Oper „Mefistofele“ in Stuttgart: Eine Sternstunde für den Opernchor

„In dem Spiel zwischen Gott und dem Teufel nimmt Faust den Platz der Würfel ein, die über den grünen Filz kullern“ - so beschreibt Regisseur Àlex Ollé die Rolle von Faust in „Mefistofele“ von Arrigo Boito an der Staatsoper Stuttgart. Die Neuinszenierung von Ollé hatte am Sonntag, 16. Juni 2019, Premiere. Die Aufführung war vor allem eine Sternstunde für den Opernchor.

asdf

Mefistofele an der Staatsoper Stuttgart: So war die Premiere

Staatsoper Stuttgart Mefistofele von Arrigo Boito

Mefistofele von Arrigo Boito - Oper in einem Prolog (Foto: Pressestelle, Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin)
Den ganzen „Faust“ in zweieinhalb Stunden, Prolog im Himmel, Osterspaziergang, Gretchentragödie, mittelalterliche und klassische Walpurgisnacht inklusive: das gibt es in der Operngeschichte nur einmal, und zwar in Arrigo Boitos „Mefistofele“. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Boito hat den Stoff eingedampft und mit Bel Canto aufgeladen. Regisseur Àlex Ollé zeigt diese geradezu rasante Reise durch die kleine und große Welt mit ausgetüftelter Bühnenmaschinerie, Splatter, einem Chor in weißen Schutzanzügen, Flitter und Beleuchtungseffekten. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Faust (2. v.l.: Antonello Palombi) ist als Angestellter im Labor des göttlichen Experiments eine erbärmliche Figur. In der Wette um sein Seelenheil erfüllt ihm Mefistofele (2. v.r.: Mika Kares) Gelüste des Spießertraums. Gretchen (1. v.l.: Olga Busuioc) wird in der Disko verführt. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Die Regie passt wunderbar zur Musik Boitos. Was er als Librettist des späten Verdi vermochte, blieb ihm als Komponist versagt: die Subtilität der poetischen Zuspitzung. Mefistofele im Zentrum der Oper ist Stärke und Schwäche zugleich von Boitos musikalischer Strategie. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Ein Zuviel zwischen lyrischer Tragödie und metaphysischem Erlösungskitsch – Faust ist Nebensache. Mika Kares (Mitte) spielt einen kongenialen Mefistofele – sängerisch wie darstellerisch. Da hält der kurzfristig eingesprungene Antonello Palombi als Faust nicht ganz mit. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Olga Dusuoic in der Doppelrolle der Margherita und Elena ist für diesen späten Bel Canto ein absoluter Lichtblick. Anrührend, wenn sie in der Kerkerszene nicht ihren Heinrich im Hintergrund ansingt, sondern das Böse mit Mefistofele im Vordergrund vergeblich anspricht: ein starker Moment, der bleibt. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
Der Abend ist aber vor allem eine Sternstunde des grandiose Staatsopernchors. Daniele Callegari dirigiert souverän durch alle Höhen und Tiefen der Partitur, von subtiler Vokalbegleitung bis zum reinen Bombast. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
In Stuttgart ist das zwar nicht die Rettung eines zwiespältigen Komponisten und Librettisten, dessen Begabung vielleicht mehr literarischer Natur war. Aber ein unterhaltsamer und spannender Opernabend ist es auf jeden Fall geworden. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Thomas Aurin Bild in Detailansicht öffnen
STAND