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90 Jahre nach dem Erscheinen Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ hat Autor und Regisseur Hakan Savaş Mican mit „Berlin Oranienplatz“ eine neue, zeitgemäße Hommage an Berlin verfasst und am Gorki Theater inszeniert: ein allzu romantisierender Trip, der es versäumt, Widersprüche offenzulegen und Verhältnisse zu kritisieren, findet Ina Beyer.

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Can ist ein Arbeiterkind aus Kreuzberg. Er hat mit Fälschungen von Designerkleidung und Markenuhren das große Geld gemacht und muss jetzt den Preis dafür zahlen: Fünf Jahre Gefängnis. Zuvor durchstreift er ein letztes Mal die Straßen von Berlin, besucht Menschen und Plätze seiner Vergangenheit, auf der Suche nach sich selbst.

Seine 24-Stunden-Reise durch seine Erinnerungen und durch den Berliner Stadtraum gerät zum sentimentalen Trip voller romantisierender Bilder. Kreuzberg erscheint als sonnenlichtdurchflutetes Multikultiparadies und Cans Kindheit als heller Streif am Vergangenheitshorizont.

Nie stürzen Schilderungen ins Abgründige, brechen Konflikte auf, werden Widersprüche offengelegt oder Verhältnisse hinterfragt. So bleibt es ein kleiner feiner Abend mit winzigem Widerhaken.

„Berlin Oranienplatz“ von Hakan Savaş Mican läuft noch bis zum 30.9. am Maxim Gorki Theater Berlin.

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