Bühne

„Sick of Sickfried!“ In Mannheim wird das Nibelungenlied zum Rap-Theater mit Paartherapie

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AUTOR/IN
Marie-Dominique Wetzel

Was hat Kriemhild bei der Ankunft ihres künftigen Mannes Siegfried wirklich gefühlt? Und was empfindet Brunhild als ihr klar wird, dass sie nur mit List und Betrug von Gunther erobert wurde? In dem Rap-Theaterstück von Jaques Tabaques und Jaxxon Mehrzweck am Nationaltheater Mannheim werden Helden demontiert und neue Sichtweisen auf das alte Epos ausprobiert. „Das Ganze ist auch eine Art Paartherapie“, sagt Regisseur Florian Hertweck. Texttreue ist hier fehl am Platz, in „Sick of Sickfried!“ wird gerappt und geschmachtet, großartig komponiert und arrangiert von Jakob Hoff.

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Die Sache mit dem Drachen und der Unverwundbarkeit

Achtung Spoiler-Alarm: Kriemhilds berühmter Falken-Traum nimmt den Tod ihres geliebten Siegfried vorweg. Doch zuerst einmal muss erzählt werden, was Siegfried überhaupt zum Helden macht: Zum Beispiel die Sache mit dem Drachen und dem Bad in dessen Blut, das Siegfried unverwundbar macht – naja, fast.

Sick of Sickfried! Das letzte Lied der Nibelungen (Foto: Pressestelle, Christian Kleiner)
Das Ensemble v.l.n.r.: Arash Nayebbandi (Gunther/ Hagen), Tala Al-Deen (Kriemhild), Eddie Irle (Siegfried) und Annemarie Brüntjen (Brunhild) Pressestelle Christian Kleiner

Aber an diesem Abend soll anders auf diese uralte Geschichte geschaut werden. Zuerst einmal wurde das Personal auf der Bühne reduziert — auf die beiden Paare Kriemhild und Siegfried sowie Brunhild und Gunther plus Hagen, erklärt Regisseur Florian Hertweck: „Jeder und jede hat ihre eigene Wahrheit.“ Diese unterschiedlichen Sichtweisen seien der Ausgangspunkt für das Stück gewesen.

Folgt auf die verpatzte Hochzeitsnacht eine gemeinschaftliche Vergewaltigung?

Ganz zentral sind dabei die Perspektiven der beiden Frauen, ihre Sicht auf die Geschehnisse. Vor allem auf die Brautfahrt in den hohen Norden, wo König Gunther ja nur mit List und Trug bzw. Siegfrieds Hilfe die Walküre Brunhild erobern kann. Und dann die verpatzte Hochzeitsnacht von Brunhild und Gunther. Auch hier holt Gunther ja später Siegfried dazu.

Regisseur Florian Hertweck sieht dies als eine gemeinschaftliche Vergewaltigung. Als dieses Verbrechen bekannt wird, ist klar: Jetzt muss gehandelt werden: Siegfried muss weg! Und dann kommt Hagens großer Auftritt als eigentlicher Strippenzieher in Burgund.

Sick of Sickfried! Das letzte Lied der Nibelungen (Foto: Pressestelle, Christian Kleiner)
Arash Nayebbandi als Gunther / Hagen Pressestelle Christian Kleiner

Wird Siegfried zu einem weiteren mythologischen Blockbuster am Nationaltheater?

Es ist ein eingespieltes Team, das Regisseur Florian Hertweck da für den Siegfried-Abend am Nationaltheater Mannheim zusammen geholt hat. Vor vier Jahren hatte er bereits zusammen mit dem Künstler-Kollektiv Dlé „Der Fluch der Tantaliden“ als mythologische Rap-Oper in Mannheim auf die Bühne gebracht: Ein Publikumsrenner!

Jetzt sollte nochmal ein mythologischer Blockbuster folgen, sagt Florian Hertweck lachend. Und das Nibelungenlied bietet eben das ganze Programm: Gewalt, Machtkämpfe, Liebe, Verrat, Rache. Obwohl diesmal das Epos nicht bis zum bitteren Ende erzählt wird.

Sick of Sickfried! Das letzte Lied der Nibelungen (Foto: Pressestelle, Christian Kleiner)
Annemarie Brüntjen als Brunhild Pressestelle Christian Kleiner

Es wird geschmachtet und gerappt, mal alleine, mal in Battles

In erster Linie ist das Ganze ein großes, wuchtiges Konzert, sagt Regisseur Florian Hertweck. Da wird geschmachtet und gerappt, mal alleine mal in Battles, großartig komponiert und arrangiert von Musiker Jakob Hoff. Die zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler haben sichtlich Spaß daran und laufen zu Höchstformen auf!

Sick of Sickfried! Das letzte Lied der Nibelungen (Foto: Pressestelle, Christian Kleiner)
Tala Al-Deen (Kriemhild) und das Ensemble Pressestelle Christian Kleiner

Der Schluss wird nicht verraten – auch weil er bis kurz vor der Premiere noch nicht wirklich feststeht. Aber so viel sei gesagt, Kriemhild sinnt nicht nur auf Rache, sondern hat auch ihre eigene Karriere im Sinn.

Man kann es dreh'n und wenden - das wird böse enden“ - gereimter Videobeitrag zur Premiere von „Sickfried“ (SWR Aktuell):

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Marie-Dominique Wetzel