Musical-Show "Beat It!" über das Leben von Michael Jackson Michael-Jackson-Musical ohne Magie

Von Christoph Möller

Gut neun Jahre nach dem Tod von Michael Jackson feiert in Berlin die Musical-Show "Beat It!" Premiere. Der Hype um den "King of Pop" scheint auch anlässlich seines 60. Geburtstags ungebrochen. Doch im Musical fehlen Jacksons magische Momente. Das routiniert heruntergespielte Pop-Oeuvre wirkt wie eine Spielerei von Musikmanagern.

Der Auftakt imitiert Jacksons Super-Bowl-Auftritt von 1993

Es beginnt pompös: „Beat It!“, das neue Musical über Michael Jackson, gestern im Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Zunächst minimale Rhythmik – und plötzlich springt ein Michael-Jackson-Klon mit krachendem Feuerwerk aus dem Bühnenboden auf die Bühne.

Der Auftakt, eine Kopie von Jacksons legendärem Super-Bowl-Auftritt 1993. Damals folgten auf den Sprung aus dem Bühnenboden die vielleicht längsten zwei Minuten der Popgeschichte. Jackson stand einfach da, wie ein Denkmal – und schwieg.

Michael Jackson 60 Stationen im Leben des King of Pop

Michael Jackson auf der Bühne (Foto: picture alliance -)
Am 29. August 2018 wäre er 60 Jahre alt geworden: Michael Joseph Jackson, der „King of Pop“. Wie kaum ein anderer hat er die Popmusik seit den 1980er-Jahren geprägt. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Seine ersten musikalischen Schritte macht der junge Michael Jackson mit gerade mal acht Jahren im Geschwister-Ensemble "Jackson-Five", deren größter Hit "ABC" zu den Klassikern der Popmusik zählt. Vater Joseph Jackson drillt die Brüder immer wieder zu Höchstleistungen und steht für seine strengen Methoden bis zuletzt in der Kritik. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Schon 1973 erreicht der 15-jährige Michael Jackson mit "Ben / You can cry on my shoulder" seinen ersten Nummer-1-Hit als Solokünstler in den US-Charts. Doch erst 1982 gelingt ihm der Aufstieg zum Weltstar mit dem Pop-Album „Thriller“, dem bis heute mit rund 65 Millionen Exemplaren meistverkauften Musikalbum der Welt. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Das Video zur gleichnamigen Single "Thriller" gilt als Meilenstein in der Geschichte der Musikvideos. Der rund 14-minütige Clip von Regisseur John Landis spielt mit Elementen des Horrorfilms. Michael Jackson selbst verwandelt sich darin in einen Werwolf und einen Zombie. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Bei den Grammy-Verleihungen 1984 ist Michael Jackson (im Bild mit Quincy Jones) mit Thriller für zwölf Preise nominiert und gewinnt insgesamt acht - bis heute Rekord. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Kurz nach Erscheinen des Thriller-Nachfolgers "Bad", der in 25 Ländern auf Platz 1 der Charts einsteigt, geht Michael Jackson erstmals auf eine Solo-Welttournee. Ausgefallene Outfits und sein Ausnahmetalent als Tänzer machen aus seinen Konzerten schillernde Shows. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Gerade auch sein eigenwilliger Tanzstil sorgt für Aufsehen. Tanzbewegungen wie der hier zu sehende „Lean“ oder der „Moonwalk“ sind Highlights seiner Shows und bis heute untrennbar mit dem Namen Michael Jackson verbunden. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
1994 heiratet der King of Pop die Tochter des King of Rock n' Roll: Michael Jacksons Ehe mit Elvis Presleys Tochter Lisa Marie hält nur zwei Jahre und bleibt kinderlos. Die Presse wittert eine inszenierte PR-Kampagne. Sie habe ihre Beziehung zu Michael selbst lange nicht verstanden, erklärt Lisa Marie Presley 2015 in einem Gespräch mit Oprah Winfrey. Aus Jacksons späterer Ehe mit der Krankenschwester Deborah Rowe gehen die Kinder Prince Michael (1997) und Paris (1998) hervor. 2002 wird Prince Michael II. geboren, der von einer Leihmutter zur Welt gebracht wird. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Diese Szene auf seinem Deutschland-Besuch 2002 sorgt für Aufregung: Michael Jackson hält seinen neun Monate alten Sohn Prince Michael II. über die Brüstung seines Hotelzimmers im fünften Stock des Berliner Adlon-Hotels, um ihn seinen wartenden Fans zu zeigen. Fast entgleitet ihm das Kind. Von den Medien, aber auch von Freunden und vom britischen Kinderschutzbund NSPCC wird er dafür kritisiert. Er habe sich von der Aufregung hinreißen lassen, gibt er später in einer öffentlichen Entschuldigung an. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
