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Nachdem ihm mehrere Frauen sexualisierte Grenzüberschreitung vorgeworfen hatten, gibt der Intendant der Berliner Volksbühne, Klaus Dörr, nun seinen Posten ab. Laura Kiehne vom Ensemble Netzwerk fordert einen Umbruch bei der Besetzung von Leitungspositionen.

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Die Vorwürfe gegen Dörr sind nicht neu

Schon früher habe es Vorwürfe gegeben, Klaus Dörr würde mit Frauen und vor allem jüngeren Frau unangemessen umgehen und sie um sich scharen, um sie karrieristisch zu fördern, sagt Laura Kiehne vom Ensemble Netzwerk in SWR2.

Mit diesen Förderungen habe Dörr die Frauen an sich gebunden. Nachdem ihm mehrere Frauen sexualisierte Grenzüberschreitung vorgeworfen hatten, gibt der Intendant der Berliner Volksbühne, Klaus Dörr, nun seinen Posten ab. Das bestätigten das Theater und die Senatsverwaltung.

Solche Fälle von Machtmissbrauch kommen häufig vor

Diese Struktur aus Fördern und Übergriffigkeit bezeichnet Laure Kiehne als typisch für die gewachsenen und dringend reformbedürftigen Strukturen im Theaterbetrieb.

Es gäbe eine Bigotterie darüber, was Theater auf den Bühnen thematisieren und was sich hinter den Bühnen abspielt. Es sei nicht überall so, aber eben leider sehr häufig.

„Wo es Menschen gut geht, kann ich mir nicht vorstellen, dass unterirdische Kunst produziert wird. Ich glaube nicht, dass Leiden der Urgrund ist, aus dem heraus wir Kunst erschaffen.“

Laura Kiehne, Ensemble Netzwerk

Es braucht klare Kriterien, wie Leitungspositionen besetzt werden

Um Machtmissbrauch justiziabel zu machen, fordert das Ensemble Netzwerk rechtliche Verbindlichkeiten wie Selbstverpflichtungsklauseln in den Verträgen der Personen in Leitungsposition. Außerdem fordern sie klare Kriterien, nach denen Leitungspersonen gesucht und besetzt werden.

Neben der künstlerischen und der geschäftsführenden Kompetenz solle auch die Personalführungskompetenz berücksichtigt werden.

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