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Digitale Formate sind für die Bühnen in ganz Deutschland nach mehr als einem Jahr Pandemie alltäglich geworden. Das zeigt sich auch beim Heidelberger Stückemarkt, der eigens die Rubrik „Netzmarkt“ eingeführt hat. Die ausgewählten Gastspiele sollen zeigen: digitales Theater ist nicht nur die Krücke, mit der Schauspiel und Regie in Richtung Normalität humpeln – digitales Theater will eine eigene Kunstform sein. Und vor allem bleiben.

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Auch für das Theater im Lockdown ist die Digitalität der einzige Weg nach draußen

„Wir wollen gar nicht zurück ins normale Leben, denn genau dieses normale Leben war das Problem“, sagt die Erzählerin in „a room of our own“, einer nachdenklichen Reflexion über die Möglichkeiten des Theaters in der Pandemie. Der Sound dieses 35-minütigen Kurzfilms in der neuen Rubrik Netzmarkt beim Heidelberger Stückemarkt sei extra für den Kopfhörer produziert, sagt Lea Göbel, die für die Reihe zuständig ist.

„Vorstellung für Browser:in und variables Publikum“ heißt der Untertitel zum Film des Berliner Performance-Kollektivs. „A room of her own“ – der Name des Stücks spielt auf das gleichnamige Buch von Virginia Woolf an und ihr Zitat demzufolge eine schreibende Frau Geld und ein Zimmer für sich allein brauche. Das Woolf-Zitat passt aber auch als Metapher für die Theaterwelt im Dauer-Lockdown –wenn die Türen geschlossen bleiben müssen, ist die Digitalität die einzige Weg nach draußen.

Nach dem Livestream geht es bei Instagram interaktiv weiter

Genau das will der Heidelberger Stückemarkt in diesem Jahr durch den „Netzmarkt“ abbilden, eine neue Kategorie, sagt Lea Goebel: „Wenn man auf das letzte Jahr zurückschaut, dann muss man sagen: es gab einige analoge Premieren, aber es gab auch viele digitale Produktionen. Um das abzubilden bei so einem Festival, finde ich das eine ganz schöne neue Rubrik, um zu fragen: Wie können wir die digitalen Produktionen in einem gleichberechtigten Format zeigen wie analoge Premieren?“

Ein großes Thema bei den Produktionen, die von Anfang an als digitale Formate gedacht waren, ist Interaktivität. Wenn Social Media auf einmal eine Erweiterung der Aufführung wird – wie in dem Stück werther.live, in dem Biografien im Livestream weiter erzählt werden und man vor oder nach der Vorstellung mit ihnen bei Instagram in Interaktion treten kann.

Nach der Pandemie werden die digitalen Spielpläne wohl wieder reduziert

Ein Jahr Pandemie hat das Theater stark verändert, manche Bühnen arbeiten nun mit 3D-Artists zusammen, mit Programmierer*innen und IT-Spezialist*innen. Für Lea Goebel sollte digitales Theater kein Ersatz sein, sondern gleichberechtigt zu den anderen Sparten. Aber auch sie geht davon aus, dass nach dem Ende der Pandemie zunächst das analoge Theater wieder mehr Raum einnehmen wird: „Ich bin mir sicher, dass der Backlash kommen wird.“ In dem Moment, in dem die analogen Türen wieder aufgingen, würden die digitalen Spielpläne reduziert werden, glaubt sie.

Immerhin: Reduzieren heißt auch für Lea Goebel nicht verschwinden. Ähnlich wie das Home Office wird das digitale Theater weiter präsent sein. Als Erweiterung der analogen Bühne allemal.

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