1988 kauft Michael Jackson ein elf Quadratkilometer großes Anwesen in Kalifornien für 17 Millionen Dollar und tauft es in Anlehnung an Peter Pan "Neverland". Die Ranch wird zeitweise von über 50 Angestellten betrieben und hat unter anderem einen eigenen Freizeitpark, einen Zoo und ein Kino. Immer wieder lädt Jackson arme oder kranke Kinder ein. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Angeblich will Jackson auf Neverland anderen Kindern die Kindheit schenken, die er selbst nie gehabt hat. Doch seine Nähe zu Kindern wird zunehmend kritisch gesehen. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Zweimal muss sich Michael Jackson vor Gericht wegen Missbrauchsvorwürfen an Kindern rechtfertigen. Ein Gerichtsverfahren zu Beginn der 90er Jahre endet mit einem außergerichtlichen Vergleich. Als er 2003 wegen einem erneuten Vorwurf festgenommen wird, entsteht dieses berühmte Polizeifoto („Mugshot“). 2005 wird Jackson von allen Anklagepunkten freigesprochen. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Für viele Diskussionen in der Presse sorgt auch Jacksons Äußeres. Schönheits-Operationen im Gesicht verändern sein Aussehen so stark, dass Jackson in den 1990er-Jahren kaum noch seinem jüngeren Ich ähnelt. Auch seine immer heller werdende Hautfarbe sorgt für den Vorwurf, er schäme sich für seinen schwarze Haut und lasse sie bleichen. Seine Erklärungen, dass er unter der Hautkrankheit Vitiligo leidet, werden bezweifelt. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Handschuh und Hut gelten als Markenzeichen Jacksons. Später trägt er immer häufiger auch einen Mundschutz. Unklar bleibt, ob er sich damit aus hygienischen Gründen schützen oder ob er sich hinter der Maske vor der Öffentlichkeit verstecken will. Sammler freuen sich auf jeden Fall über seine Accessoires: Der Handschuh, den Michael Jackson 1983 bei seinem berühmten Moonwalk-Auftritt trägt, wird 2009 für 420.000 Dollar an einen chinesischen Geschäftsmann versteigert. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Michael Jackson hat immer wieder auch bildende Künstler inspiriert. Schon 1984 porträtiert Andy Warhol den Sänger. 1988 schafft der US-amerikanische Künstler Jeff Koons die Skulptur "Michael Jackson and Bubbles" (im Bild), die den King of Pop zusammen mit seinem Schimpansen zeigt. 2001 wird sie für 5,6 Millionen Dollar versteigert und ist zu diesem Zeitpunkt das wertvollste Kunstobjekt Koons. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Es soll sein großer Abschied von der Bühne sein - 2009 kündigt Michael Jackson eine Reihe von Konzerten in der Londoner O2-Arena an. 50 sind zuletzt aufgrund der großen Nachfrage geplant. Fotos von den Proben gehen um die Welt. Doch am 25. Juni, 19 Tage vor dem ersten Konzert, stirbt Michael Jackson an Herzversagen in Folge einer Überdosis des Narkotikums Propofol. Später wird sein Leibarzt, der ihm dieses und andere Medikamente verschrieben hat, wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Zum 60. Geburtstag startet in Berlin das Musical „Beat it!“ über das Leben von Michael Jackson. Nachrichten über Verschwörungstheorien („Lebt der King of Pop noch?“) oder Fälschungen einiger posthum veröffentlichter Songs von ihm machen Schlagzeilen. Neun Jahre nach seinem Tod ist Michael Jackson zur Legende geworden. picture alliance - Bild in Detailansicht öffnen

