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Opernkritik Leoš Janáčeks Oper „Jenufa“ in Kaiserslautern

Von Ursula Böhmer

Eine junge Frau lässt sich verführen, wird schwanger, bekommt heimlich ihr Kind, das ihre Stiefmutter aber schließlich tötet. Die Psychologien der Figuren herauszuarbeiten – das ist die Stärke von Regisseur Urs Häberli, wie man bei der Premiere am 9.2. am Pfalztheater Kaiserslautern erleben konnte.

Tragödie, Sozialstudie, Gesellschaftskritik?

Es steckt viel drin im Plot zur Oper „Jenufa“. Der Tscheche Leoš Janáček hat sie um 1894 nach einem Theaterstück der Schriftstellerin Gabriela Preissová komponiert, das wiederum auf wahren Begebenheiten fußt.

Frauenheld Stewa raspelt Süßholz mit Jenufa: Ihrer „apfelglatten Wangen“ wegen werde er auf sie warten. Denn Jenufas Stiefmutter hat den Hochzeitsplänen der beiden gerade einen Dämpfer versetzt – und um ein Jahr Aufschub gebeten. Zumal Stewa gern über den Durst trinkt und die Stiefmutter mit Trinkern und Schlägern bereits ihre eigenen Erfahrungen gemacht hat. Was sie allerdings nicht ahnt: Jenufa ist schwanger von Stewa. Ein uneheliches Kind? Undenkbar in einer streng katholischen mährischen Dorfwelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Handlung in die 1920er Jahre verlegt

Urs Häberli, Intendant und Regisseur am Pfalztheater Kaiserslautern, hat den Opern-Plot um „Jenufa“ in ähnlich bigotte Zeiten, nämlich in die 1920er Jahre verlegt und in einer beengten Hinterhof-Szenerie angesiedelt. Jeder kennt hier jeden, immer wieder spähen Beobachter aus den Fenstern in den Innenhof hinunter. Man hält zusammen – allerdings um den Preis, den schönen Schein wahren zu müssen. Das haben hier alle verinnerlicht – auch Jenufa, die sich bis zur Geburt ihres Kindes lieber von der Stiefmutter verstecken lässt und betet, als Gesellschaftsnormen zu hinterfragen.

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Bilder von der Inszenierung

Leoš Janáčeks Oper „Jenufa“ in Kaiserslautern

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Sabine Hogrefe (Küsterin), Ilona Krzywicka (Jenufa), Heiko Börner (Laca) mit Chor und Ensemble

Sabine Hogrefe (Küsterin), Ilona Krzywicka (Jenufa), Heiko Börner (Laca) mit Chor und Ensemble

Heiko Börner (Laca), Ilona Krzywicka (Jenufa), Sabine Hogrefe (Küsterin)

Ilona Krzywicka (Jenufa)

Sabine Hogrefe (Küsterin)

Ilona Krzywicka (Jenufa), Daniel Kim (Stewa), Helena Köhne (Die alte Buryja)

Daniel Kim (Stewa), Ilona Krzywicka (Jenufa)

Heiko Börner (Laca), Ilona Krzywicka (Jenufa)

Daniel Kim (Stewa), Ilona Krzywicka (Jenufa) mit Ensemble und Chor

Starke Sängerinnen

Die Polin Ilona Krzywicka singt Jenufa mit Strahlkraft und Ausdrucksstärke: Eine sanfte Leidensfigur, die alles erträgt – sogar, dass Stewa sie sitzenlässt, nachdem der eifersüchtige Laca ihre „apfelglatte Wange“ aufgeritzt und entstellt hat. Jenufas Stiefmutter würde lieber den reuevollen Laca als Schwiegersohn sehen. Dennoch kniet sie vor Stewa nieder, um ihn zurückzuholen zu Frau und Kind. Umsonst. Bedrückend glaubhaft ist die dramatische Sopranistin Sabine Hogrefe als Stiefmutter, die schließlich das Falsche tut, weil sie das vermeintlich Beste will – und Jenufas Kind tötet.

Kein krampfhafter Bezug zum Heute

Die Psychologien der Figuren herauszuarbeiten – das ist die Stärke von Regisseur Urs Häberli. Häberli versucht im Pfalztheater Kaiserslautern nicht krampfhaft einen Bezug zum Heute herzustellen. Zumal Janáčeks Opernfiguren in ihren allzu menschlichen Fehlbarkeiten ohnehin zeitlos sind. Janáček prangert nicht an – er erklärt. Die Kritik an unhinterfragten Moralvorstellungen überlassen er wie auch Häberli dem Publikum – und vielleicht ist am Ende ja wirklich derjenige der Klügere, der, wie Jenufa, nachgeben und verzeihen kann?

Ilona Krzywicka (Jenufa)

Ilona Krzywicka (Jenufa)

Orchester spielt wunderbar transparent

Schade allerdings, dass Häberli und Generalmusikdirektor Uwe Sandner sich in Kaiserslautern für die deutsche Opernfassung entschieden haben. Zumal Janáček im tschechischen Original die Wortmelodien und Rhythmen seiner Muttersprache verarbeitet. Und auch, wenn Janáček die Übersetzung des Schriftstellers Max Brod gebilligt hat, wirkt das Deutsche bisweilen banal. Dennoch funktioniert der Abend – vor allem dank der ausgezeichneten Sängerdarsteller, die hier nicht zuletzt getragen werden von dem wunderbar transparent spielenden Orchester des Pfalztheaters.

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