Brauchtum

Spielleiter Stückl: Alle sollen bei der Oberammergauer Passion mitspielen dürfen

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Der Theatermacher und Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele Christian Stückl (Foto: SWR, Gabriela Neeb)
Der Theatermacher und Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele Christian Stückl. Die Passion hat er 2022 zum vierten Mal inszeniert und das jahrhundertealte Spiel grundlegend erneuert. Gabriela Neeb

Der Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, hat dafür plädiert, künftig lockerer mit dem Spielrecht bei der Passion umzugehen. Das "Unrechtsgesetz", das außer den gebürtigen Oberammergauern nur jenen Erwachsenen das Mitwirken erlaubt, die 20 Jahre in der Gemeinde leben, müsse geändert werden, sagte Stückl am 15. Juli bei einer Pressekonferenz in Oberammergau. Die Regelung sei einfach "dämlich" und verhindere die Integration.

Für Stückl wären zweieinhalb bis drei Jahre praktikabel. Denn in diesem Zeitraum vor einer Passion werden die Spieler registriert. „Es ist wichtig, dass man junge Leute integriert“, sagt Stückl. Integration hat nichts damit zu tun, wie lange jemand hier ist.“ Nach der derzeitigen Regelung müssten manche fast 30 Jahre warten, da die Passion nur alle zehn Jahre stattfindet.

20-Jahre-Regel sollte Flüchtlinge nach 1945 ausgrenzen

Auch der Geschäftsführer der Passion Walter Rutz sagt: „Man braucht eine neue Regelung.“ Die 20-Jahres-Regel gilt nach seinen Worten seit den Passionsspielen von 1960. Hintergrund soll damals vor allem der Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen sein, die nicht mitspielen sollten. Zuvor galt eine Zehn-Jahresregel. Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) geht davon aus, dass das Thema vor der nächsten Passion 2030 erneut im Gemeinderat landet. 2016 war dort ein Versuch gescheitert, die Wartezeit auf 15 Jahre zu verkürzen.

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