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Der Musikkabarettist Lars Reichow geht mit seinem neuen Programm „Ich“ auf Tour. In neuen Liedern und Stand-Up-Nummern nimmt er den Narzissmus der jüngeren Generation und von Machthabern wie Donald Trump aufs Korn. Das ist solide Unterhaltung, große Überraschungen bleibt er dem Publikum allerdings schuldig.

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„Jeder denkt erstmal an sich, und dann kommt lange nichts. Ich bin auch neulich aufgewacht, schaute so in den Spiegel und dachte: Wow, Lars, in diesem Licht siehst du wirklich klasse aus. Und ich hatte es noch gar nicht angemacht.“

Lars Reichow

Lars Reichow ist in die Jahre gekommen

In Liedern und Stand Up-Einlagen beschreibt Lars Reichow in seiner neuen Bühnenshow „Ich“ den in vielen Lebensbereichen zunehmend um sich greifenden Narzissmus. Er besingt und beschreibt selbstironisch seinen eigenen Egoismus und persifliert die überzogene Anspruchshaltung, mit der viele in Dating-Apps wie Tinder operieren.

An manchen Stellen im Programm wirkt Lars Reichow wie ein in die Jahre gekommener Mann, der das macht, was alte Menschen zu allen Zeiten getan haben: Er beschwert sich über den Sittenverfall bei der jungen Generation.

Pointen sind vorhersehbar

Lars Reichow verarbeitet dabei ausführlich seinen Ehealltag und er beobachtet das politische Weltgeschehen. Auch hier gibt es viel zu schimpfen. Verschrobene Hygiene-Demonstranten, fiese Machthaber wie Putin oder Lukaschenkow, natürlich bekommen auch Donald Trump und sein kleiner Bruder im Geiste Boris Johnson ihr Fett weg.

Inhaltlich hat Lars Reichow wahrscheinlich meistens recht und bei der Präsentation seiner Ansichten des Weltgeschehens kann er sich dem Applaus seines Publikums stets sicher sein. Leider sind die Pointen oft genauso vorhersehbar.

Wir erleben wahrlich verrückte Zeiten: Man möchte dem amerikanischen Präsidenten ein wenig die politische Weitsicht eines Lars Reichow wünschen. Umgekehrt würde dem Kabarettisten eine kleine Scheibe vom Unterhaltungsfaktor eines Donald Trump gut tun.

Die Rap-Einlage überzeugt

Musikalisch erschließt sich Lars Reichow am Keyboard Raum für Experimente. In seinem Song „America“ collagiert Reichow mit seiner eigenen Stimme Zitate aus der amerikanischen Geschichte.

Reichow singt über die Geschichte des 20. Jahrhunderts und rappt über die jüngere Geschichte. Das funktioniert überraschend gut und versöhnt am Ende mit einem Kabarett-Programm, das insgesamt ein paar mehr Überraschungsmomente gut vertragen hätte.

Lars Reichow tourt mit seiner Bühnenshow „Ich“ noch bis Ende 2021 durch Deutschland. Der nächste Termin ist am 30.10. in Aschaffenburg.

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SWR2 Spätvorstellung SWR2

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