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Das krisen- und konfliktgeschüttelte Badische Staatstheater in Karlsruhe muss in die nächste Runde: Nach den Debatten um fehlende Führungskultur und Machtmissbrauch unter Generalintendant Peter Spuhler, wird jetzt offiziell gegen einen ehemaligen leitenden Mitarbeiter des Staatstheaters ermittelt. Mehrere junge Männer werfen ihm sexuelles Fehlverhalten vor.

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Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen ehemaligen leitenden Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters eingeleitet. Gegenstand des Verfahrens sei der Verdacht auf Verbreiten pornografischer Schriften in zumindest einem Fall, erklärt Mirko Heim, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Im Verlauf des Verfahrens würden Zeugen vernommen, erst danach könne man entscheiden ob Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt werde, so Heim.

Nacktfotos per Chat?

Bei den betroffenen Personen habe es sich nicht um festangestellte Mitarbeiter des Staatstheaters gehandelt, berichtet SWR2 Kulturkorrespondentin Marie-Dominique Wetzel, sondern um junge Männer, die bei einzelnen Produktionen mitgewirkt hätten.

Wetzel, die mit mehreren Betroffenen persönliche Gespräche geführt hat, berichtet von zwei Fällen, in denen der ehemalige leitende Mitarbeiter anscheinend den jungen Männern gegen deren Willen Nacktfotos zugeschickt und sie in dokumentierten Chat-Verläufen immer wieder zu Treffen aufgefordert habe.

Mitarbeiter bereits vor einem Monat freigestellt

Öffentlich wurden die Vorwürfe über einen Instagram-Account, der im Zuge der Spuhler-Affäre auch für Aufsehen sorgte. Gegen des Betreiber des anonymen Accounts wird wegen versuchter Nötigung ermittelt. Bei anonymen Anschuldigungen im Internet sei natürlich immer Vorsicht geboten, so Wetzel, die jungen Männer mit denen sie lange, persönliche Gespräche habe führen können, erschienen ihr jedoch glaubwürdig. Außerdem halte sie deren Screenshots der Chatverläufe für echt.

Das Badische Staatstheater hatte den Mitarbeiter bereits vor einem Monat freigestellt und nach offiziell nicht bestätigten Informationen inzwischen auch entlassen. Von ihm gibt es bisher noch keine Stellungnahme.

Grenzüberschreitungen normal am Theater?

Für Marie-Dominique Wetzel bleibt ein besonders bitterer Eindruck durch die Aussagen mehrerer junger Leute, die voller Enthusiasmus ans Theater kamen und dann anscheinend mit solchen Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert worden seien.

„Sie haben mir gesagt, dass sie das Gefühl hatten, das sei am Theater anscheinend normal und man müsse wohl oder übel damit leben, wenn man dort arbeiten wolle.“

Marie-Dominique Wetzel, SWR2 Kulturkorrespondentin

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