Bühne

„Outside“ von Kirill Serebrennikow an der Schaubühne

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An der Berliner Schaubühne ist im Rahmen des „Festivals internationale Neue Dramatik“ Serebrennikows Arbeit „Outside“ als Gastspiel aus Moskau zu sehen. „Outside“ ist ein Requiem für den bewunderten Künstler-Kollegen Ren Hang, der sich 2017 das Leben nahm.

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Ren Hang litt an Depressionen, doch seine Kunst war heiter und voll von skurriler Schönheit

48 Stunden. Zwei Tage vor dem Treffen mit Kirill Serebrennikow hat sich Ren Hang umgebracht. Aus dem Fenster gestürzt. Mit nur 29 Jahren. Der chinesische Fotograf litt an Depressionen.

In seinen weniger bekannten Gedichten hat er davon erzählt. Auch von großer Einsamkeit, von Sex, Liebe und dem Tod. Ein Samenkorn wolle er sein, kaum geboren, schon wieder unter der Erde - heißt es in einem seiner Verse.

So finster funkelnd - und bald schaurig wahr - solche Zeilen, so heiter hell und voll skurriler Schönheit sind seine Fotos. Darauf zu sehen immer nackte Körper, Gliedmaßen und Geschlechtsteile. Kunstvoll arrangiert, lustvoll zelebriert und humorvoll garniert. Mit viel floralem Beiwerk oder auch Schwänen, Tauben, Tintenfischen.

Serebrennikow würdigt Hang in oppulenten Bildern

Ren Hang hat in seiner Pekinger Wohnung mit viel Blitzlicht und poetischem Blick fotografiert und seine Bilder dann im Internet präsentiert. Kirill Serebrennikow war fasziniert von dieser Kunst wollte mit Ren Hang zusammenarbeiten. Doch dazu kam es nicht mehr. 2017 stürzte sich der Fotograf aus dem Fenster.

Der Abend „Outside“ ist ein Requiem für den bewunderten Künstler-Kollegen. Eine weihevolle, sinnliche, in oppulenten Bildern schwelgende Würdigung Ren Hangs.

Hang wurde wegen seiner lässigen Darstellung nackter Körper mehrfach festgenommen

Immer wieder treten aber auch Serebrennikow und Hang selber auf. Ersterer spiegelt sein eigenes Leben im Moskauer Hausarrest, in dem er das Stück 2017 schrieb, im Dasein des fernen Freundes in dessen bedrohter Existenz in Peking.

Wegen der erotisch verspielten, lässigen Darstellung nackter Körper auf seinen Fotos, die er im Internet veröffentlichte, wurde Hang mehrmals festgenommen. Und wie auch Serebrennikow verhört und verhöhnt von der Staatsmacht.

Von ihm zum Kampf gegen das autokratische Regime, zu Widerstand oder gar Weggang aufgerufen weigerte sich Ren Hang aber und erwiderte er fühle sich wohl in China und lebe dort gern mit und in seiner Kunst. Hang berichtet auf der Bühne aber auch, dass seine Mutter nichts wusste von der Künstlerexistenz ihres Sohnes. Ihr erzählte er, jeden Tag in ein Büro arbeiten zu gehen.

Das Berliner Publikum ist begeistert

Begleitet von exzellenten Musiker*innen singen, spielen und tanzen die Darsteller*innen sich durch die fantasievollen, bilderstarken Szenen. Ob in der Wohnung des Fotografen, dem Darkroom einer Technodisko, in einem Wald oder auf einem Rummelplatz.

In Windeseile bauen die Schauspieler selbst die immer neuen Kulissen auf. Erzählen darin von Leben und Schaffen zweier seelenverwandter Künstler. Streifen ihre Themen: Sexualität, Selbstbehauptung, unbeugsamer Freiheitswille. Treffen ihren Humor, ihre Phantasie und Poesie auf den Punkt. Was für ein Ensemble! Gefeiert vom Berliner Publikum.

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