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Svenja Viola Bungarten und Malte Abraham machen einen bis heute unaufgeklärten Mord an einem Koblenzer Obdachlosen zum Ausgangspunkt für ihr neues Theaterstück: Sie erinnern mit ihm an die jährlich bis zu 70 Morde an Wohnungslosen im Land.

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Es handelt sich nicht um ein Recherchetheaterstück

Am Anfang spricht die Stadtgesellschaft. Drei Frauen und drei Männer stehen für die Mittelschicht. Sie haben Abstiegsängste. Der Mord an einem Wohnungslosen auf dem Koblenzer Hauptfriedhof vor drei Jahren ist bis heute nicht aufgeklärt.

Es traf einen aus ihren Reihen, einen ehemaligen Ladeninhaber, einen Bilderrahmenbauer. Doch Svenja Viola Bungarten und Malte Abraham haben kein Recherchetheaterstück geschrieben. Kein Kommissar geht um, es werden auch keine Tatortbilder gezeigt.

Beide wollen abstrahieren vom konkreten Koblenzer Mordfall. In die Gedächtnisprotokolle von Zeugen sickern die Abstiegsängste hinein.

Keine Gruppe in Deutschland ist so von Mord bedroht wie die Obdachlosen

Aus Malte Abrahams Heimatstadt Hamburg kommen die Namen der Figuren: „Hinz und Kunzt“ heißt ja Deutschlands größtes Straßenmagazin, das in Hamburg seit 1993 von Obdachlosen vertrieben wird. In Deutschland ist keine Gruppe so sehr von Mord bedroht wie sie – bis zu 70 jedes Jahr.

Das soll stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein. Gespielt wird auf der Koblenzer Bühne alles hinter einer hohen durchsichtigen Plastikplane. Man blickt ständig wie in eine Schneekugel hinein.

Das ist schlüssig und sorgt mit für das Gelingen dieses Theaterabends. Es schafft eben die Distanz, die Bungarten und Abraham ja beklagen beim Umgang mit den vielen Morden an Obdachlosen.

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