Musikthema

Musiktheater aus der JVA: „Himmel über Adelsheim – Eine Beethoven RAPsody“

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AUTOR/IN
Helga Spannhake

Seit Monaten wird hinter den Mauern der JVA Adelsheim geprobt: „Himmel über Adelsheim – Eine Beethoven RAPsody“. Das Musiktheaterstück vereint Klassik, Rap und jugendliche Straftäter mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter der musikalischen Leitung von Viktoriia Vitrenko.

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Keine gewöhnliche Probe

Der Probenraum wirkt nüchtern, aber normal – einzig, dass er abgeschlossen und nur mit entsprechendem Dienstschlüssel zu öffnen ist, zeigt, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Probe handelt. Die Jungs, die da miteinander singen, rappen und auch herumalbern, sind alle Insassen der JVA Adelsheim.

„Man merkt eigentlich in jeder Probe, wie dankbar die Jungs sind, dass es solche Projekte gibt und wie sie aus sich rauskommen und man merkt wirklich, was die Jungs auch draufhaben.“ Tamara Scherer arbeitet als Freizeitpädagogin im Jugendgefängnis – im Vollzug ist jede Minute durchgetaktet. Während der Proben dagegen herrscht eine lockere Atmosphäre.

Die Alltagsprobleme des Gefängnisses vergessen

„Immer wenn ich Musik mache, denke ich, ich bin in einer anderen Welt und das macht mir halt sehr viel Spaß. Weil eigentlich habe ich auch ein kleines Stotterproblem, aber immer wenn ich anfange zu singen, dann ist es wie weg und deswegen ist es genau mein Ding.“

Karim hat auch schon zwei Jahre in der JVA hinter sich und sich sehr früh für das Musikprojekt angemeldet, denn Musik und Singen motivieren ihn:

„Viele Proben sind auch generell gut, weil erstmal sind wir aus der Zelle weg. Diese Alltagsprobleme vom Gefängnis blendet man aus und zweitens das mit dem ganzen Paket mit dem vielen Lernen das macht einen freien Kopf. Man fühlt sich dann ein bisschen menschlich, so mit normalen Menschen zusammenzuarbeiten, zu tanzen und alles.“

Auch Lieder von Beethoven wurden einstudiert 

Viktoriia Vitrenko sitzt an ihrem Keyboard, die Jugendlichen auf Stühlen vor ihr im Halbkreis:

„Für alle war das Projekt sehr inspirierend. Inspiration ist das Schlüsselwort für das ganze Projekt. Ich erinnere mich, als das alles angefangen ist, so vor einem halben Jahr, sie wissen gar nicht, was das Chor überhaupt ist und dass man chorisch, also a cappella und in unisono miteinander singen kann.“

Gemeinsam haben sie Beethoven Lieder einstudiert, aber vor allem eigene Texte zu Themen wie Freiheit, Sehnsucht, Enttäuschung und Diskriminierung verfasst.

Therapeutische Wirkung der Musik

Beim Zuhören und während der Gespräche entsteht der Eindruck, dass die Musik in diesem Projekt auch therapeutisch wirkt, die guten Seiten der jungen Straftäter zum Vorschein bringt und Projektleiterin Katharina Gerhard vom Stuttgarter Kammerorchester war erstaunt vom Reichtum an Kreativität:

„Wir haben gesagt, wir haben nicht ein fertiges Stück mitgebracht. Wir möchten das zusammen mit euch machen und das hat so eine Arbeitsatmosphäre geschaffen, dass ganz viel Input von den Jugendlichen kam.“

Meine kleinen Schätze — Geschichten von Migration Viktoriia Vitrenko: Kaffeebohnen und ein Buch zur Geschichte der Ukraine

Viktoriia Vitrenko ist eine vielseitige Sängerin, Dirigentin und Kulturaktivistin. Nachdem sie Dirigieren an der National Musikakademie der Ukraine studiert hatte, zog sie 2015 nach Stuttgart, um hier ihre Ausbildung in Chordirigieren und Gesang zu vertiefen. Ihre „kleinen Schätze“ sind ein historisches Buch über die Ukraine sowie Kaffeebohnen, deren Duft sie an ihre Verbindung mit Deutschland erinnert.  mehr...

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Helga Spannhake