Gespräch

Dilemma in der Tanzwelt – Wie umgehen mit Russland im Weltballett?

STAND
INTERVIEW
Daniel Stender

Tanz ist 2022 so politisch wie selten zuvor – gerade im Ballett, das durch viele russische Künstlerinnen und Künstler geprägt ist. In München wird gerade Tschaikowsky gezeigt, in Baden-Baden wird er abgesagt – ist das paradigmatisch für das Dilemma, in das der russische Angriffskrieg die Tanzwelt in Deutschland gestürzt hat?

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Lebende Künstler boykottieren statt tote zu exekutieren

,,Ich finde es schwierig, wegen des Krieges bereits tote Künstler nun nochmal zu exekutieren”, sagt Tanzexpertin Wiebke Hüster. Vielmehr solle man die Lebenden boykottieren, die mit Putin sympathisieren oder sich, wie der Tänzer Sergei Polunin, Tattoos von ihm stechen lassen.

,,Bei Sergei Polunin kamen zu dem großen Putin-Tattoo auf der Brust nun auch noch zwei kleinere auf den Schultern hinzu”, weiß Hüster. Und dass nun westlich Tänzer immer noch derzeit mit ihm auftreten, da sei für sie eine Grenze erreicht. ,,Er ist erklärter und glühender Putin-Fan!”

Das Mariinsky-Ballett kann als russisches Staatsballett nicht mehr eingeladen werden

Man müsse immer individuell entscheiden. In Fällen wie dem Choreografen Alexei Ratmansky an der Münchner Staatsoper habe man es zum Beispiel mit einem Russen zu tun, der eine tiefe Verbindung in die Ukraine hat und sich früh von Putin distanziert habe. In Baden-Baden hingegen könne das zu Weihnachten traditionell auftretende Mariinsky-Ballett nicht eingeladen werden, denn sie seien vom russischen Staat getragen.

,,Es gibt auf anderen Seite jedoch auch keinen Exodus russischer Tänzer, die in Richtung Westen aufbrechen”, sagt Hüster, ,,vielmehr sind es nur ein paar wenige, wie zum Beispiel Olga Smirnowa”.

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Daniel Stender