Bühne

Kontrolle durch Verschwörung – „Foxfinder“ am Pfalztheater Kaiserslautern

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AUTOR/IN
Mareike Gries

Die britische Autorin Dawn King hat ihr Drama „Foxfinder“ vor mehr als zehn Jahren geschrieben. Verschwörungserzählungen waren damals nicht so präsent wie heute, wo viele Menschen zum Beispiel wegen Corona simple Erklärungen und klare Feindbilder suchen. Deshalb ist das Drama um angeblich dämonische Füchse heute aktueller als zu seiner Entstehung, sagt Regisseur Harald Demmer. Er bringt „Foxfinder“ nun beklemmend und düster auf die Werkstattbühne des Pfalztheaters.

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Der Fuchs als Wurzel allen Übels

Sam und Judith erwarten einen Besucher. Der so genannte Foxfinder soll überprüfen, ob der Bauernhof des Ehepaars verseucht ist. Sam hält diese Kontrolle für überflüssig:

 „Wenn hier etwas nicht in Ordnung wäre, wüsste ich das doch. Ich kenne doch mein eigenes Land. Ich bin da draußen zu allen Tages- und Nachtzeiten und ich habe nichts gesehen. Du hast nichts gesehen. Die Männer haben nichts gesehen. Da ist nichts.“

„Sie sind schlau. Sie verstecken sich.“ entgegnet der Foxfinder.

Sie sind schlau. Dieser Satz fällt immer wieder, wenn sich die Leute über ihre ärgsten Feinde austauschen: Füchse. Der schlaue Fuchs ist in dem Drama von Dawn King die Wurzel allen Übels.

Ein Verschwörungsglaube steht im Fokus

Er muss aufgespürt und eliminiert werden, von speziell dazu ausgebildeten Foxfindern. Einer von ihnen heißt William. Bereits als Fünfjähriger kam er zu einem Elite-Institut zur Ausbildung. Nun hat er sich bei Judith und Sam einquartiert.

Ähnlich wie bei der Hexenverfolgung im Mittelalter, sind die Figuren im Stück „Foxfinder“ davon überzeugt, dass der Fuchs übersinnliche Kräfte hat. Dass er das Wetter beeinflussen, Menschen töten oder sie zumindest ins größte Unglück stürzen kann.

Lukas Jakob Huber spielt den fanatischen Anhänger dieses Verschwörungsglaubens, den Foxfinder.

Das Stück ist heute aktueller denn je

Regisseur Harald Demmer hat das Stück erstmals vor zehn Jahren gelesen, kurz nach der Uraufführung in London. Damals hätte ihn der Stoff nicht so sehr interessiert, sagt er.

„Irgendwie war mir das Thema vor zehn Jahren gar nicht so wichtig. Aber es geht ja auch um: was ist Wahrheit? Es geht um Verschwörungstheorien. Und wir haben das Stück dann nach dem Brexit das erste Mal wieder gelesen und während der Corona-Pandemie fiel uns das wieder in die Hände, da haben wir gedacht: Das ist schon ein sehr interessantes Stück für die Zeit. Es ist eigentlich aktueller geworden, als es vor zehn Jahren war.“

Widerstand wird immer schwerer

Deswegen, sagt Harald Demmer, sei es gar nicht notwendig, die aktuellen Bezüge in der Inszenierung noch stärker zu betonen. Das Stück spielt zu einer nicht definierten Zeit, in einem nicht definierten Land.

„Das Stück ist schon wie eine Parabel geschrieben. Man muss das jetzt nicht aktualisieren. Ich glaube, man erkennt ja das Problem.“

Das Drama von Autorin Dawn King zeigt nicht nur, wie sich Menschen mit Druck und Angst manipulieren lassen. Es zeigt auch, wie schwer der Widerstand wird, wenn sich der Verschwörungsglaube wie ein Virus ausbreitet. Leider ein ideales Stück für unsere Zeit. 

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