Theater

Nibelungenfestpiele Worms: Bühne ist spektakulär, aber nicht umweltfreundlich

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AUTOR/IN
Mareike Gries

Höher, schneller, nasser – unter diesem Motto könnte das Bühnenbild für das Stück „hildensaga. ein königinnendrama“ bei den Nibelungenfestspielen 2022 zusammengefasst werden. Der Däne Palle Steen Christensen hat diese Kulisse entworfen – eine gigantische Wasserlandschaft, für die die Schauspieler teilweise sogar Tauchunterricht nehmen mussten. Das ist beeindruckend, aber in Zeiten knapper Ressourcen auch bedenklich. Den Veranstaltern ist das Problem bewusst. Sie versuchen, den Energiebedarf so gering wie möglich zu halten.

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Ein Pool als heimlicher Star der Inszenierung?

20 mal 12 Meter wird das Wasserbecken vor dem Wormser Dom groß sein. Es nimmt damit fast die komplette Bühne ein, auf der das Stück „Hildensaga. Ein Königinnendrama“ gespielt wird. Die Wassertiefe variiert von 10 Zentimetern bis zu 1 Meter 50.

Benötigt werden dafür insgesamt rund 115.000 Liter Wasser. Erdacht hat dieses pompöse Bühnenbild der Däne Palle Steen Christensen. Das Bassin könnte ein heimlicher Star der Inszenierung werden, sagt der technische Leiter Sebastian Bolz: „Der Pool wird eher sowas wie der Co-Hauptdarsteller, weil natürlich eindeutig mit der Magie dieses Wasser gespielt werden soll und das ist so konzipiert, dass Überraschungen für die Zuschauerinnen hier überall passieren können.“

Einige Schauspieler*innen mussten Tauchkurse absolvieren

Wassereffekte, bewegliche Stege, aufwändige Beleuchtung – all das lässt die Poollandschaft immer wieder anders aussehen. Den Schauspielerinnen und Schauspielern verlangt dieses Bühnenbild viel ab. Einige haben dafür extra einen Tauchkurs absolviert, sagt Festspiel-Geschäftsführer Sascha Kaiser.

Dass diese opulente Wasserlandschaft in Zeiten knapper Ressourcen bei manch einem für Unverständnis sorgen könnte, ist den Festivalmachern bewusst, sagt Sprecherin Iris Kühn. „Es gab die künstlerische Idee mit dieser Wasserlandschaft und dann wurde überlegt, wie man das so ressourcenschonend und energiesparend wie möglich umsetzen kann. Das sind Aspekte, an die wir immer denken, die immer mit einfließen in unsere Überlegungen. Aber ob wir uns jetzt heute anders entscheiden würden – ist ganz spekulativ, ist natürlich schwierig.“

Eine Entwicklung, die man hinterfragen muss

Ursprünglich sollte das Stück „Hildensaga“ von Autor Ferdinand Schmalz schon 2020 uraufgeführt werden. Dann kam Corona. Das Bühnenbild wurde lange davor entwickelt. Zu einer Zeit also, als die Ressourcenknappheit noch nicht greifbar war.

Die Proben finden in Taucheranzügen statt, damit das Wasser in der Probenphase kühl bleiben kann, ohne dass die Schauspieler*innen sich erkälten. Nur einer der vielen kleinen Tricks, die in Worms unternommen wurden, um das spektakuläre Bühnenbild möglichst umweltfreundlich zu nutzen.

Der wichtigste Punkt dabei ist, dass die 115.000 Liter Wasser während der gesamten Festspiele Dank Pumpen und Chlor nicht erneuert werden müssen. In den vergangenen Jahren wurden die Wormser Kulissen von Jahr zu Jahr pompöser. Eine Entwicklung, die man aus heutiger Sicht unbedingt hinterfragen muss.

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