Ein Überforderungsmusical mit dem Best-of von Michael Jackson

In Berlin ist dafür keine Zeit. „Beat It!“ ist ein Überforderungsmusical zum 60. Geburtstag des Superstars, eine Aneinanderreihung seiner bekanntesten Songs.

Von den Brüchen in Michael Jacksons Biografie, etwa vom Vater, der ihn schlägt, oder von den Missbrauchsvorwürfen gegen ihn, wird nicht geredet. Das Musical zeigt eine heile Pop-Welt und Jackson als einzigartigen Entertainer.

Dantanio Goodman als Michael Jackson (Foto: COFO Entertainment - Foto: Andreas Friese)
Dantanio Goodman als Michael Jackson im Musical "Beat It!" COFO Entertainment - Foto: Andreas Friese

Michael Jacksons Selbstbefreiung wird rückgängig gemacht

„Beat It!“ erzählt die Geschichte Michael Jacksons als einzige Selbstermächtigung. Dabei war es erst sein Debütalbum „Off The Wall“, das ihn als freien, selbstbestimmten Musiker zeigte, als Erwachsenen, der sich von seinem Vater zu einem Produkt hatte machen lassen und sich jetzt davon befreite.

Ein routiniert heruntergespieltes Oeuvre

1979, als „Off The Wall” erschien, schrieb Jackson in einer Notiz: „Ich werde magisch sein. Ich werde ein Perfektionist sein, ein Forscher, ein Meister, ein Entertainer.”

Im Musical ist von diesem selbstbewussten Geist wenig zu spüren, Jacksons Oeuvre wird routiniert runtergespielt. Und vielleicht steht das Musical damit symbolisch für fast alle Stücke, die nach Jacksons Tod erschienen sind. Es scheint sich dabei eher um Spielereien irgendwelcher Musikmanager zu handeln als um veritable Kunst.

Dantanio Goodman und Koffi Missah (Foto: COFO Entertainment - Foto: Harald Fuhr)
Die beiden Michael Jackson-Darsteller Dantanio Goodman und Koffi Missah COFO Entertainment - Foto: Harald Fuhr

Der Tod als eines der besten Verkaufsargumente

Wie könnte es auch anders sein? Jackson hat Dinge getan, die Popfans den Atem stocken ließen: Der erste Moonwalk, 1983, machte ihn endgültig zur Pop-Ikone. Dazu sein exzentrisches Auftreten, die hohe Stimme. Ein musikalischer Superheld war auf der Erde gelandet.

Am 25. Juni 2009 ist dieser Superheld gestorben. Seitdem kann man beobachten, dass der Tod im Pop eines der besten Verkaufsargumente ist. Das Produkt Michael Jackson ist lebendig wie nie. Alleine 2017 machte es 75 Millionen Dollar.

Wie ein Geist aus einer vergangenen Zeit

Doch nur wenige Songs nach Jacksons Tod haben die Magie von einst einfangen können. Im Jahr seines 60. Geburtstag gibt es bislang gerade mal eine Veröffentlichung, die seinem Werk angemessen scheint: Eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Rapper Drake.

Darauf klingt der King of Pop wie ein Geist aus einer vergangenen Zeit, der noch mal kurz in die Gegenwart hinüberschaut, und dann aber auch wieder verschwindet – und es gut sein lässt.

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