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Michael Sommer mit "Gehst Du Goethe?" Playmobil-Klassiker der Literatur in Heidelberg

Von Eberhard Reuß

Sein Playmobil-Theater hat Michael Sommer berühmt gemacht. Seit acht Jahren spielt der Ulmer Theaterdramaturg Klassiker der Weltliteratur. Sein YouTube-Kanal wurde 2018 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet. Mit seinem Live-Programm „Gehst Du Goethe?!“ war er jetzt in der Stadtbücherei Heidelberg zu Besuch.

Idee zum ersten Playmobilfilm nach trockener Inszenierung

Auf die Idee, Kurzvideos von literarischen Klassikern mit Playmobilfiguren zu produzieren, kam Michael Sommer als Dramaturg am Theater Ulm. Dort gab er 2013 eine Einführung zu einer Inszenierung von „Dantons Tod“.

„Der Regisseur hatte sich entschieden, ohne Handlung auszukommen“, erinnert sich Sommer. „Da wollte ich wenigstens das Publikum wissen lassen, was sie verpassten. Und deswegen spielte ich bei einer Einführung die Handlung mit meinen Playmobilfreunden nach. Und da es aufgenommen wurde, habe ich es dann auf YouTube gestellt.“

Sabine Mahr über das Playmobil-Theater von Michael Sommer


Seit drei Jahren wöchentlich ein neues Video

So begann ein enormer Erfolg. Deshalb veröffentlicht Michael Sommer seit mehr als drei Jahren nun wöchentlich ein neues Video. Fast 200 sind es bereits, einige sogar in englischer Übersetzung. Mittlerweile begrüßt der Dramaturg seine Fans auf seinem eigenen Youtube-Kanal: „Sommers Weltliteratur to-go“.



Bunte Bilder in der Großhirnrinde einbrennen

Michael Sommer: „Wenn wir Literatur für die Schule brauchen oder um beim nächsten Date angeben zu können oder um einen Geschäftspartner übers Ohr zu hauen, dann brauchen wir eine knackige Kurzversion, die alles Wichtige enthält und sich mit bunten Bildern in unsere Großhirnrinde einbrennt. Das ist das bescheidene Ziel von Sommers Weltliteratur to go.“

In zehn Minuten Goethe, Schiller oder Shakespeare auf den Punkt bringen

Michael Sommers Küchenstudio-Ästhetik ist erfrischend. Mit Klopapierrollen bastelt er antike Tempel. Aus Papierbooten baut er Heldenschiffe, mit Edding skizziert er komplexe Stammbäume.

In rund zehn Minuten bringt Michael Sommer so nicht nur die Dramen von Goethe, Schiller und Shakespeare auf den Punkt, sondern auch zeitgenössische Romane von Bernhard Schlink, Peter Stamm oder Juli Zeh. Doch bei den Klassikern sind die verknappten Dialoge besonders effektvoll, etwa im Ehegespräch von Euripides „Medea“.



Manchmal zu flapsig - trotzdem eine schöne Theatervorbereitung

Manchmal wird es zu flapsig. Die Vergleiche zur Gegenwart hinken, und den Griff zum Original ersetzen die Videos nicht. Trotzdem: „Sommers Weltliteratur to go“ ist kreativ, kurzweilig, klug – schöner kann man sich auf den nächsten Theaterbesuch nicht vorbereiten.


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