Ring des Nibelungen am Staatstheater Mainz Wagners Ring - mit Loriot auf dem Sofa

Von Ursula Böhmer

"Der Ring des Nibelungen", Wagners Riesenwerk: Vier Opern, vier Abende, 15 Stunden Musik. Muss das sein? Das fragte sich schon Opernliebhaber Loriot und erstellte seine Kurzfassung "Ring an einem Abend", mit Ausschnitten aus Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. Das Staatstheater Mainz zeigt Loriots Ring jetzt mit Max Hopp als Erzähler, mit dem Philharmonischen Staatsorchester und Mitgliedern des Opernensembles.

Kein Geist von Loriot - und auch kein Mops

Nein, es ist nicht der Geist von Loriot, der auf der Bühne im Staatstheater Mainz auf einem grünen Sofa sitzt. Und er hat auch keinen Mops mitgebracht. Es ist der Berliner Schauspieler Max Hopp, bekannt aus Theater und Fernsehen, der hier in Loriots Rolle schlüpft. Oder vielmehr: In die Rolle des Erzählers, der drei Stunden kurz durch Wagners eigentlich 15 Stunden lange Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ führt.

Ring des Nibelungen am Staatstheater Mainz Wagners Ring auf Loriots Sofa abgesessen

Der Ring an einem Abend  Loriot  Richard Wagner. Max Hoppe auf dem Sofa bei der Inszenierung am Mainzer Staatstheater (Foto: SWR, Staatstheater Mainz - Andreas Etter)
Wagners Ring aus der Sicht von Loriot: Eigentlich war es ganz unvermeidlich, dass man dafür auf Loriots gutem, alten Sofa platznimmt. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
In die Rolle von Loriot, der die Kurzfassung von Wagners Ring mit ironischen Erläuterungen versehen hatte, schlüpft als Erzähler Max Hopp. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Unvermeidlich daher, dass sich auch die Akteure der Wagnerschen Dramen immer wieder zu diesem Sofa verirren. Vida Mikneviciute als Sieglinde und Lars Oliver Rühl als Siegmund. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Beim Ehestreit der Götter geht es zuvor bürgerlich gesittet zu. Auch das dürfte ganz im Sinne von Loriot sein. Derrick Ballard als Wotan und Linda Sommerhage als seine Gattin Fricka. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Auch der Zwerg Mime (Karsten Münster) und Feuergott Loge (Alexander Spemann) bevorzugen die eher feine Abendgarderobe. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Sängerinnen und Sänger interagieren ungezwungen mit dem Orchester, das direkt auf der Bühne platziert ist. Die Brünnhilde gibt Daniela Köhler. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Komfortabel an Loriots Kurzfassung: Abendfüllende Rollen wie Wotan (Derrick Ballard, links) oder Siegfried (Alexander Spemann, rechts) fallen lange nicht so strapaziös aus. Einige der Sänger übernehmen deshalb auch Doppelrollen. Spemann singt beispielsweise ebenso den Loge. Staatstheater Mainz - Andreas-Etter Bild in Detailansicht öffnen
Am Ende lautet die Frage: Welchen Reim auf das Wagnersche Riesenepos macht sich nun der deutsche Michel auf seinem Sofa? Hermann Bäumer leitet das Philharmonische Staatsorchester. Max Hopp als Erzähler darf manchmal auch ganz einfach nur - zuhören. Staatstheater Mainz - Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen

Loriots Text muss auch in Loriots Stil vorgetragen werden...

Mit klarer Diktion und feiner Ironie erzählt Max Hoppe vom Nibelungen Alberich, der das Rheingold raubt, sich einen machtvollen Zauberring daraus schmiedet – und damit eine Schicksals-Lawine aus Gier, Neid und Familiendramen auslöst.

Dunkles Haar zu schwarz umrandeter Intellektuellen-Brille, gibt sich Max Hoppe gar nicht erst Mühe, wie Loriot auszusehen. Aber so ähnlich zu klingen wie er – das kann Hopp nicht gänzlich vermeide. Aus gutem Grund, so Max Hopp: „Interessant ist, dass seine Sprache dazu zwingt, bestimmte Betonungen zu machen und nicht. Und man hört sich unwillkürlich in einigen Passagen an wie er – damit meine ich nicht, die Stimme zu verstellen. Sondern in der Diktion, die ja schon zugrunde liegt.“

Loriot stellt die Bezüge zur heutigen Welt her

Zwischen den Erzählsträngen kommen die Sängerinnen und Sänger in schwarzen Anzügen und Glitzergala-Roben auf die Bühne, singen und spielen Szenen aus Wagners vier Ring-Opern.

Generalmusikdirektor Hermann Bäumer hat kein Problem damit, dass die „heilige Kuh“ der Operngeschichte in Loriots Würze der Kürze etwas an Nimbus verliert: „Was besonders schön ist: Dass er auch ab und zu Bezüge zu unserer heutigen Welt herstellt, so mit einem kleinen Augenzwinkern. Das finde ich sehr schön, dass man auch dadurch versteht, was diese Sagengeschichte für uns heute auch immer noch bedeutet.“

„Hunding verschläft eine der beeindruckendsten Liebesszenen“

Zwischendurch meint man fast Loriots Knollnasen-Figuren auf der Bühne zu sehen, etwa beim Ehedrama zwischen Siglinde und Hunding: „Vorsorglich verabreicht die Gattin dem Hausherrn das gewohnte Beruhigungsmittel in etwas stärkerer Dosis als gewöhnlich, und Hunding verschläft eine der eindrucksvollsten Liebesszenen der Opernbühne.“

Loriot findet Hoch-Komik in Wagners Bier-Ernst, bewahrt aber trotzdem Respekt vor den Opern-Figuren und vor dem Komponisten. Das ist zeitloser Kult-Humor - absolut sehens- und hörenswert: „Das Hochkomische ist, dass es nicht so tut, als wäre es komisch! Das ist immer die beste Komik – dass sie ernsthaft daherkommt, vielleicht mit einem kleinen Augenzwinkern, aber immer intelligent bleibt!“

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