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Theater in Baden-Württemberg dürfen wieder spielen – allerdings vor weniger als 100 Zuschauerinnen und Zuschauern. Besonders private Theater sind zögerlich, denn ein kleineres Publikum bedeutet für die Bühnen höhere Kosten. Für viele ist an eine Wiedereröffnung nicht zu denken – andere experimentieren mit neuen Formaten.

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Der Vorhang hebt sich wieder – wenn auch nur zaghaft, wenn auch nicht überall. Doch dort, wo die Scheinwerfer wieder angehen, ist der Spielhunger groß. Wie beim Landestheater Tübingen, das am 5. Juni mit Improtheater Open Air wie auch im Saal wieder loslegt.

Allerdings nur im kleineren Rahmen: Denn wegen der Abstandsregeln dürfen im großen Saal nur 78 statt 368 Plätze besetzt werden, im kleinen Saal finden lediglich 31 statt 129 Menschen Platz.

Auch das Theater Heilbronn kommt am 5. Juni aus der Zwangspause zurück, natürlich ebenfalls unter Corona-Bedingungen. Doch die beiden Theater sind Ausnahmen. Woanders ist an eine Eröffnung in diesen Tagen nicht zu denken.

Eine Kostenfrage für die Bühnen

Für ein Privattheater wie die Schauspielbühnen Stuttgart ist ein Spielbetrieb vor höchstens einem Fünftel der Zuschauer vor allem eine Kostenfrage: „Wenn ich nur ein Fünftel der Einnahmen habe und den Betrieb kostenseitig wieder hochfahre, weil wir wieder Theater spielen, dann verschärft sich unsere wirtschaftliche Lage noch mehr“, schildert Intendant Axel Preuß die Situation.

Die Schauspielbühnen Stuttgart, zu denen das Alte Schauspielhaus und die Komödie im Marquardt gehören, haben deshalb Staatshilfen beantragt, um die finanziellen Defizite auszugleichen. Angekommen sind sie bisher noch nicht.

Eröffnen könne man aber erst, sagt der Intendant, wenn man beides unter einen Hut bekomme: Die Sicherheit der Zuschauer sowie die Wirtschaftlichkeit des Theaters. Auf einen Eröffnungstermin wolle man sich deshalb nicht festlegen.

Neue Formate müssen her

Auch beim Staatstheater Stuttgart bleiben die Türen erstmal zu. Schon vor Wochen hatte man dort die Spielzeit für beendet erklärt und alle großen Produktionen abgesagt. Daran ändere auch die neueste Lockerung nichts, erklärt der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks.

„Die Formate, mit denen wir üblicherweise arbeiten – also die großen Ballette, die großen Opern und auch unsere Schauspielproduktionen – gehen weit über die jetzt möglichen 100 Besucher hinaus“. Stattdessen setze man nun auf kleinere, corona-sichere Ersatzformate, etwa das Lyriktelefon, bei dem Schauspielerinnen und Schauspieler den Zuhörern live am Telefon Gedichte vorlesen.

Erst zur nächsten Spielzeit soll es wieder größere Live-Vorstellungen geben, so auch bei der Badischen Landesbühne in Bruchsal. Dort fließt nun alle Energie in die Vorbereitung der neuen Spielzeit, die im September mit der Premiere von „Ein Volksfeind“ startet.

Hoffnungen ins Autokino

Ein Format könnte Abhilfe schaffen, in das derzeitig vielerorts große Hoffnungen gesetzt wird: Das Autokino. Denn auf dem Stuttgarter Kultur-Wasen etwa bekommen Zuschauer nicht nur Filme zu sehen, sondern auch Kabarett oder eben Theater. Am 8. Juni präsentieren Staatsoper und Schauspiel Stuttgart Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“.

In Karlsruhe hat das Kammertheater das dortige Autokino mit auf die Beine gestellt. Zusammen mit Artistinnen und Artisten vom Zirkus Flic Flac wurde speziell für diesen Ort das Rockmusical „Heart Rock“ konzipiert, das im Juli Premiere haben wird.

"Das ist schon toll, dass durch diese ganzen negativen Dinge was Einmaliges passiert, was nur diesen Sommer stattfinden kann", sagt Intendant Ingmar Otto, "weil der Zirkus keinen regulären Betrieb hat und wir keinen regulären Betrieb haben, und so gemeinsam so ein riesiges, tolles Projekt im Autokino an den Start bringen können."

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