Generalprobe: "König Lear" am Schauspiel Stuttgart Riesiges Interesse an Peymanns Inszenierung

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Kulturthema am 22.2.2018 von Karin Gramling

Mit Shakespeares "König Lear" kehrt Claus Peymann an das Stuttgarter Schauspielhaus zurück, das er vor 40 Jahren zu einer der ersten Adressen der Republik machte. Das Stuttgarter Publikum hat das nicht vergessen, das Interesse an der Inszenierung ist riesig. Karin Gramling über die öffentliche Generalprobe zu Peymanns "König Lear".

Ansprache für die die treuen Fans

Kurz bevor es losgeht, taucht er noch einmal vor der Bühne auf: der 80jährige Claus Peymann wendet sich an das Stuttgarter Theaterpublikum, in dem viele seiner alten Fans sitzen – mit hohen Erwartungen: "Ich freue mich wirklich aufrichtig, für sie und für uns, weil es schön ist zurückzukehren, wenn auch ein gefährliches Gebiet, das ist die Lage. Vielen Dank, viel Glück, viel Spaß!"

Mit dem "Nichts" der Lieblingstocher nimmt die Tragödie ihren Lauf

Die Bühne – ein quadratischer schwarzer Raum. Hinten tauchen langsam die Schauspieler aus dem Dunkeln auf. König Lear, im weißen Smoking, seine Töchter und ihre Ehemänner. Der alte König will zurücktreten und möchte sein Reich gerecht unter seinen drei Töchtern aufteilen. Doch vorher muss er wissen, ob seine Lieblingstochter Cordelia ihn am meisten liebt: „Was sagst du, damit du das schönste Drittel kriegst, schöner noch als das Deiner Schwestern. Doch Cordelia verweigert sich dem rhetorischen Wettbewerb und sagt: "Nichts! Ich bin nicht so geschickt, wie meine Schwestern. Mit diesem "Nichts" nimmt die Tragödie ihren Lauf.

Reflektion über den Abschied von der Macht

Der 80jährige Martin Schwab, ein alter Stuttgarter Weggefährte Peymanns, spielt den Lear. Die Eitelkeit macht den König blind für die echte Zuneigung, die ihm seine jüngste Tochter Cordelia entgegenbringt. Er verstößt sie und teilt sein Reich unter den zwei älteren Schwestern auf. Damit gibt er seine Macht ab und liefert sich ihnen aus. Bald jagen sie ihn davon. Aus Schmerz, Trauer und Wut verfällt er dem Wahnsinn. Für Claus Peymann ist das Shakespeare-Stück aktueller denn je, für den 80-jährigen geht es um den Abschied von der Macht, um Verblendung, Erkenntnisprozesse und die "Fähigkeit zu erkennen, was der Mensch ist.“

Claus Peymann über seinen "König Lear" am Schauspiel Stuttgart:

Brutal und blutrünstig - Inszenierung nah am Original

Peymann und sein Team bleiben nah am Original. Das Bühnenbild ist reduziert, die abgelegte Krone Lears hängt mitten im Raum an einem Fleischerhaken. Und wenn es stürmt, kommt feinster Sprühregen von oben - von einer Windmaschine bis ins Publikum getrieben. Die Übersetzung Shakespeares ist leicht angepasst an die heutige Sprache. Brutal und blutrünstig geht es zu, wenn einem Getreuen Lears die Augen aus dem Kopf gequetscht werden. Theaterblut fließt in Strömen. Tragikomisch wird es, wenn der Narr seinem König die Leviten liest: "Kennst du den Unterschied zwischen einem bitteren und einem süßen Narren? ... Der bittere und der süße Narr zeigen sich dir sofort. Der einen steckt im bunten Wams, den anderen siehst du dort."

Begeisterung beim Publikum der Generalprobe

Mehr als drei Stunden dauert Peymanns König Lear, dieses düstere Drama menschlicher Abgründe. Die Zuschauer sind von der Generalprobe fast alle begeistert:
"Sehr spannend, sehr kräftig. Ein bisschen zu bombastisch zu gewaltig. Gänsehauteindrücke, es ist Höchstleistung, es ist Peymann, der alle Register zieht. Ich bin total fasziniert und beinahe kaputt vor Begeisterung. Es sieht also ganz danach aus, als ob Claus Peymann mit seinem Team, der Premiere getrost entgegen schauen kann.

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