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Milan Peschel als „Text-DJ“ - "Kitschgarten" ein Tschechow-Abend am Theater Heidelberg

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Ursprünglich wollte Milan Peschel in Heidelberg Tschechows Komödie „Der Kirschgarten“ inszenieren. Doch dann kam Corona und der Berliner Schauspieler und Regisseur hatte Zeit, sich intensiv auch mit anderen Texten des russischen Schriftstellers zu beschäftigen.

Als Peschel bemerkte, wie sich bestimmte Themen, Motive und Figurenkonstellationen durch Tschechows ganzes Werk ziehen, entstand die Idee zu einer Text-Collage - mit Zitaten und Bezügen zu den Originalwerken, aber auch mit vielen neuen Texten, die Milan Peschel in Zusammenarbeit mit den Heidelberg Schauspieler*innen selbst geschrieben hat und die aus dem Heute heraus an Tschechows Kosmos anknüpfen.

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Kitschgarten (Foto: Pressestelle, Susanne Reichardt )
Szenenbild mit Esra Schreier Pressestelle Susanne Reichardt

Gute alte Bekannte aus Tschechows Dramen und Erzählungen tauchen auf

Nach und nach greifen die Schauspielerinnen und Schauspieler in einen großen Kronleuchter, halten sich daran fest und schweben über die Bühne. Gute alte Bekannte aus Tschechows Dramen und Erzählungen tauchen an diesem Abend auf. Plaudern, trinken und streiten miteinander. Milan Peschel bedient sich ganz ungeniert in Tschechows Texten.

Themen wie Lebensträume, Familienbande, Besitz, Geld - und Arbeit spielen dabei eine Rolle. Von letzterer halten die meisten tschechowschen Protagonisten bekanntermaßen nicht viel, bzw. sie können sich den Luxus leisten, andere für sich arbeiten zu lassen. Was natürlich nicht heißt, dass man dazu keine dezidierte Meinung hätte und sie - zumindest theoretisch - für sehr wichtig hält.

Kitschgarten (Foto: Pressestelle, Susanne Reichardt )
Szenenbild v.l.n.r.: Roland Bayer, Christina Rubruck und Andreas Seifert. Pressestelle Susanne Reichardt

Die Auseinandersetzung mit Tschechows Texten hat sichtlich Spaß gemacht

Und hier knüpfen Milan Peschel und sein Schauspielensemble mit ihren eigenen Texten an: Sie diskutieren über gender pay gap, Elternzeit, berichten vom Berufsalltag als Schauspieler und Schauspielerinnen.

Dabei sind diese Episoden nicht unbedingt an eine bestimmte Person gebunden. Immer wieder brechen die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Rollen auf. Sprechen sich gegenseitig mit diesen klingenden, langen russischen Namen an – mal als Mann, mal als Frau – oder auch mal als Hund.

Kitschgarten (Foto: Pressestelle, Susanne Reichardt )
Szenenbild v.l.n.r.: Katharina Quast, Lisa Förster, Christina Rubruck und Esra Schreier. Pressestelle Susanne Reichardt

Wer sich gut in Tschechows Werk auskennt, wird in dieser Produktion immer wieder Zitate, Bezüge und Anspielungen entdecken. Die intensive Auseinandersetzung mit diesen berühmten Texten der Weltliteratur hat Milan Peschel sichtlich Spaß gemacht und er hat mit dieser Begeisterung anscheinend auch das Heidelberger Schauspielensemble angesteckt.

Während der Probenzeit habe sich der Text ständig verändert und weiterentwickelt, erklärt der Regisseur. Das Arbeiten im Kollektiv sei eine tolle, gemeinsame Erfahrung gewesen.

Kitschgarten - der Film!

Einen guten Eindruck davon gibt der Film, den Milan Peschel über die Produktion von „Kitschgarten“ während der Probezeit gedreht hat. Zu sehen auf der Internetseite des Theaters Heidelberg: Kitschgarten - Der Film

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