STAND
AUTOR/IN
Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Auf den Salzburger Festspielen 2019 hat der junge Regisseur Evgeny Titov schon mit einer Inszenierung von Maxim Gorkis „Sommergästen" beeindruckt.

Jetzt inszeniert der Shootingstar am Staatstheater Wiesbaden wieder ein Drama des russischen Dramatikers. Wassa Schelesnowa ist strenge Übermutter und Firmenbesitzerin — eine starke Frau aus der Zeit der Jahrhundertwende. Leider kommen die leisen Töne zu kurz.

Bühne Maxim Gorkis „Wassa Schelesnowa" in Wiesbaden

Aufführung "Wassa Schelesnowa" in Wiesbaden (Foto: Karl und Monika Forster)
Schelesnowa, „die Eiserne“ – diesen Namen gibt Maxim Gorki der Titelfigur seines Dramas von 1910. Tatsächlich hat das Leben Wassa Schelesnowa zu einer harten, disziplinierten Frau gemacht. Sie hat mit ihrem Mann und dessen Bruder nicht nur das Familienunternehmen aufgebaut, sondern auch ihre Familie mit den Hausangestellten wie eine rigide Unternehmerin gemanagt. Jetzt droht alles auseinanderzubrechen. Karl und Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Da ruft Wassa ihre Tochter Anna, die unter Stand geheiratet hat und seit zehn Jahren in der Stadt lebt, auf den ländlichen Familiensitz zurück. Anna hat aber erst recht nicht das Format ihrer Mutter. Einfluss nehmen kann sie auf die übrigen Familienmitglieder nicht. Dafür vertrauen die ihr nach und nach lang gehütete Geheimnisse an. Geheimnisse, die Wassa sicher lieber unter der Decke gehalten hätte. Karl und Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Sie reichen von Affären, unehelichen Kindern und Verbannung ins Kloster bis hin zu forciertem Selbstmord und versuchten oder vertuschten Morden. Am Ende ist klar: Auch wenn Wassa oft nur aus mütterlichen Gefühlen und im Hintergrund intrigiert hat: Die die Fäden aller Verbrechen laufen doch bei ihr zusammen. Karl und Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Am Staatstheater Wiesbaden hat der 30-jährige Regie-Shootingstar Evgeny Titov aus Gorkis psychologischem Krimi der Jahrhundertwende eine moderne überdrehte Groteske gemacht. Die legendäre Leslie Malton wirkt in der Titelrolle wie eine unerschütterliche Dompteurin. Zu Beginn ist sie noch eins mit ihrem bürgerlichen Haus, auch farblich: Ihr rotes schmales Kleid, die roten Haare im strengen Dutt, steht sie beherrscht vor den rot tapezierten Räumen und der Chaise Longue. Karl und Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Im Laufe des Abends geben die schweren Eichentüren den Blick auf immer neue identisch aussehende Räume frei. Ein genial verschachteltes Bühnenbild in Rot und Schwarz auf grünem Filzboden, das an einen Roulette-Tisch erinnert, aber auch an Matroschka-Puppen. Ein gelungenes Symbol für die versteckten Machenschaften und Lügen, die im Laufe des Abends aufgedeckt werden. Karl und Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Evgeny Titov inszeniert den kantigen Text, den er in Teilen neu übersetzt hat, sehr laut und roh. Der Ton der spaßorientierten Erbengeneration gegenüber den arbeitsamen, aber auch nicht zimperlichen Eltern findet sich auch in unserer Zeit wieder. Leider kommen die zarten Töne als Kontrast zu kurz. Erst am Ende des Abends am Wiesbadener Staatstheater wird Wassa Schelesnowa auch weich. Doch das ist zu spät: Das Schicksal der eisernen Lady und Mutter hat einen da schon längt kaltgelassen. Karl und Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen

Wassa Schelesnowa. Hessisches Staatstheater Wiesbaden. Die nächsten Aufführungen sind am 11.3., 12.3., 13.3. und 18.3.

Oper Aufstieg und Fall eines Playmates: „Anna Nicole“ am Staatstheater in Wiesbaden

Sexclubtänzerin, Busenwunder, Model, Milliardärsgattin: Anna Nicole Smith war DIE Skandalfigur der Neunziger Jahre – von den Boulevard-Medien ausgeschlachtet, wahlweise umjubelt, beneidet, verspottet, gehasst. Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden inszeniert Bernd Mottl ihr Leben in der Oper „Anna Nicole“ von Mark Anthony Turnage.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Bühne Viel Pest, viel Erotik, wenig Politik: Serebrennikow inszeniert „Decamerone“ am Deutschen Theater

Am Deutschen Theater Berlin konzentriert sich der russische Regisseur Kiril Serebrennikow nicht auf aktuelle Bezüge, sondern auf die Variation endloser Liebesabenteuer.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Bühne Geniale Enthauptung: Barrie Kosky inszeniert „Salome“ an der Oper Frankfurt

Geradlinig, tiefsinnig und abgrundtief schwarz: die Salome als männermordendes Ungeheuer ist in neueren Aufführungen der Oper von Richard Strauss von der Bühne längst verschwunden. Barrie Kosky setzt an der Oper Frankfurt einen anderen Akzent, er zeigt Salome als Jugendliche in einer perversen Familie, die Botschaft dahinter: erst durch die Umstände wird aus dem Mädchen das Monstrum. Eine gelungene Inszenierung, einziger Schwachpunkt: die Dirigentin Joanna Mallwitz führt das Orchester mit zu wenigen Nuancen durch die Partitur von Richard Strauss.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN