Opernkritik Intelligente Inszenierung von Henzes Oper „Der Prinz von Homburg“ in Stuttgart

AUTOR/IN

Hans Werner Henzes 1960 uraufgeführte Oper „Der Prinz von Homburg“ nach dem gleichnamigen Schauspiel von Heinrich von Kleist ist relativ selten zu sehen. Jetzt hat sich die Stuttgarter Oper an den „Prinzen“ gewagt. Am Pult stand Generalmusikdirektor Cornelius Meister, Regie führte Stefan Kimmig. Die Premiere am 17. März präsentierte eine intelligente Inszenierung und hervorragende Sänger, meint unser Kritiker Reinhard Ermen.

Bilder Die Stuttgarter Inszenierung von Henzes "Der Prinz von Homburg"

Der Prinz von Homburg (Foto: Pressestelle, Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri)
Die Oper „Der Prinz von Homburg“ mit ihren drei hochkonzentrierten Akten dauert so lange wie ein Spielfilm und könnte ohne Problem in einem Zug durchlaufen. Doch in Stuttgart macht man nach dem ersten Akt eine große Pause. Das ist gut so, denn Henzes Musikdrama steht unter emotionalem Hochdruck, den Orchester und Ensemble unter der Leitung von Cornelius Meister genau und gnadenlos, vielleicht auch ein wenig zu laut ausspielen – Atempause also nach 45 Minuten.Auf dem Bild von links: Pawel Konik (Zweiter Offizier), Robin Adams (Prinz Friedrich Artur von Homburg), Mingjie Lei (Erster Offizier), Johannes Kammler (Wachtmeister) und Michael Nagl (Dritter Offizier). Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Orchesterzwischenspiele trennen und verbinden wie musikalische Blenden die Hauptszenen. In der intelligenten Inszenierung von Stephan Kimmig spielen diese Zwischenakte (fast) konsequent bei geschlossener Bühnenwand. Die Musik hat Raum zu wirken und zu erzählen.Auf dem Bild: Robin Adams (Prinz Friedrich Artur von Homburg). Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Schauplatz der Oper ist eine Art Bunker: ein fensterloser, notdürftig geweißter Raum.Auf dem Bild: Vera-Lotte Böcker (Prinzessin Natalie von Oranien) und Robin Adams (Prinz Friedrich Artur von Homburg). Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Wechselnde Garderoben, Jogginganzüge, manchmal auch nur Schlafanzüge oder fast gar nichts werden den taumelnden Protagonisten in schneller Folge übergeworfen.Auf dem Bild: Robin Adams (Prinz Friedrich Artur von Homburg). Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Wenn der Prinz sich im entscheidenden Augenblick mit der Realität abfindet, verlegt Kimmig das in einen Plexiglaskasten, in eine Art Museumsvitrine. Die Schlüsselszene wird zum Schaustück! Auf solche Akzentuierungen versteht er sich.Auf dem Bild: Vera-Lotte Böcker (Prinzessin Natalie von Oranien). Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Robin Adams ist genau der richtige Sänger für die Titelpartie, stets präsent, sicher und souverän. Vera-Lotte Böcker singt die Prinzessin Natalie mit sinnlichen Linien. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Štefan Margita (rechts) ist ein Charaktertenor mit schöner Stimme, der ein ausdifferenziertes Porträt des brandenburgischen Kurfürsten liefert. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen
Unverwechselbar: Helene Schneidermann als Kurfürstin. Das gesamte Ensemble kann sich hören und sehen lassen. Pressestelle Staatsoper Stuttgart - Foto: Wolf Silveri Bild in Detailansicht öffnen

Vollständige Opernkritik von Reinhard Ermen

Dauer

YouTube-Trailer: "Der Prinz von Homburg" an der Staatsoper Stuttgart

AUTOR/IN
STAND