Straßentheaterfestival „tête à tête“ in Rastatt Rastatt staunt über Tänzer und Zauberei

Am 1.6.2018 von Marie-Dominique Wetzel

Beim Straßentheaterfestival „tête à tête“ im badischen Rastatt wurde die ganze Stadt zur Bühne: 47 professionelle Künstlergruppen aus 16 Nationen boten Anfang Juni eine faszinierende Mischung aus Artistik, Tanz, Performance und zauberten eine einmalige Atmosphäre auf die Straßen und Plätze der Barockstadt.

Rasanter Tanz auf Himmel-und-Hölle-Kästchen

Ein kleiner Platz mitten in der Rastatter Altstadt. Zwei Männer in bunt karierten Hemden zeichnen mit Straßenkreide in den irrwitzigsten Verrenkungen Markierungen auf den Boden. Dann erkennt man, was sie da malen, viele Himmel und Hölle Kästchen, wie bei dem beliebten Kinderspiel.

Dauer

Dann soll es los gehen - aber halt! Zuerst müssen die beiden Straßenkünstler noch ein bisschen Ordnung ins Publikum bringen: hier sitzt ein Kind zu eingezwängt zwischen Erwachsenen, da hat eine alte Dame keinen Sonnenhut auf und der Kinderwagen sollte etwas weiter nach vorne. Und dann tanzen und hüpfen die beiden in atemberaubendem Tempo und mit vielen witzigen Einlagen über das Himmel-und-Hölle-Spiel.

Bilder vom Straßentheaterfestival „tête à tête“ in Rastatt

Straßentheaterfestival „tête à tête“ - Straßenmusiker in Phantasieuniformen (Foto: SWR, SWR - Marie-Dominique Wetzel)
Straßenmusiker in Phantasieuniformen SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Tänzer Joshua und Jack SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Akrobaten der kanadischen Truppe Quatuor Stomp SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Zauberer Joy und die Akrobaten von Quatuor Stomp beim Zauberwürfel-Lösen SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Zauberer Joy von "Siegfried und Joy" SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Zauberer Siegfried von "Siegfried und Joy" SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen

Das Publikum in Rastatt klatscht besonders viel

Joshua und Jack sind ausgebildete Tänzer, stammen aus England und den USA und haben sich in der Schweiz kennen gelernt. Was sie hier in Rastatt beim Festival „tête à tête“ vorführen, ist ihre erste Straßentheater-Produktion: „Das Publikum hier hat mehr geklatscht als je", sagt Joshua Monten. „Wir waren darauf nicht vorbereitet. Ich meine, jede Aufführung ist anders. Es gibt Teile, die improvisiert sind und bei denen wir mit den Zuschauern interagieren, und jedes Mal entdecken wir neue Sachen.“

Straßentheaterfestival „tête à tête“ - Akrobaten der kanadischen Truppe Quatuor Stomp (Foto: SWR, SWR - Marie-Dominique Wetzel)
Akrobaten der kanadischen Truppe Quatuor Stomp SWR - Marie-Dominique Wetzel

Seilchenspringen für artistische Männer

Nur wenige Meter entfernt, läuft die Vorstellung der Kanadischen Akrobaten-Truppe „Quatuor Stomp“. Die Zuschauer dürfen mit Hilfe eines riesigen Schaumstoffwürfels bestimmen, welche Disziplin als nächstes dran kommt: Jonglieren, Akrobatik oder Seilspringen mit mehreren langen Seilen und mehreren Männern, die in der Mitte in einer wahnwitzigen Choreographie über die Seile springen, die in irrem Tempo von allen Seiten kommen.

Französische Szene am besten entwickelt

Das Straßentheaterfestival „tête à tête“ hat vor 25 Jahren als deutsch-französisches Festival angefangen. Gerade in diesem Jubiläumsjahr kommen besonders viele Künstler und Besucher von der anderen Seite des Rheins, sagt Kathrin Bahr, eine der beiden künstlerischen Leiterinnen des Festivals: „Die Szene ist total international, aber die französische Szene ist natürlich die, die in Europa am weitesten entwickelt ist. Die haben mit ihrem Fördersystem, wie sie Künstler unterstützen, eine ganz andere Basis gelegt für Outdoor Arts, für Straßentheater.“

Straßentheaterfestival „tête à tête“ - Zauberer Siegfried von "Siegfried und Joy" (Foto: SWR, SWR - Marie-Dominique Wetzel)
Zauberer Siegfried von "Siegfried und Joy" SWR - Marie-Dominique Wetzel

„Siegfried & Joy“ sind (fast) „zurück“

Das Ergebnis: zum Beispiel die achtköpfige Gruppe „Sur Mesure“. „Maßgeschneidert“ passen die Trampolinsprünge und die Jonglage der Akrobaten mit den Melodien der Musikerinnen zusammen, die sich mit ihnen die Bühne teilen und alles live aufeinander abstimmen.

Die Wege zwischen den einzelnen Aufführungsorten sind in der kleinen Barockstadt Rastatt kurz, und das Publikum wandert mal hierhin mal dorthin. Vor dem alten Lyzeum haben „Siegfried & Joy“ aus Berlin die Bühne für ihre Zaubershow aufgebaut: „Und wir haben uns gesagt: Wenn wir es in Las Vegas schaffen, dann kommen wir niemals wieder. Hier sind wir!“

Rastatter Fußbad zum Abschied

Das Publikum ist trotz hochsommerlicher Temperaturen überall begeistert dabei. Als letzten Programmpunkt haben sich Viele einen Besuch der „Fußbadterrasse XXL“ am Ufer des Flüsschens Murg vorgenommen. Ein herrlicher Abschluss eines langen, fröhlichen Festivaltages.

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