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„Losing Earth“ – Eindrückliches Live-Hörspiel im Studio Theater Stuttgart

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„Losing Earth“ – die Erde verlieren. Mit diesem faktenreichen und beeindruckenden Live-Hörspiel geht es um das Versagen der Menschheit angesichts des Klimawandels. Besonders die Rolle der USA steht dabei im Blickpunkt. Das Stück läuft im Rahmen des Festivals KlimACT im Studio Theater Stuttgart. Gemeinsam den Klimawandel zu diskutieren und Konsequenzen zu ziehen, dafür sei das Theater ein geeigneter Ort, so die Veranstalter.

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Losing Earth - Live Hörspiel (Foto: Stephan Haase)
Im Bild - v.l.n.r.: Josephine Hochdruck, Janis Hanenberg und Judith Quast Stephan Haase

Schon in den 70er-Jahren wusste man vom Klimawandel

Neben Wassergläsern steht ein Mini-Ventilator, dazu alte Telefonapparate, Hupen und vieles mehr. Ein Globus schwebt über Schreibtischen mit Mikrofonen. Dahinter sitzen zwei junge Frauen und ein junger Mann und machen klar: Schon in den 70er Jahren befürchtete man, dass sich das Klima stark erwärmen könne.

In einem rasanten und faktenreichen Live-Hörspiel kommt der Essay von Nathaniel Rich im Studiotheater Stuttgart auf die Bühne. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der amerikanische Umweltlobbyist Rafe Pomerance und der Nasa-Forscher James Hansen. Ende der 70er-Jahre erkennen sie, dass sich der Klimawandel desaströs beschleunigt - mit verheerenden Folgen.

Losing Earth - Live Hörspiel (Foto: Stephan Haase)
Im Bild: Josephine Hochbruck und Judith Quast Stephan Haase

Sie versuchen gemeinsam dagegen anzugehen. Doch bei einer Anhörung, Anfang der 80er-Jahre vor dem amerikanischen Kongress, bedrängen Politikberater den Wissenschaftler Hansen. Er soll behaupten, die Ursachen des Klimawandels seien unbekannt.

 „Alles Einschränkungen, die mich wie einen Trottel aussehen lassen. Jim Hansen wurde aufgefordert, selber vom Kongress zu verlangen, nur solche Klimagesetze zu erwägen, die sofort der Wirtschaft zugutekämen. Und zwar ungeachtet aller Bedenken wegen eines wachsenden Treibhauseffekts.“

Hörspiel auf der Bühne mit selbstgebastelter Insel und Playmobilmännchen

Detailreich zeigt das von Regisseur Günter Maurer bearbeitete Stück, wie Ölkonzerne versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu diskreditieren. Wie sie mit Millionenbeträgen Gutachten bestellen, die den Klimawandel als Fake abtun. Wie die Politik auf den ersten Weltklimakonferenzen den CO2 Ausstoß begrenzen will, es letztlich aber bis heute oft bei reinen Lippenbekenntnissen und einem großen Politikversagen bleibt.

Losing Earth - Live Hörspiel (Foto: Stephan Haase)
Spielszene Stephan Haase

Das ist originell und unterhaltsam umgesetzt. Einfach Wasser in eine Art Aquarium gefüllt, dazu eine kleine selbstgebastelte Insel auf der ein Playmobilmännchen absäuft.

Als besonders unrühmlich beschreibt der Autor Nathaniel Rich die Rolle der USA. Nach der Wende – mit dem Niedergang der Sowjetunion, seien die Vereinigten Staaten politisch extrem stark gewesen. Und sie hätten gegen besseres Wissen verhindert, dem Klimawandel rechtzeitig etwas entgegenzusetzen. Überschwemmungen, Dürren, verheerende Brände – inzwischen leidet die Welt bereits unter den Folgen. Doch die Jugend begehrt zunehmend auf, zum Beispiel in der „Fridays for Future“-Bewegung.

Losing Earth - Live Hörspiel (Foto: Stephan Haase)
Im Bild - v.l.n.r.: Josephine Hochdruck, Janis Hanenberg und Judith Quast Stephan Haase

Das Theater als Ort, an dem man Mitstreiter für den Klimawandel gewinnen kann

„Losing Earth“ ist ein gelungener Abend, der die Zuschauerinnen und Zuschauer über alle  Altersgrenzen hinweg miteinander ins Gespräch bringen und aufrütteln will.

Wie viel man selbst überhaupt noch machen kann, um das Problem effektiv anzugehen, das ist eine Frage, die sich wohl manche nach diesem Abend stellen. Vielleicht antwortet man am besten mit den Worten der Meeresbiologin Antje Boetius. Sie sagte vor Kurzem sinngemäß – das Theater sei ein Ort, an dem man Mitstreiter gegen den Klimawandel gewinnen kann. In dem Gefühl „wir sind viele“ stecke schließlich eine große Macht.

Theaterfestival Treffen der Theater-Avantgarde – Heidelberger Stückemarkt 2022

Es ist das Jahrestreffen der Theater-Avantgarde: An zehn Tagen im Frühling werden beim Heidelberger Stückemarkt neue Theaterstücke gelesen und herausragende Uraufführungen aus dem deutschsprachigen Raum auf der Bühne gezeigt. In diesem Jahr findet das Event vom 29.4. - 8.5. statt. Spanien ist Gastland.  mehr...

Stuttgart

Filmfestival 29. Internationales Trickfilm-Festival in Stuttgart: „Black is Back!“

Vom 3. bis zum 8. Mai findet die 29. Ausgabe des Internationalen Trickfilm Festivals in Stuttgart statt, zu dem Animationsinteressierte aus der ganzen Welt erwartet werden. Sechs Tage lang wird sich in Stuttgart alles um die neuesten Animationsfilme drehen. Das Festival findet an verschiedenen Orten und vor allem in verschiedenen Kinos statt. Auf dem Schlossplatz kann wieder Open-Air-Kinoflair genossen werden.  mehr...

Bühne „Ökozid“ von Andres Veiel am Schauspiel Stuttgart: Die Aktenlage zur Klima-Apokalypse

Wer trägt die Verantwortung für den Klimawandel? Wir alle, aber „alle“ heißt auch immer: niemand ist ganz konkret verantwortlich. Das Stück „Ökozid“ von Andres Veiel und Jutta Doberstein benennt Verantwortliche für die verheerenden Folgen der Klimakrise.
Das Stück, das am Wochenende am Schauspiel Stuttgart Premiere hatte, spielt im Jahr 2034 – eine Gruppe von Ländern des Globalen Südens verklagt die Bundesrepublik. Sie fordern, dass sich Deutschland an den Kosten für die Folgen der Krise beteiligt: Jährlich 60 Milliarden Euro. Verantworten müssen sich die Regierungen Schröder und Merkel – dafür, dass sie Klimaschutzmaßnahmen verwässert oder nicht umgesetzt haben.
Intendant Burkhard Kosminski verwischt in dieser packenden Inszenierung ganz bewusst die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, die Botschaft des Stücks: der Klimawandel ist hier, wer jetzt nicht handelt, für den wird es 2034 zu spät sein  mehr...

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Gespräch Wie können Konzerte und Festivals nachhaltiger werden

Bei Festival- und Konzertveranstaltern nehme das Bewusstsein für Klima- und Nachhaltigkeitsfragen deutlich zu, sagt Fine Stammnitz, Leiterin der Green Touring Network. Für die Popakademie Baden-Württemberg hat sie an einem „Green Touring Guide“ mitgearbeitet, um Indy-Bands zu beraten, wie sie Konzerte und Touren nachhaltiger veranstalten können.  mehr...

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