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Nachdem die Kritik am Führungsstil von Peter Spuhler am Staatstheater immer lauter geworden, hat sich der Generalintendant am 8. Juli im Rahmen einer Personalvollversammlung bei der Belegschaft entschuldigt.

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Theresia Bauer: „Nachprüfbare Fakten“ und konstruktiver „Zukunftsprozess“

Zuvor hatte Kunstministerin Theresia Bauer in SWR2 zum Streit um den Generalintendanten Stellung genommen. Die heftige Kritik habe sie überrascht, sagte Bauer in SWR2 zum Streit um den Generalintendanten am Badischen Staatstheater in Karlsruhe.

Allerdings sei auch die Anfangsphase mit Spuhler schwierig gewesen, räumt die Ministerin ein und erklärt zu Spuhlers Führungsstil: „Wir hatten schon früh eine Debatte über Leistungsdruck und Überstunden – von daher ein Dauerthema.“

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Es geht um nichts Geringeres als um die Zukunft des Badischen Staatstheaters, das ist der Ministerin und dem Oberbürgermeister anscheinend klar geworden. An dieser Zukunft sollen Vertreterinnen und Vertreter aus allen Bereichen des Badischen Staatstheaters, aber auch aus der Politik zusammenarbeiten, hieß es zunächst in einer Stellungnahme gegenüber SWR2. „Es hilft nur eins: Klarheit und Transparenz herstellen. Ich bitte alle, die womöglich schlechte Erfahrungen gemacht haben, an einer konstruktiven Lösung mitzuarbeiten.“

In welcher Form dieser „Zukunftsprozess“ vonstattengehen soll, war in dem Schreiben allerdings noch nicht ausformuliert. Im Gespräch mit SWR2 verlangte Bauer zunächst gründliche Aufklärung in der Sache. „Nachprüfbare Fakten“ müssten zunächst auf den Tisch. Zuvor sei sie nicht bereit, über weitere Konsequenzen nachzudenken.

„Vertrauensanwalt“ als Anlaufstelle: Keine Vorwürfe „aus der Anonymität“

Ein wichtiger Baustein könnte ein sogenannter „Vertrauensanwalt“ sein, der als unabhängige*r Ansprechpartner*in eingesetzt werden solle, um Vorwürfe entgegen zu nehmen und zu verifizieren. Das müsse eine externe Person mit juristischer Expertise sein, mit der Betroffene offen reden könnten. Dafür, so Bauer, müssten sie sich aber „aus der Anonymität herausbewegen“.

Mehrfach wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass in Zukunft darauf zu achten sei, dass die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten gewahrt bleiben und die Verschwiegenheitspflicht eingehalten werde. Anscheinend will man vermeiden, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie bisher oft geschehen, nicht trauen, sich aus Angst vor beruflichn Konsequenzen mit ihren Problemen bei den Verantwortlichen zu melden.

Theaterleitung soll Stellung beziehen

Die Kunstministerin und der Karlsruher Oberbürgermeister betonen wohl auch deswegen gleich zu Beginn des Schreibens:

„Die neu und erstmals aufgeworfenen Sachverhalte im Offenen Brief des Personalrats zur internen Situation am Badischen Staatstheater nehmen wir ernst und werden uns damit auseinandersetzen.“

Stellungnahme von Kunstministerin und Karlsruher Oberbürgermeister

Die Theaterleitung wird dabei dezidiert aufgefordert zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen.

Öffentliche Debatte habe teilweise „Kampagnencharakter“

Die beiden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Theresia Bauer und Frank Mentrup kritisieren allerdings, dass die Debatte über die Vorwürfe gegen den Generalintendanten Peter Spuhler öffentlich geführt wird. Teilweise habe das „Kampagnencharakter“ – was Vertrauen zerstöre und eine konstruktive Lösung erschwere. Alle Beteiligten seien nun dazu aufgerufen, ein „Klima des Miteinanders“ und „des konstruktiven Streits“ zu stärken.

Ministerin und Oberbürgermeister betonen außerdem, wie wichtig ihnen „Führungskultur und entsprechendes Führungsverhalten“ sei. Nicht nur bei der Auswahl von Führungspersönlichkeiten hätten sie als Träger*in deswegen besondere Verantwortung, sondern auch im weiteren Verlauf der Amtsausführung.

Mitarbeiter*innen sollen mit ins Boot

Zu den weiteren Schritten heißt es: Auf der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats am 17. Juli soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Und danach wollen die beiden Vorsitzenden, also die Ministerin und der Karlsruher Oberbürgermeister, möglichst schnell an einer Personalversammlung im Badischen Staatstheater teilnehmen, um mit allen am Haus ins Gespräch zu kommen.

Abschließend fordern Theresia Bauer und Frank Mentrup in ihrem Schreiben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters auf, mit ihnen und dem Verwaltungsrat gemeinsam an der Aufarbeitung und Beseitigung von Missständen zu arbeiten.

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