STAND
AUTOR/IN

Der Regisseur Milo Rau bringt wieder Mord auf die Bühne: diesmal den kollektiven Selbstmord einer Familie in Calais in Nordfrankreich, inspiriert von einem realen Fall von 2007. Das Stück wurde jetzt im Mousonturm in Frankfurt zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

Audio herunterladen (3,4 MB | MP3)

Family von Milo Rau Frankfurt Mousonturm (Foto: Frankfurt Mousonturm/Michiel Devijver)
Sie erhängten sich in ihrem Gartenhaus — und zwar ohne erkennbaren Grund. „Man weiß ganz wenig über die Familie“, sagt der Regisseur Milo Rau. „Man weiß, dass sie etwas zu Abend gegessen haben, man weiß, dass sie einen Abschiedsbrief geschrieben haben und was da drinsteht. Es ist ein einziger Satz: Wir haben es vermasselt.“ Mehr hätten weder Psychologen, noch Kriminalisten oder Nachbarn herausgefunden. Ein kollektiver Selbstmord ohne erkennbaren Grund. Frankfurt Mousonturm/Michiel Devijver Bild in Detailansicht öffnen
Milo Rau bringt ihren letzten Abend mit einer echten Familie auf die Bühne: mit Familie Peeters-Miller. Der Vater Filip Peeters ist in Belgien ein bekannter Fernsehkoch und die Mutter An Miller ist Schauspielerin in Milo Raus Ensemble. Die beiden Töchter Leonce und Luisa sind Teenager. Frankfurt Mousonturm/Michiel Devijver Bild in Detailansicht öffnen
Eine echte Familie, die auch aus ihrem echten Leben erzählt. Die Zuschauer sehen nicht nur persönliche Familienfotos und -videos, sondern hören auch wie Leonce von ihren Selbstmordgedanken im Internat erzählt und Vater Filip berichtet von seiner Reue, die Kinder der Karriere wegen zu oft alleingelassen zu haben. Frankfurt Mousonturm/Michiel Devijver Bild in Detailansicht öffnen
Ein Stück voll wachsender Spannung bis zum Schluss. Am Ende hängen die vier Darsteller*innen tatsächlich mit Schlinge um den Hals von der Küchendecke. Ein Moment, in dem das Publikum den Atem anhält. Frankfurt Mousonturm/Michiel Devijver Bild in Detailansicht öffnen
Eine stringente Erklärung für den kollektiven Selbstmord in Calais bietet die Familie Peeters-Miller glücklicherweise nicht. Wie sähe unser letzter Abend aus? Die Leerstellen müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst füllen. Ein Theaterabend, der noch lange nachwirkt. Frankfurt Mousonturm/Michiel Devijver Bild in Detailansicht öffnen

„Family“ von Milo Rau am 28. und 29. Februar 2020 im Künstlerhaus Mousonturm.

Theater Mord, Puppentanz und Multimedia: „Orestie“ am Schauspiel Frankfurt

Eine antike Dramentrilogie im neuen Gewand ist Jan-Christoph Gockels Inszenierung der „Orestie“ von Aischylos am Schauspiel Frankfurt. Der Regisseur greift auf Multimedia-Elemente zurück und arbeitet mit seinem bewährten künstlerischen Partner, dem Puppenbauer, Puppenspieler und Schauspieler Michael Pietsch zusammen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Bühne „Eine kollektive Katastrophe“: Der Fall Niels Högel als Dokumentartheater in Oldenburg

„Wir richten den Fokus nicht auf den Mörder Niels Högel, sondern auf die Opfer und Überlebenden der Taten“, sagt die Regisseurin von „ÜberLeben“, Julia Roesler. Das Theaterstück könne Anlass sein, nochmal anders über die Mord-Serie zu sprechen und nachzudenken.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Ausstellung „Ingrid Godon: Ich wünschte – open house“ in Frankfurt

Die belgische Künstlerin Ingrid Godon hat mit „Ich wünschte“ ein Bilderbuch mit dem Lyriker Toon Tellegen geschaffen. Ein nachdenkliches Werk, dass im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt als Ausstellung mit viel Rahmenprogramm zu sehen ist.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

STAND
AUTOR/IN