Festspielsommer

Salzburger Festspiele wollen strengere Sponsoren-Kriterien

STAND
Markus Hinterhäuser Intendant (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picturedesk.com | Karl Schöndorfer)
Die Festspielleitung und Intendant Markus Hinterhäuser fahren einen differenzierten Kurs, wenn es etwa um Engagements mit Russland-Bezug oder um Sponsoring durch die Rohstoffbranche geht. picturedesk.com | Karl Schöndorfer

Der Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, hat eine kritischere Sponsoren-Auswahl angekündigt. „Wir müssen moralische und politische Kriterien stärker berücksichtigen", sagte Hinterhäuser der „Augsburger Allgemeinen" (21.Juli). Die Sensibilisierung der Gesellschaft beim Sponsoring sei deutlich gewachsen. „Und das völlig zu Recht", so der Intendant. Es gelte, dabei mit Augenmaß und nicht mit Empörungseifer vorzugehen.

„Aber Sponsoring - und jetzt verwende ich dieses unsägliche Wort selbst -, das toxisch ist, ist für die Salzburger Festspiele inakzeptabel", betonte Hinterhäuser. Die Festspiele hatten sich Anfang Juli vom Bergbauunternehmen Solway getrennt, nachdem dem Schweizer Konzern Menschenrechtsverletzungen im Nickelabbau vorgeworfen worden waren.

Kein Problem mit russischer Großbank

Daneben gab es für die Festspiele auch Kritik am Auftritt von Dirigent Teodor Currentzis mit seinem Ensemble MusicAeterna, das von der russischen Großbank VTB finanziert wird. An beiden halten die Festspiele fest. „Man sollte hier differenziert und mit Augenmaß vorgehen", sagte dazu die neue Festspielpräsidentin Kristina Hammer der Deutschen Presseagentur. Viele Menschen in Russland, darunter auch Künstler, seien gegen den Krieg. Kritik werde aber mit Gefängnis bestraft. VTB habe nie direkte finanzielle Verbindungen zu den Festspielen gehabt, betonte sie.

Festspiele bis Ende August

Salzburger Festspiele: Beim Bieranstich nach der Jedermann-Premiere Verena Altenberger und Lars Eidinger (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picturedesk.com | Franz Neumayr)
Jedermann-Premierenfeier 2022 bei und mit einem "Offiziellen Produktsponsor": die diesjährigen Jedermann-Stars Verena Altenberger und Lars Eidinger beim Fassanstich eines Salzburger Alkoholgetränke-Herstellers. picturedesk.com | Franz Neumayr

Die diesjährigen Salzburger Festspiele haben am 18. Juli wie üblich mit der Premiere des „Jedermann" begonnen. Bis Ende August bieten die Festspiele, eines der weltgrößten Kultur- und Musikfestivals, 174 Theater-, Oper- und Musik-Vorstellungen. Insgesamt stehen knapp 225 000 Karten zum Verkauf. Für den „Jedermann", laut Website stets ausverkauft, könnte ein zeitnahes Kontrollieren des Angebots lohnen. Es wird damit gerechnet, dass einige Kartenkäufer coronabedingt nicht kommen können.

Salzburg

Kommentar Axel Brüggemann über das kritische Konzept: „Weltstar bringt Weltklasse“

Die Salzburger Festspiele sind zu Ende – es gab allerhand Erfolge, aber auch kritische Momente. Der Auftritt von Anna Netrebko als Tosca wurde vom Publikum nicht gefeiert. Das könnte auch daran liegen, dass das Konzept: „Weltstar bringt Weltklasse“ nicht immer stimmt. Ein wenig mehr Mut wäre angebracht, findet unser Kolumnist Axel Brüggemann.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Festivals Salzburger Festspielhaus: Sanierung und Erweiterung im Mönchsberg

Die Salzburger Festspiele haben sich entschieden. Am 23. Juni präsentierten sie das Siegerprojekt eines Architekturwettbewerbs für die Sanierung und Erweiterung der Festspielhäuser. Bis 2030 sollen dazu neue Werkstätten, Proberäume und Garderoben auf zusätzlichen 11.000 qm entstehen  mehr...

Gespräch „Toxisches Sponsoring“: Warum Lukas Bärfuss die Salzburger Festspiele kritisiert

Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss bekräftigt in SWR2 seine Kritik am Sponsoring des renommierten Theater- und Musikfestivals durch das Bergbauunternehmen Solway. „Die Salzburger Festspiele sind – nach ihrer Selbstdefinition – ein Friedensprojekt. Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle“.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN
SWR