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„Still Life“ von Marta Górnicka am Gorki Theater: Katastrophaler Saisonstart

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Auch am Berliner Gorki Theater – wie schon an der dortigen Schaubühne – beginnt die Spielzeit 2021 weit vor der üblichen Zeit. Es gibt viel aufzuholen nach der pandemiebedingten Pause.

Die polnische Regisseurin Marta Górnicka, bekannt für gesellschaftspolitisch engagierte Sprechchorwerke, hat die Uraufführung „Still Life“ eingerichtet, in der, wie es im Untertitel heißt, „Ein Chor für Tiere, Menschen und andere Lebewesen“ auftritt.

Dieser Abend ist eine Katastrophe – in jeder Hinsicht, so SWR2 Kritikerin Ina Beyer. Auf der leeren grauen Bühne stehen, stampfen oder schreien acht akustisch nicht bis schlecht zu verstehende Protagonist*innen in ebenfalls grauen Ganzkörperanzügen und stoßen eine knappe Stunde lang fahrlässig unreflektierte, mangelhaft choreografierte Schlagwörter oder Thesen über Kolonialismus, Rassismus, Faschismus, Kapitalismus oder Patriarchat hervor.

Blick in die Aufführung:

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Im Originaldrama geht es um soziale Hintergründe, um Rollenbilder und Emanzipation. Yerma ist da die Frau eines armen Bauern im Andalusien der 1930er Jahre. Sie hat gar keine andere Wahl, als sich über ein Kind Anerkennung, Würde und eine Aufgabe zu verschaffen. Als ihr dies verwehrt wird – denn ihr Mann möchte gar keine Kinder, setzt sie sich zur Wehr.
Die Schaubühnen-Yerma aber ist der nicht viel mehr als durchaus traurige, aber nicht darüber hinausweisende, individuelle Fall einer Frau mit unerfülltem Kinderwunsch. Zeitgeschehen oder Gesellschaftsanalyse Fehlanzeige. Caroline Peters allerdings, so unsere Kritikerin Ina Beyer, verleiht ihrer Yerma so viel Kraft und Schwäche, Witz und Wut, Lust und Fallhöhe, dass diese Figur sich einbrennt ins Gedächtnis. Ihr Einstand als Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne: furios. Auch Christoph Gawenda als John oder Ilse Ritter als Mutter sowie alle anderen brillieren, so die Rezensentin. Über den Tellerrand moderner, gut betuchter Großstädter und ihrer persönlichen Kümmernisse aber blicken diese Figuren nicht hinaus.  mehr...

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