bühne Großer Theater-Spaß: Die „Schulz-Story“ in Stuttgart

Von Karin Gramling

Nach Stücken über Stuttgart 21 und Donald Trump bringt das kleine Stuttgarter Studio Theater mit viel Witz und Situationskomik die „Schulz-Story“ auf die Bühne. Ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz des SPD-Spitzenkandidaten, auf der Basis des Buchs von Spiegel-Reporter Markus Feldenkirchen, der Schulz im Wahlkampf begleitet hatte.

Wie schnell sich der Schulz-Effekt abnutzte

Am Anfang steht der vermeintliche Superstar Martin Schulz noch in Saft und Kraft. Der ausgewiesene Europapolitiker soll die alte Tante SPD retten, deren Stern seit längerem sinkt. Auf der Bühne kommt Sebastian Schäfer in dieser Rolle als energiegeladener und selbstbewusster Politiker rüber.

Die „Schulz-Story“ zeigt aber auch genau, wie schnell sich der Schulz-Effekt abnutzt. Der Theaterabend bleibt nah an der Vorlage. Ein Schauspieler übernimmt die Rolle von Spiegel-Reporter Markus Feldenkirchen, der Schulz in seinem Wahlkampf begleitet hatte, und kommentiert wie in der Reportage das Geschehen.

Szene aus der Probe

Sebastian Schäfer als Martin Schulz auf Wahlkampftour (links), begleitet von seinem Wahlkampfhelfer (Boris Rosenberger). Als Stewardess Schirin Brendel.

Theaterstück mit dokumentarischen Einschüben

So bekommen die Zuschauer einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs. Immer wieder eingespielte Einblendungen, zum Beispiel von Parteitagen oder aus Tagesthemen-Interviews mit Schulz als Kanzlerkandidaten, unterstreichen, dass alles tatsächlich so passiert ist.

„Die Demontage eines Mannes, der auch ein Opfer unserer sensationsgierigen Mediendemokratie geworden ist“, sieht Regisseur Christof Küster darin widergespiegelt.

Martin Schulz bei Anne Will: „Da war er nur mal kurz auf dem Klo“

Symptomatisch, so Küster, der Auftritt in der Talk-Show von Anne Will: „Da war er mal kurz auf dem Klo, und die Schlagzeile lautete: 'Wo war Martin Schulz?' Es ging nicht mehr darum, was an dem Abend verhandelt wurde. Das führt leider immer von den Inhalten weg, und das zeigen wir eigentlich in diesem Abend.“

Szene aus der Probe: Martin Schulz (Sebastian Schäfer) bei einer Pressekonferenz

Martin Schulz (Sebastian Schäfer) bei einer Pressekonferenz mit Bürovorsteherin Natalie Hagemeister (Gundi-Anna Schick), Journalisten und Fotografen (Axel Krauße, Schirin Brendel, Moritz Brendel und Boris Rosenberger).

Sebastian Schäfer mit ähnlicher Statur wie Martin Schulz

Drei verlorene Landtagswahlen muss Schulz weglächeln, auch die parteiinternen Intrigen gegen ihn. Jede Menge peinliche organisatorische Pannen bei der Präsentation zum Beispiel des Wahlprogramms machen ihm zu schaffen.

Ohne Gespür für die Stimmung im Land will er später dann doch noch Außenminister unter Merkel werden. Der Schauspieler Sebastian Schäfer verfügt über eine ähnlich bullige Statur wie Schulz und gibt den SPD-Mann passend mit Bart, Brille.

„Eine ehrliche Haut, sachste im Ruhrpott“

Tagelang studierte Schäfer die Fernsehauftritte von Schulz und entdeckte neben dem Humor noch mehr Gemeinsamkeiten. „Ehrliche Haut, sachste im Ruhrpott. Das ist eigentlich schon 'ne Stärke von ihm, dass er diesen direkten Ton hat. Ich finde nur, er hat das ein bisschen zu dicke aufgetragen.“

Szene aus der Probe: v. li. Natalie Hagemeister (Gundi-Anna Schick) mit Martin Schulz (Sebastian Schäfer) und dahinter Boris Rosenberger als Fotograf

Martin Schulz (Sebastian Schäfer) mit seiner Büroleiterin Natalie Hagemeister (Gundi-Anna Schick - hier ein Bilddoubel) und Boris Rosenberger als Fotograf.

Der starke Einfluss der Meinungsumfragen

Klar wird im Stück auch, wie stark inzwischen Meinungsumfragen die Politiker beeinflussen. Statt sich als starken Europapolitiker zu präsentieren, der sich für soziale Inhalte einsetzt, hat sich Schulz dazu beraten lassen, lange im Ungefähren zu bleiben.

Laut Meinungsumfrage erfolgsversprechend, doch als sich das als falsch herausstellt, ist es schon zu spät. Wie vor dem ersten Fernsehduell mit der Kanzlerin, bei dem es vor allem darum ging, die noch unentschlossenen Wähler anzusprechen, besonders die Zielgruppe der Frauen.

Doku-Thriller mit viel Situationskomik

Das Studio Theater Stuttgart zeigt mit der Schulz-Story einen Polit-Doku-Thriller mit viel Witz und Situationskomik. Aber auch, wie brutal der Absturz sein kann von einem Superstar der SPD zum Buhmann der ganzen Nation.


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